Der zweite Brief an die Thessalonicher

Auslegung von Hamilton Smith

Übersetzt von Andreas Hardt

Überarbeitete, nicht revidierte Elberfelder Übersetzung

Einleitung

Die zwei Briefe an die Gläubigen in Thessalonich sind geschrieben worden, um Irrtümern zu begegnen, die in ihrer Mitte in Bezug auf die Hoffnung, das Kommen des Herrn Jesus, aufgekommen waren.

Die Schrift stellt uns dieses Ereignis in doppelter Hinsicht vor. Zuerst finden wir das Kommen des Herrn Jesus für Seine Heiligen, um sie aus dieser Welt herauszunehmen um mit Ihm in der Herrlichkeit zu sein. Zweitens finden wir Sein Kommen mit den Heiligen, um sie in dieser Welt einzuführen und mit Ihm zu herrschen.

- Der erste Brief an die Thessalonicher zeigt das Kommen des Herrn, um die Gläubigen aus dieser Welt herauszuführen und korrigiert den Irrtum, der bei den Heiligen aufgekommen war bezüglich der bereits Entschlafenen.

- Der zweite Brief beschreibt das Kommen des Herrn mit den Gläubigen und korrigiert einen Irrtum, der gelehrt wurde bezüglich der noch lebenden Gläubigen.

Die Gläubigen in Thessalonich waren sehr vertraut mit dem Kommen des Herrn mit den Heiligen. Sie wussten, dass dieses Kommen die Zeit des Menschen beendet und in den Tag des Herrn einführt. Der Apostel Paulus hatte schon im ersten Brief auf den "Tag des Herrn" hingewiesen (5,2) als einer Wahrheit, mit der sie sehr vertraut gewesen waren. Im zweiten Brief greift er dieses Thema wieder auf (2,2). Die Thessalonicher mochten wissen, was die Propheten über diesen Tag gesagt haben: "der große und furchtbare Tag" (Mal. 3,23); "Ein Tag des Grimmes, ein Tag der Drangsal und der Bedrängnis, ein Tag des Verwüstens und der Verwüstung, ein Tag der Finsternis und Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und Wolkendunkels, ein Tag der Posaune und Kriegsgeschreis gegen die Festen Städte und die hohen Zinnen" (Zeph 1,14-15). Wie groß auch immer die Herrlichkeit und die Segnungen der Regierung Christi sind, der zu dieser Herrschaft führende Tag des Herrn wird doch mit überaus großen Gerichten über diese Welt verbunden sein.

Es sieht so aus, als wenn der Feind die Situation der Thessalonicher - die gekennzeichnet war von Verfolgung und Leiden - genutzt hätten, um den schrecklichen Gedanken unter ihnen auszusäen, dass der Tag des Herrn schon gegenwärtig wäre und dass die Gläubigen durch die Grausamkeiten dieses Tages hindurchgehen müssten, bevor sie zum Herrn genommen werden. Der Apostel schreibt ihnen, um ihnen und allen Gläubigen, die denken, dass die Versammlung durch die große Drangsal vor dem Kommen des Herrn für die Gläubigen gehen zu müssen. Darüber hinaus stellen wir auch hier fest, dass da, wo durch den Heiligen Geist Irrtümer korrigiert werden müssen, auch ernste und herrliche Wahrheiten geoffenbart werden, die zu unserer Warnung, Ermunterung und zur Festigung der Gläubigen dienen.

Der Inhalt dieses Briefes könnte wie folgt zusammengefasst werden:

Kapitel 1: Zuerst ermuntert der Apostel die Gläubigen in Ihren Erprobungen und bestärkt sie, sie nicht durch Irrtum fortreißen zu lassen, indem er sie in der Wahrheit unterrichtet. (Kapitel 1)

Kapitel 2,1-12: Zweitens unterrichtet der Apostel sie in Bezug auf den unter ihnen vorliegenden Irrtum und stellt den Abfall der Christenheit und die Offenbarung des Menschen der Sünde vor.

