Der Prophet Maleachi

Aus: "Die kleinen Propheten"

von J. G. Bellett

Einleitung

Man hat den zwölf kurzen Büchern, die die alttestamentli­chen Schriften vervollständigen und abschließen, den Namen "Kleine Propheten" gegeben, im Unterschied zu den vier größeren Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel, von denen die ersten beiden im Land Israel und die beiden anderen außerhalb des Landes in der Gefangenschaft prophezeiten. Der Inhalt der zwölf "Kleinen Propheten" ist nicht von geringerem Wert, verglichen mit dem der vier größeren; diese Bücher sind lediglich weniger umfangreich; alle sind gleicherweise das Wort Gottes, wenn auch in der Ausdrucksweise des jeweiligen Propheten (2. Sam 23, 2); und für uns ist es das, "was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten" (Mt 1, 22).

Einige dieser Propheten lebten gleichzeitig; andere lebten vor der Zeit Jesajas und Jeremias, wie die Zeitabschnitte ihrer Prophezeiungen erkennen lassen.

Wir haben bei dieser Betrachtung die zeitliche Reihenfolge und Ordnung eingehalten, in der diese Bücher im Wort Gottes vorkommen. Es wird allgemein angenommen, dass sie in dieser Ordnung auch verfasst worden sind. Doch das ist nicht so wichtig wie einige Kritiker meinen, die die Zeitpunkte dieser Mitteilungen in Frage stellen. Wichtiger für das Verständnis ist vielmehr die Zeit, in der das prophetische Wort erfüllt werden wird. Und wir sollten immer daran denken, dass in den Gesichten der Propheten zukünftige Ereignisse als bereits geschehen vorgestellt werden.

Hosea, Amos, Micha und wahrscheinlich au Joel prophezeiten in den Tagen Ussijas, Jothams, Ah und Hiskias. Ihre Botschaft richtete sich an die Königreiche Israel und Juda.

Jona wurde nach Ninive, der Hauptstadt Assyriens, gesandt, als diese Stadt auf der Höhe ihres Ruhmes stand. Er kündigte das bevorstehende Gericht über diese Nation an. Die Bewohner von Ninive hörten auf ihn.

Nahum spricht über die endgültige Verwüstung Ninives, Habakuk über den Untergang Chaldäas; 0badja enthüllt Gottes Rache an Edom, während Zephanja die Geschichte Judas fortführt bis zum Beginn der babylonischen Gefangenschaft. Er sagt auch Gottes Gericht über Jerusalem voraus, aber auch die endgültige Befreiung und Herrlichkeit dieser Stadt.

Haggai und Sacharja hatten Botschaften an die zu­rückgekehrten Gefangenen, die in der Zeit Esras und Nehemias den Gottesdienst und die Anbetung wiederherstellten und den Tempel Jehovas in Jerusalem wiedererbauten.

Maleachi beschreibt den moralischen Zustand Judas im Land und beschließt das Alte Testament, indem er das Kommen des Königreiches Christi verheißt, wenn Er als "die Sonne der Gerechtigkeit" aufgehen wird "mit Heilung in ihren Flügeln" (Kap. 4, 2).

Möge es dem Leser geschenkt sein, das "Wort des Herrn durch die Propheten" zu hören und zu beachten, um dadurch gewarnt und auferbaut zu werden.

Maleachi

Maleachi beschließt die kleinen Propheten und zugleich auch die Schriften des Alten Testaments. Diese Tatsache legt einen kurzen Rückblick auf die vorhergehende Geschichte Israels nahe.

Von Anfang an hatte Jehova auf verschiedene Art und Weise das Volk, das Er zu Seinem Volk gemacht hatte, auf die Probe gestellt. Nachdem Er sie aus Ägypten befreit und durch die Wüste getragen hatte, brachte Er sie unter Josua in das Land, das Er ihren Vätern verheißen hatte. Als sie im Land waren, begann Er sozusagen aufs neue mit ihnen. Das können wir in den Tagen der Richter beobachten, die auf Josua folgten. Doch wie sah es da aus? Das Volk übertrat Gottes Gebote. Jehova züchtigte es. Das Volk weinte unter der Rute. Jehova erweckte Befreier. So geschah es immer wieder.