Kapitel 2,13-17: Drittens ermutigt der Apostel sie, in der gegenwärtigen Situation auszuharren, die im Gegensatz zu der kommenden Herrlichkeit steht.

Kapitel 3: Schließlich belehrt der Apostel uns über den praktischen Wandel der in Übereinstimmung ist mit dem Kommen Christi ist.

Ermutigung in Verfolgung (Kapitel 1)

Die Versammlung in Thessalonich wurde durch einige Personen mit einer bösen Einstellung in Übung gebracht, die die Umstände der Verfolgungen benutzten, um den Irrtum zu verbreiten, dass der Tag des Herrn schon gekommen wäre. Bevor der Apostel Paulus näher auf diesen Irrtum eingeht, beginnt er mit einem Gruß (Vers 1+2) und dem Dank für die geistliche Einstellung der Gläubigen (Vers 3+4), er ermutigt sie, indem er ihnen die Wahrheit über den Tag des Herrn vorstellt (Vers 5-10) und ermutigt sie durch sein Gebet für sie (Vers 10+12).

Der Gruß (Verse 1+2)

Der Apostel redet die Gläubigen der Versammlung in Thessalonich an als "in Gott und dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus". Er erkennt in ihnen, dass sie sich an der ganzen Wahrheit des Christentums erfreuen, die Gott als Vater und den Herrn Jesus als Herrn offenbart. So konnte der Apostel an die Korinthern schreiben: "So ist doch für uns ein Gott, der Vater, von dem alle Dinge sind, und wir für ihn, und ein Herr, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind, und wir durch ihn." (1. Kor. 8,6). Er verlangt danach, dass die Gläubigen Gnade zum Erdulden der Verfolgungen und Frieden haben mögen, um ihre Herzen zu bewahren im Blick auf ihre Drangsale.

Der Dank für sie (Verse 3+4)

Der geistliche Zustand der Thessalonicher war so, dass der Apostel darin Grund fand, für sie vor Gott zu danken. Es mag dort Gleichgültigkeit gegeben haben, die es nötig hat, belehrt zu werden, es mag Irrtümer geben haben, die einer Korrektur bedurften, und es mag auch einzelne gegeben haben, deren Wandel unordentlich war. Doch wie immer erfreut der Apostel sich auch hier zuerst darüber, was Gott in ihnen bewirkt hat, bevor er sich mit der Gleichgültigkeit und den Irrtümern beschäftigt.

Es ist sehr bemerkenswert, dass der Apostel danksagt für die Frucht Gottes in den Heiligen, ihren "Glauben" und ihre "Liebe". Er dankt hier nicht für die Kenntnis der Wahrheit die sie erlangt haben, oder für ihr Verlangen, die Wahrheit zu suchen, sondern für die Ergebnisse der Wahrheit, die in ihrem Wandel zu sehen war. Wir finden dies ebenfalls bei den Ephesern. Da dankt der Apostel nicht, dass die Epheser in die höchsten Wahrheiten in Verbindung mit dem Ratschluss Gottes eingedrungen wären, sondern er dankt Gott für das Maß, wie die Wahrheit ihre Herzen erreicht und berührt hatte, bezeugt durch ihren "Glauben in dem Herrn Jesus" und ihre "Liebe zu allen Heiligen" (Eph. 1,15+16; s.a. Kol. 1,3+4).

Besonders schön ist, dass die Versammlung nicht nur gekennzeichnet war durch Glauben, sondern "überaus wachsendem Glauben"; und nicht nur von Liebe, sondern von "überströmender Liebe". Darüber hinaus waren es nicht nur einzelne, die diese Kennzeichen trugen, sondern der Apostel spricht von "der Liebe jedes Einzelnen von euch allen".

So finden wir in den Gläubigen in Thessalonich einen Spiegel dessen, was Versammlung nach den Gedanken Gottes sein sollte: eine Gemeinschaft von Gläubigen, die Christus als ihren einzigen Gegenstand des Glaubens haben und wo göttliche Liebe regiert. In einer solchen Gemeinschaft gibt es keinen Raum für die Armseligkeit des Fleisches mit der Neigung zur Selbstdarstellung, ihrer Eifersucht und Tücke. In einer solchen Gemeinschaft wird das Vertrauen zueinander in Fülle gefunden, jeder würde von dem anderen geachtet und jeder würde das Gute für den anderen suchen.

Der Apostel sagt in diesen einleitenden Versen nicht von der Hoffnung, so wie er es in dem ersten Brief getan hat. Vielleicht war ihre Hoffnung etwas verblasst angesichts der falschen Belehrung, dass der Tag des Herrn schon da wäre. Der Nutzen dieses Briefes würde also sein, dass ihre Hoffnung wieder belebt würde so dass er später in diesem Brief wieder von der von Gott gegebenen "guten Hoffnung" sprechen kann (2,16).

Vers 4. Eine Versammlung, die im Glauben wächst und in der Liebe überströmend ist, wird damals wie heute nicht von den Angriffen des Feindes verschont bleiben. So sehen wir auch hier, dass die Gläubigen durch Verfolgung und Drangsale zu gehen hatten. Dennoch sehen wir, dass Gott diesen Übungen zulässt, um den Glauben zu erproben. Jakobus sagt dazu, dass die Bewährung des Glaubens Ausharren bewirkt (Jak. 1,3). Bei den Thessalonichern war das Bemühen Satans nur ein Mittel, um ihren Glauben an Christus und ihre Liebe zu einander sichtbar werden zu lassen. Diese großen Eigenschaften bewirkten Dank in dem Herzen des Apostels und befähigten ihn, sich ihrer in anderen Versammlungen zu rühmen.

Das Ziel des Feindes ist immer, unseren Glauben in Christus zu schwächen, unsere Liebe untereinander zu zerbrechen und uns zu Bösem zu verleiten anstatt in Leiden auszuharren. Umgeben von manchen Übungen haben wir in unserem Land nicht eine aktive Verfolgung zu erfahren, aber auch bei uns gibt es viele Drangsale. In Tagen der Konfusion und der Zersplitterung unter dem Volk Gottes müssen wir den Übungen ins Auge sehen, die direkt in dem Fleisch ihren Ursprung haben und sich mehr innerhalb des Volkes Gottes zeigt, als von außen kommend. Auch solche Drangsale werden von Gott benutzt, um Ausharren zu bewirken. Aber wie oft verkennen wir doch die Lektion Gottes, die uns lehren möchte, in diesen Übungen zu verharren und nicht Böses mit Bösem zu vergelten. In solchen Umständen mögen die Versuchungen anhalten oder, wenn sie aufhören, bleibt der Segen aus, den Gott für uns vorgesehen hatte und wir wieder neu in Übungen geführt werden. Es ist gut für uns, wenn wir jede Übung als von Gott kommend annehmen und damit zu Gott gehen. Dann, wenn wir Gott alles übergeben haben, lernen wir Ausharren, was einen großen Segen mit sich bringt für unsere Seelen, jetzt und in den kommenden Tagen, besonders in den zukünftigen Tagen, wenn wir den Segen der Herrlichkeit genießen.

Das Reich Gottes und der Tag des Herrn (1, 5-10)

Die Erwähnung der Verfolgung und Drangsale, durch die die Gläubigen gingen, führt den Apostel auf natürliche Weise dazu, von dem Reich Gottes und dem Tag des Herrn, durch den das Reich eingeführt werden wird, zu sprechen. Und so kann er die Gläubigen zubereiten, um sie die Irrtümer erkennen zu lassen und die falschen Gedanken abweisen zu können, durch die sie in Übungen gekommen waren. Im zweiten Kapitel spricht der Apostel dann noch ausführlicher über die eigentlichen Irrtümer.