Doch während jener ganzen Zeit sah Jehova Israel vor Sich und beschäftigte Sich mit ihm. In diesen Tagen gab es für das Volk weder Gefangenschaft, noch Besetzung des Landes. Israel wohnte im Lande. Es war noch ihr Land, und Jehova war sowohl ihr König als auch ihr Gott.

Zu seiner Zeit gab Gott ihnen das Haus und den Thron Davids. Das Königtum erblühte. Doch das Königtum wurde Gott genauso untreu, wie es die Nation zuvor gewesen war. Welche Langmut erwies Jehova dem Hause Davids, die gleiche Langmut, mit der Er auch zuvor die Nation ertragen hatte. Diese Dinge können wir in den Büchern der Könige und im zweiten Buch der Chronika nachlesen. Doch schließlich gab Jehova sie in die Hand ihrer Feinde; sie verloren ihre Heimat, ja das ganze Land und zogen in die schreckliche Gefangenschaft. Dort lernten sie unter den Königen von Assyrien und Babylon eine noch weit schlimmere Lage kennen, als sie sie unter der Rute der Philister, Midianiter und Kanaaniter gekannt hatten. Das Volk wurde unter die heidnischen Völker zerstreut, und ihr Land wurde von den heidnischen Völkern in Besitz genommen.

Das war furchtbar. Doch es gibt eine Wiederherstellung. Ein Überrest der Weggeführten kehrt von Babylon zurück. Jerusalem wird wiedererlangt, wiederaufgebaut und aufs neue bewohnt. Das Haus Gottes wird wiederhergestellt, die Anbetung Seines Namens und der Dienst an Seinem Altar wieder aufgenommen. Und doch war all das nicht mehr dasselbe wie früher, es war etwas gänzlich Neues. Israel war nicht mehr ein Volk, das in seinem eigenen Land wohnte, wie das zu Zeiten Josuas und der Richter der Fall war. Es war auch nicht mehr ein Königreich, auf dessen Thron einer von ihnen saß, wie das bei David und seinen Söhnen der Fall war. Die Kinder Israel waren Untertanen der heidnischen Völker. Sie mussten diesen Nationen dankbar sein, dass sie die Genehmigung erhielten, in dem Land ihrer Väter zu wohnen, und auch dafür, dass sie die Gesetze beobachten und den Dienst für ihren Gott verrichten durften. Sie waren die Untertanen des Persischen Königs, und ihr Regent war sein Stellvertreter.

Das waren tatsächlich ganz neue Verhältnisse. Sie mussten das durchmachen, um wiederum erprobt, ja völlig erprobt zu werden. Israel wurde aufs äußerste geprüft und auch überführt. Und so geschah es: Als sie in diesen Umständen geprüft werden, kommt es wieder zum Abfall, wie es von jeher der Fall war. Das Buch der Richter hatte bereits gegen sie als Nation gezeugt. Das zweite Buch der Chronika hatte gegen sie als Königreich gezeugt. Und nun zeugen Esra und Nehemia und diese Prophezeiung Maleachis gegen sie als zurückgekehrte Gefangene.

Doch ich muss dieses Thema für einen Augenblick verlassen.

Die zurückgekehrten Gefangenen geben zu Anfang ein wunderschönes Beispiel des Glaubens und des Dienstes. Doch wie wir hier in Maleachi sehen, gerieten sie in einen sehr traurigen moralischen Zustand. Aber es hatte leuchtende, erfrischende Augenblicke gegeben. Große Dinge hatten sie erlebt, größere als es Jahrhunderte lang gegeben hatte; denken wir nur an die Rückkehr aus Babylon, den Wiederaufbau des Tempels und der Mauer und die wiederholte Reinigung und Absonderung der Versammlung.

Aber es gab keine Wunder; alles wurde durch die Kraft moralischer Energie zustande gebracht. Es war mehr das Wirken des Geistes Gottes i n dem Volk, als das Wirken der Hand Gottes f ü r das Volk. Es gab keine Wolkensäule, die sie durch die zweite Wüste geführt hätte. Aber sie gingen, und das Fasten und die Gebete an den Ufern des Flusses Ahawa zeigen deutlich die Wirksamkeit des Geistes, der unter ihnen war. Als ein Volk, das seine Nasiräerschaft kannte, lehnten sie ein Bündnis mit den Samaritern ab. Die Gewohnheiten der Nationen, die Traditionen der Ältesten, ihre eigenen Gedanken und ihre eigene Weisheit hatten keinen Einfluss auf ihren Charakter und ihr Verhalten. Das Wort Gottes war ihr Gesetz. Persönliche Gnade und Gaben treten hervor, wie bei Esra und Nehemia. Das Licht, das Esra hatte, die Aufrichtigkeit und Herzenseinfalt, die Nehemia kennzeichneten, konnten das Volk durch Schwierigkeiten hindurchführen, als der Stab Moses nicht mehr im Lager war, um angesichts des Feindes seine Wunder zu tun.

Ich spreche nicht von Mordokai und Esther, wie merkwürdig und bewundernswert ihr Weg auch war – wieder ohne jedes Wunder zu ihren Gunsten –, denn sie sind ein Bild von Israel in der Zerstreuung und nicht von den zurückgekehr­ten Gefangenen.

Diese Tugenden, die den Überrest oder diese zurückgekehrten Gefangenen kennzeichneten, wurden in Vollkommenheit in dem Herrn Jesus gesehen, der sozusagen der Überrest Seiner Tage war. Er untersagte Seinen Jüngern eine Verbindung mit den Samaritern, wollte aber doch, dass sie sich einer heidnischen Nation unterwarfen. "Gebet denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist" (Mt 22, 21), könnte man als Zusammenfassung der Religion der zurückgekehrten Gefangenen betrachten.

Doch diese leuchtenden Augenblicke sind nun verblasst, und Maleachi lässt uns den letzten alttestamentlichen Blick auf den Zustand Israels tun: er ist traurig und niederbeugend.

Zur rechten Zeit kommt die Stunde des Neuen Testamentes, und wir finden alles so vor, wie Maleachi es geweissagt hatte. Der Messias, der Herr des Tempels, erscheint, eingeführt von Johannes dem Täufer. Johannes der Täufer ist der Bote aus Maleachi 3, 1 und auch der Elia (falls das Volk ihn annehmen würde) aus Maleachi 4, 5. Die ganze Reihe der Prüfungen, von dem Tag des Auszugs aus Ägypten an bis zu den Tagen der zurückgekehrten Gefangenen, wird hier zusammengefasst. Der Messias**)**) "Und wenn ihr es annehmen wollt, er ist Elias, der kommen soll" (Mt 11, 14). Diese Worte zeigen deutlich, dass der Dienst Johannes des Täufers eine Zeit der Erprobung war. Er wird dem Volk angeboten; Er stellt Sich völlig und in vielfältiger Weise dem Volk dar, damit es Ihn annehme. Und schließlich wird der Geist gegeben, und die Apostel rufen, voll des Heiligen Geistes, Israel zur Umkehr und zum Glauben auf, damit für sie die verheißenen Zeiten der Erquickung und Wiederherstellung, von denen die Propheten von jeher geredet hatten, anbrechen sollten (vgl. Apg 3, 19–22). Das sind herrliche, leuchtende Gnadenerweise: die letzten und doch die besten, die abschließenden und gerade die verheißungsvollsten. Doch wie immer: sie führen nicht zum Erfolg. Israel wurde nicht gesammelt. Ob in Ägypten, in der Wüste oder im Land; ob als wanderndes Volk, als Gefangene, als Nation oder als Königreich; ob in der Gegenwart des Messias und Seiner Werke, oder von dem Geist und Seinen Wirkungen heimgesucht – immer, von Anfang bis Ende, unter all den geduldigen Bemühungen Seiner Barmherzigkeit, Gnade und Weisheit: sie sind und bleiben untreu. Sie "widerstreiten allezeit dem Heiligen Geist" (Apg 7, 51), wie Stephanus sagt. Und Paulus zeugt gegen sie: "damit sie ihre Sünden allezeit voll machen" (l. Thess 2, 16).

Die Nation wurde damals bewahrt und in ihrem eigenen Land erhalten, bis der König, das Haus Davids, eingesetzt wurde; so werden sie auch jetzt wiederhergestellt in ihrem eigenen Land und dort erhalten, bis der Messias erscheint und Sich Selbst ihnen vorstellt. Das Reis aus dem Stamm Juda wird bewahrt, damit der Schössling aus der Wurzel Isais hervorkommen kann.