Vers 5

Zuerst sehen wir, dass das kommende Königtum die Gerechtigkeit Gottes offenbar macht, die zuließ, dass das Volk durch mancherlei Verfolgungen zu gehen hatte. Die herrlichen Eigenschaften, die die Gläubigen in diesen Drangsalen zeigten, waren ein Beweis dafür, dass in der kommenden Herrlichkeit des Reiches einen würdigen Platz einnehmen würden. Es war das noch bestehende Prinzip des Reiches Gottes, das sie durch Leiden führte, und die Leiden wurden im Blick auf die noch kommende Herrlichkeit zugelassen und erlaubt.

Vers 6

Zweitens wird in dem kommenden Tag die Gerechtigkeit auch darin gesehen werden, dass denen, die jetzt das Volk Gottes bedrängt werden, Vergeltung ausgeübt werden wird. Hier wird eine sehr wichtige Wahrheit vorgestellt, die zeigt, dass wir auf einen zukünftigen Tag zu warten haben, an dem die endgültige Lösung in dem Gerechten Gericht Gottes gefunden wird. Die Gerechtigkeit Gottes - sei es in der Belohnung der Treuen oder im Gericht der Bösen - wird noch nicht vollständig in unserem Leben sichtbar, wie die Freunde Hiobs fälschlicherweise behaupteten. Jetzt haben die Gläubigen oftmals durch Leiden zu gehen, während die Gesetzlosen frohlocken. Wie auch immer, in der kommenden Welt wird alles zu seinem Ziel kommen. Es wird vor Mensch und Engeln offenbar, dass Gott mit dem leidenden Volk Gottes durch die Jahrhunderte hindurch nicht in ungerechter Weise gehandelt hat, noch dass Er in Bezug auf das die Gewalttat und die Gesetzlosigkeit der Feinde gleichgültig gewesen wäre. Jede Art der Verfolgung, sei es durch Heiden oder durch das päpstliche Rom, sei es von innerhalb oder außerhalb des christlichen Bekennertums, es wird allem gedacht in richterlicher Gerechtigkeit. In dem Licht dieses kommenden Tages hat das leidende Volk Gottes keinen Grund, in Bezug auf ihre Feinde entrüstet zu sein. Sie müssen nicht nach Vergeltung suchen oder sicht selbst rächen. Sie haben nur auf die Zeit Gottes zu warten, wenn allem in göttlicher Gerechtigkeit begegnet wird.

Vers 7

Drittens wird dieser Tag der Drangsale für diese Welt ein Tag der "Ruhe" für den Gläubigen, der in diesen Tagen der Gnade geprüft wird. So kann der Apostel diesen erprobten Gläubigen sagen: "Ruhe mit uns" an diesem kommenden Tag. Jemand hat gesagt: "Jetzt leiden die Heiligen, dann leidet die Welt. Jetzt leiden die Heiligen unter der Hand der Welt, dann wird die Welt bestraft unter der Hand des Herrn."

Viertens lernen wir, dass die Ruhe der Gläubigen und die Drangsale für die Welt kommen wird, wenn der Tag des Herrn, eben der Tag, an dem der Herr Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer geoffenbart werden wird. Sein erstes Kommen in Erniedrigung und Gnade verkündigten die Engel die frohe Botschaft und Heerscharen der  himmlischen Wesen verkündigten Sein Lob und brachten Segen den Menschen und Gott die Ehre. An diesem zweiten Kommen wird er in Kraft geoffenbart und wieder werden die Engel seiner Macht anwesend sein, aber um Gericht über solche auszuüben, die Seine Gnade verworfen haben.

Verse 8-9

Fünftens sehen wir, dass an diesem Tag der heilige Zorn Gottes über solche kommen wird, die Gott nicht kennen. Die Nationen haben das Zeugnis der Schöpfung, durch das die ewige Macht und Göttlichkeit Gottes erkannt werden kann (siehe Rö. 1,19; Ps. 19,1-6). Aber sie haben das Zeugnis der Schöpfung verworfen, sind in Götzendienst verfallen und verderbten sich selbst mit jeder erdenklichen Bosheit. All das Böse ist noch nicht vorüber, es wird am Tag des Herrn behandelt und gerichtet werden. Ihre Unkenntnis Gottes ("sie kennen Gott nicht") ist eine Unkenntnis, die sehr wohl Gelegenheit hatte, Gott kennen zu lernen, es aber willentlich ablehnte.