Zu Beginn der Evangelien finden wir Zitate aus Maleachi, die sich auf diesen Augenblick beziehen. Auf diese Weise wird das Ende des Alten Testaments mit dem Anfang des Neuen Testaments verknüpft. Und diese Verbindungen, so einfach, auffallend und weitreichend sie sind, legen ein beredtes Zeugnis von der Einheit des göttlichen Wortes ab. Sie entfalten etwas von der moralischen Herrlichkeit dieses Buches und lassen uns sehen, was eine andere Stelle sagt (und zwar eine Stelle aus diesem Buch selbst), dass nämlich dem Herrn von Ewigkeit her alle Seine Werke bekannt sind (vgl. Fußnote zu Apg 15, 18 in der französischen Bibelübersetzung von J. N. D.)

Wir wollen nun kurz auf diese Prophezeiung eingehen

Kapitel 1

Dieses Kapitel beginnt mit einer schrecklichen Enthüllung des moralischen Zustandes der zurückgekehrten Gefangenen. War der Zustand Israels jemals schlechter gewesen? Wenn das besondere Kennzeichen der Geschichte von Anfang an bis zu diesem Zeitpunkt der Götzendienst war, dann war es jetzt der Unglaube, ein Geist des Spottes, ein Geist, der alle Ansprüche Gottes verachtet und von sich weist und über die Aufrufe und Bitten Gottes nur spottet. Es war gewissermaßen, als ob der unreine Geist zur Zeit Maleachis ausgefahren und ein böser eingezogen wäre. Wir können nicht sagen, dass der frühere unreine Geist zurückgekehrt wäre und sieben andere Geister mit sich gebracht hätte. Wir finden nämlich in diesem Propheten keine Andeutung dafür, dass eine Rückkehr zum Götzendienst stattgefunden hätte, aber wir können wohl sagen, dass ein böserer Geist als der vorherige eingezogen war.

Hinterlassen dieses "worin" oder "womit" unseres Kapitels, mit dem die zurückgekehrten Gefangenen auf die Aufrufe und Zurechtweisungen des Herrn immer wieder antworten, nicht einen schrecklichen Klang in unseren Ohren?

Kapitel 2

In diesem Kapitel tadelt Jehova die Priester, wie Er vorher das Volk getadelt hatte. Der Geist bringt in dem Propheten Worte hervor, durch die er die Gräuel, die in Juda und Jerusalem begangen wurden, aufs schärfste verurteilt. Er spricht von ihrer Treulosigkeit gegenüber dem Bund des Volkes und lässt sie wissen, dass sie ihre eigenen Feinde waren, indem sie in ihren Umständen unter demselben Bund untreu waren. Es war nicht Jehova, der sie eingeengt hatte. Er hatte Vorkehrungen für sie getroffen, die auf Wirkungen des Geistes beruhten, um Seinen Anteil an dem Bund zu erfüllen. Es wird von dem Bund unter dem Bild eines Ehebundes oder eines Ehegelöbnisses gesprochen, wie es allgemein Gepflogenheit der Propheten war. Und es ist ein Bild, wie es uns aus den Worten des Herrn Jesus über Sich Selbst und Sein Volk Israel entgegentritt.

Kapitel 3–4

Jehova fährt fort, den bösen Zustand Israels zu tadeln, und lässt sie wissen, dass der Herr des Tempels wahrhaftig kommen würde und Sein Bote vor Ihm her, doch dass diese Sendung ganz anders ausgehen würde, als sie erwarteten. Sie dachten, dass Sein Kommen gewiss zu ihren Gunsten sein würde, dass es ihnen schmeicheln und zu allgemeiner Anerkennung verhelfen würde, dass es sie erheben und Befreiung und Herrlichkeit für sie bedeuten würde. Sie verlangten danach und freuten sich in der Erwartung, dass es bald eintreten würde (Vers 1 b). Der Prophet wollte, dass ihnen die Augen aufgingen und sie erkennten, dass diese Sendung wegen ihres sündigen Zustandes notwendigerweise G e r i c h t bedeutete. Es sollte sie die Frage bewegen: Wer kann bei diesem Kommen des Herrn bestehen? und nicht: Wer kann die kommende Herrlichkeit und den Segen beschreiben? Damit waren ihre Gedanken wohl beschäftigt. Nein, es ging um die Frage: Wer kann bei dieser durchgreifenden Prüfung und Sichtung, die Sein Kommen begleitet, vor Seinen Augen bestehen?