Sechstens gibt es solche, die das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus gehört haben - das ist ein noch viel höheres Zeugnis als das der Schöpfung - denn in dem Evangelium des Herrn wird die Liebe Gottes geoffenbart. Es wird mit dem Menschen gehandelt werden nach dem Maß des Lichtes und der Vorrechte, die er besessen hat.

Aber ob der Mensch das Zeugnis der Schöpfung oder die Botschaft des Evangeliums abgelehnt hat, das Gericht über beides schließt die ewige Verdammnis von der Gegenwart des Herrn und der Herrlichkeit Seiner Macht ein. Sie haben in seiner Erniedrigung Seine Herrlichkeit nicht erkannt, und sie werden nie etwas von Seiner Herrlichkeit in den zukünftigen Tagen kennen lernen.

Vers 10

Siebtens, in allen denen, für die der Tag des Herrn der Tag der Herrlichkeit und Verehrung Christi sein wird, wird ER "verherrlicht" werden.

Das Gebet für Gläubige (1, 11+12)

Der Apostel beschließt diesen einleitenden Abschnitt dieses Briefes mit einem Wort der Ermunterung, indem er von seinen Gebeten für sie spricht. Er hat die "kommende Ruhe" und "die Herrlichkeit des kommenden Königreiches", zu der wir in Verbindung mit Christus berufen worden sind, vorgestellt. Und jetzt betet er dafür, dass die Gläubigen sich auch praktisch auf eine Weise verhalten, die dieser hohen Berufung würdig ist. Wenn wir mehr in die Realität und Größe dieser Berufung eindringen würden - und zwar dass wir in Herrlichkeit mit Christus verbunden sein werden - dann wären wir mehr getrennt von dieser Welt und den darin zu findenden vergänglichen Herrlichkeiten.

Dann betet der Apostel dafür, dass Gott in uns alles Wohlgefallen seiner Gütigkeit erfülle. Wir sind nicht hier, um das Verlangen des Fleisches zu erfüllen. Es ist unser großes Vorrecht hier auf der Erde, zur Ehr Gottes da zu sein. Der Herr konnte in der Vollkommenheit seiner Wege sagen: "...weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue" (Joh. 8,29b). Wie schade, dass wir so oft Dinge tun, die uns selbst gefallen. In dem Licht des Beispiels unseres Herrn und des Apostels sollten wir uns als Herausforderung selbst fragen, ob unsere Worte, unsere Wege, unser Wandel Gott gefallen und in Übereinstimmung mit dem Wohlgefallen seiner Gütigkeit ist. Lasst uns daran denken, dass Sein Verlangen nur gut sein kann und auch für uns gut ist.

Dann ist es das Verlangen des Apostels, dass das "Werk des Glaubens", das Gott uns gegeben hat, durch Kraft von oben auch ausgeführt wird. Die Kraft ist erforderlich, um in dem Werk des Glaubens zu verharren. Vielleicht sehnen wir uns nach Kraft, um unseren Feinden und allem, was uns entgegensteht, entgegentreten zu können. Das ist aber das Werk, das durch den Herrn in der Herrlichkeit seiner Kraft ausgeführt werden wird bei seiner Offenbarung (Vers 9).

Schließlich bittet der Apostel darum, dass der Name des Herrn Jesus Christus verherrlicht werde "in den Heiligen". Christus wird am Tag Seiner Herrlichkeit verherrlicht werden in den Gläubigen, aber es ist das gute Verlangen Gottes, dass der Name Christi in seinem Volk verherrlicht wird, schon in den Tagen der Verwerfung. Das Fleisch würde gerne sich selbst verherrlichen und angesichts des Widerstandes selbst den Sieg davontragen. Aber unser Bestreben und unser Vorrecht ist es, nur an das zu denken, was der Herrlichkeit des Herrn dienen würde. Seine Herrlichkeit fordert von uns, dass wir uns so verhalten, wie er sich verhalten hat: "der gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der recht richtet." (1. Pet. 2,23). Dieses Verhalten erfordert große Gnade. Darum schließt der Apostel sein Gebet mit der Bitte um "Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus". Wir benötigen Kraft für das Werk des Glaubens und Gnade, um Ihn zu verherrlichen.

So finden wir in dem ersten Abschnitt dieses Briefes ein wunderschönes Bild der moralischen Eigenschaften, die Gott in seinem Volk gerne finden möchte. Er möchte, dass jeder einzelne gekennzeichnet sei durch Wachstum im Glauben, durch Überströmen in der Liebe gegeneinander, durch Ausharren in Drangsalen, durch einen Wandel würdig unserer Berufung und dem Verlangen nach dem Wohlgefallen seiner Gütigkeit, durch Ausharren in dem Werk des Glaubens und vor allem durch einen Zustand, der Christus verherrlicht. Wir wissen, wie weit wir von diesem Bild entfernt sind, und doch dürfen wir dieses vollkommene Bild vor unseren Augen haben.

Das Gericht über die Christenheit (Kapitel 2)

Verse 1+2

In dem zweiten Teil dieses Briefes greift der Apostel das spezielle Thema auf, das ihn veranlasst hatte, diesen Brief an die Gläubigen in Thessalonich zu schicken. Der Feind, der die Gelegenheit der Verfolgung und Drangsale nutzte, wollte die Gläubigen zu dem Gedanken verführen, dass der Tag des Herrn schon gegenwärtig sei und die Gläubigen, bevor sie die endgültigen Segnungen erreichen, noch durch die Drangsale dieses Tages zu gehen haben.

Am Ende von Vers 2 heißt es nicht "als ob der Tag des Herrn nahe ist, sondern "als ob der Tag des Herrn da - also gegenwärtig schon gekommen - ist". Das erste wäre kein Grund zur Beunruhigung, denn das ist wahr. Aber wenn der Tag des Herrn wirklich schon gegenwärtig ist, ohne dass die Gläubigen aufgenommen worden sind, um dem Herrn in den Wolken - nach der Wahrheit des ersten Briefes - zu begegnen, dann wären sie also zurückgelassen worden, um noch durch die Tage großer Drangsal zu gehen. Kein Wunder, dass die Gläubigen beunruhigt waren.

Nun, dieser Irrtum ist durch falsche Lehrer zu ihnen gelangt, die nicht nur Verführte waren, sondern selbst aktiv andere verführten, indem sie falsche Briefe in Umlauf brachten. Fälschlicherweise gaben sie den Apostel [als Absender dieser Briefe] an, um diesen Irrtümern auch noch apostolische Autorität zu verleihen. Der Apostel appelliert an die Gläubigen, sich in ihrer Gesinnung nicht erschüttern zu lassen durch solche Irrtümer, auf welche Weise diese Gedanken, die einem bösen Geist entspringen, sie auch erreichen mögen: "durch Geist oder Wort oder Briefe als von dem Apostel". Der Apostel gründet seine Bitte auf "die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unser Versammeltwerden zu ihm hin". Dieses große Ereignis, das im ersten Brief ausführlich behandelt wurde, wird dem kommenden Tag des Herrn noch vorausgehen.

Verse 3-4

Es ist von besonderer Wichtigkeit, dass die Schrift sehr klar zwischen den Kommen des Herrn in der Luft für die Seinen und dem späteren Kommen des Herr mit den Heiligen unterscheidet. Dieses Kapitel spricht eben über den Zeitabschnitt, der zwischen diesen zwei großen Ereignissen liegt. Mit diesem Zeitraum beschäftigt sich ein großer Teil der Prophetie, sei es im Alten Testament, oder in den prophetischen Reden des Herrn Jesus oder die Prophezeiungen des Neuen Testamentes.