Und trotzdem hatte Gott, der so beleidigt worden war, noch Geduld. Wäre das nicht so gewesen, wäre Er nicht Gott, sondern ein Mensch gewesen; dann wäre Israel längst vernichtet worden. Doch sogar jetzt noch hätten sie erfahren können, dass Er sie über alle ihre Erwartungen hinaus segnen würde, wenn sie nur gehorsam wären.

Inmitten all dieser nationalen Ungerechtigkeit zeigt sich ein Überrest. Jehova erklärt, dass Er ihrer und ihrer Wege gedenkt (3, 16), und dass Er sie sich zubereiten wird, Juwelen gleich (engl. Übersetzung von 3, 17), an dem Tage, da für etliche die Sonne aufgehen wird "mit Heilung in ihren Flügeln" (4, 2), für andere dagegen eine Sonne, die wie ein Ofen brennt, eine Unterscheidung wie bei den zweien in einem Bett, am Mühlstein oder auf dem Feld, wovon der Herr Selbst in den Evangelien spricht (Mt 24; Lk 17).

Der Prophet schließt mit Ratschlägen und Verheißungen an den Überrest. Und so, wie das Alte Testament endet, so beginnt das Neue, denn gleich zu Beginn des Lukasevangeliums sehen wir diesen Überrest in Zacharias und Elisabeth, die diesem Rat Maleachis folgen und dem Gesetz Moses mit seinen Einrichtungen und Satzungen gehorchen. Wir sehen, wie sie auch Elia in der Person ihres Kindes Johannes aufnehmen, entsprechend der Verheißung Maleachis. Ich möchte hinzufügen, dass dem Überrest für die Gegenwart keine Befreiung von den heidnischen Mächten verheißen war. Sie wurden belehrt, das Wort Gottes zu halten, das Gericht über die Gottlosen und neue Verhältnisse zu seiner Zeit zu erwarten. Die Briefe des Neuen Testaments verheißen uns in ähnlicher Weise keine Wiederherstellung der Schönheit der Kirche, sondern lehren uns, auf neue und bessere Dinge zu warten: Das Kommen des Herrn wird uns so antreffen, wie die Briefe uns zurückgelassen haben – gerade so, wie das erste Kommen des Herrn den Überrest Maleachis antraf, nämlich wie Maleachi sie zurückgelassen hatte.

Nachtrag

Ich möchte noch etwas als Nachtrag hinzufügen. Der Johannes der Täufer der Evangelien wird (was das Amt betrifft, nicht die Person) mit dem Elia des Maleachi identifiziert (Mt 11; Mk 1; Lk 1 und 7). Johannes der Täufer stand bereit, um die Verheißung des Propheten an Israel zu erfüllen. Er war als der Bote gesandt vor dem Angesicht des Herrn des Tempels und als derjenige, der das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern wenden sollte. Doch Israel glaubte nicht. Der alte Ausspruch ist nach wie vor gültig in der Geschichte dieses Volkes: "Wenn ihr nicht glaubet, werdet ihr, fürwahr, keinen Bestand haben" (Jes 7, 9). Israel konnte nicht gesegnet werden.

Elia war in den Tagen Ahabs das Werkzeug einer Wiederherstellung, wie wir in 1. Könige 18 sehen. Doch das galt nur für eine gewisse Zeit. Das Volk freute sich in seinem Licht, doch Isebel zwang ihn, in die Wüste zu fliehen. Ebenso war es bei Johannes dem Täufer. Auch in seinem Licht freute man sich. Doch auch das dauerte nur eine kurze Zeit. Eine Menge Volks ließ sich von ihm taufen. Aber die Gottlosen hassten ihn. Und eine andere "Isebel" war da, die ihn enthaupten ließ. Israel wurde nicht befestigt, weder durch Elia noch durch Johannes den Täufer.

Der verheißene Elia wird jedoch erscheinen und den Weg zum Thron und zur Macht des Messias bahnen. Denn Gott ist wahrhaftig und jeder Mensch ein Lügner. Seine Gnadengaben und Seine Berufung sind unbereubar. Er wird treu zu Israel stehen, obwohl Israel, wie wir gesehen haben, bei jeder Prüfung Ihm gegenüber untreu war. Er wird Seine Absichten in Gnade erfüllen, ganz gleich, wie sich die Weit, Israel, oder der Mensch verhalten mag. Gott ist sowohl in Gerechtigkeit als auch in Gnade unveränderlich.

"Und also wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden" (Röm 11, 26).

J. G. Bellett

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