Dieser Zeitabschnitt wird von dem Herrn Jesus erwähnt als "die Vollendung des Zeitalters" (Mt. 24,3). Es muss verstanden werden, dass das Ende des Zeitalters nicht gleichzeitig das Ende der christlichen Zeitepoche ist, die mit der Entrückung endet. Das "Ende des Zeitalters", von dem der Herr Jesus spricht, ist das Ende des jüdischen Zeitalters. Es beinhaltet die letzte noch nicht in Erfüllung gegangene 70 Woche Daniels. Es ist, wie jemand gesagt hat, das Abschneiden und Ende des jüdischen Zeitalters. Und zu diesem Zeitalter gehört der Tag des Herrn. Es hätte viel Verwirrung vermieden werden können, wenn die Begriffe "Ende" und "Vollendung" richtig verstanden worden wären. Die falsche Interpretation dieser Worte, dies beziehe sich auf das Ende des christlichen Zeitalters, hat dazu geführt, dass man "Zeiten und Zeitpunkte berechnen und ermitteln wollte, was ein fruchtbarer Boden für Enttäuschungen Hunderter von Menschen zu verschiedenen Zeiten war". (FWG).

Dieser Zeitabschnitt, zwischen der Entrückung und Erscheinung des Herrn Jesus ist eine ernste Wahrheit in der Geschichte der Welt. Das große hervorstechende Merkmal dieser Zeit ist, dass sich das Böse des Menschen unabhängig von der zurückhaltenden Macht Gottes frei entwickelt. Aus diesem Grunde ist es auch eine eigentlich sehr kurze Zeit. Denn wenn sich das Böse ohne Hindernis ausbreiten kann, nimmt es eine atemberaubende Geschwindigkeit an. Dieses Hochhalten der Gesetzlosigkeit des Menschen wird den Weg für die Erscheinung des Herrn zum Gericht vorbereiten. Es wird die Notwendigkeit des Gerichtes beweisen als auch die Gerechtigkeit des Herrn, wenn er mit Gericht eingreifen wird.

Der Apostel wirft in diesem Kapitel ein helles Licht auf diese so ernste Zeitepoche. Zuerst zeigt er, dass diese Epoche nicht vor der Ankunft des Herrn für die Gläubigen, um uns zu ihm hin zu versammeln, beginnen kann. Diese zwei Ereignisse genügen, um dem Irrtum, der die Gläubigen so beunruhigt hat, zu begegnen und ihn zu widerlegen.

Aber es gibt auch noch andere Ereignisse, die stattfinden müssen, bevor der Tag des Herrn anbrechen kann. So konnte der Apostel sagen: "Lasst euch von niemand auf irgend eine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens." Hier haben wir also zwei weitere Ereignisse, die dem Tag des Herrn vorausgehen. Auf das "Versammeltwerden zu ihm hin" folgt ,den Abfall' [das Abfallen, die Apostasie] der Christenheit auf der Erde. Und das Abfallen bereitet den Weg für den Menschen der Sünde.

Was den Abfall angeht werden wir an anderer Stelle gewarnt, dass dieser schreckliche Tag seine Schatten voraus wirft. Wir lesen in 1. Timotheus 4,1: "Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister  und Lehren von Dämonen achten." Wenn auch einzelne jetzt schon vom Glauben abfallen können, dann wartet der Abfall an sich auf den Augenblick, wo die Gläubigen von der Erde weggenommen sein werden. Auf die Entrückung folgt also der Abfall der ganzen verdorbenen bekennenden Christenheit. Auf das Sammeln der Gläubigen zu Christus in den Himmel folgt das Abfallen der bekennenden Christenheit auf der ganzen Erde. Es ist sehr deutlich erkennbar, wie schnell die Christenheit sich auf diesen Abfall hinbewegt. Modernismus, der Rationalismus, ist fälschlich so genannte Wissenschaft mit ihren gottlosen und selbstsicheren Spekulationen, alles bereitet den Menschen dazu vor, das äußerliche Bekenntnis, von dem sie nie die lebendige Wirklichkeit gekannt haben, wegzuwerfen.

Der Abfall wird den Weg vorbereiten für den Menschen der Sünde. Wenn man andere Schriftstellen mit dieser vergleicht, kommt man zu dem Schluss, dass es sich hier um den Antichristen handelt. Der Apostel Johannes beschreibt ihn mit dem Bild des zweiten Tieres in Offenbarung 13,11-18. Sonst wird der Mensch der Sünde nur in dem Brief des Johannes der "Antichrist" genannt. So, wie der Apostel Paulus uns warnt, dass vor dem allgemeinen Abfall einzelne von Glauben abfallen, so warnt uns der Apostel Johannes, dass es vor dem eigentlichen Antichristen es viele antichristliche Lehrer geben wird (1. Joh. 2,18).

Der Antichrist sollte nicht mit dem Haupt des wieder neu auflebenden Römischen Reiches verwechselt werden, das in Offenbarung 13,1-10 in dem Bild des ersten Tieres beschrieben wird. Der Antichrist wird das Gefäß der religiösen Energie und des Widerstandes gegen Christus sein. Der Herrscher des Römischen Reiches wird der Führer der bösen öffentlichen Regierung sein. Der eine wird seine böse Macht im religiösen Bereich, der andere im politischen Bereich ausüben. Beide werden ihre Macht von Satan selbst empfangen und beide werden dasselbe schreckliche Ende erleben (siehe Off. 13,2: 2. Thess. 2,9 und Off. 19,20b).

Der Apostel Johannes zeigt, dass die religiöse Auflehnung des Antichristen sowohl eine jüdische als auch eine christliche Seite hat. Er wird die christliche Offenbarung von dem Vater und dem Sohn leugnen (1. Joh. 2,22) und auch, dass Jesus der den Juden verheißene Messias ist.

In unserem Abschnitt gibt der Apostel weitere Einzelheiten des Charakters und der Handlungen dieses schrecklichen Menschen an. Er wird hier der "Mensch der Sünde" genannt. In ihm werden die Ergebnisse eines Menschen gesehen, der ohne das Hindern Gottes und des Mensch seinen eigenen Willen ausleben wird. Wie in dem Fall des Judas wird er der "Sohn des Verderbens" genannt. So wie  Judas ein Verräter in der Mitte der vertrauten Jünger, die den Herrn Jesus begleiteten, war, so wird auch der Antichrist aus den Ränken der bekennenden Christenheit aufstehen. Beide Männer sind bestimmt zum Verderben und zur Verdammnis (Joh. 17,12).

Was die Handlungen dieses bösen Menschen angeht, so drücken sie alle religiös Böses aus, indem er Gott gegenüber gottlos ist und den Menschen gegenüber ein Verführer ist. Er lehnt sich gegen alles auf und überhebt sich über alles, was Gott genannt oder angebetet wird. In diesem Menschen wird einmal alle Feindschaft des menschlichen Herzens gegenüber Gott zum Vollmaß kommen. Wenn der Mensch immer versucht hat, Gott zu entthronen, dann wird dieser Mensch sich selbst erheben. So lesen wir von dem Menschen der Sünde nicht nur, dass er Gott widersteht, sondern dass er sich selbst erhöht. So grenzenlos ist der Stolz des Menschen, dass er sich in dieser Weise erkühnt, sich über Gott zu erhöhen.

Darüber hinaus fordert er den Gott Israels heraus, denn "er setzt in den Tempel Gottes" und möchte allen Glauben an diesen einen und unsichtbaren Gott, der sich selbst als den wahren Gott gezeigt hat, auslöschen. Jemand hat gesagt, dass "in diesem Menschen der Sünde alle Macht der Sünde, alle Feindschaft des menschlichen Herzens gegen Gott, aller Stolz des Menschen, sich selbst zu erhöhen, alle Missachtung der Offenbarungen Gottes, sei es in der Schöpfung, im Judentum oder im Christentum. In diesem Menschen wird Gott von dieser Welt verbannt und der arrogante Mensch nimmt den Platz und die Ehre für sich in Anspruch, die allein Gott gehört."

Verse 5-8

Im Zuge der Beschreibung des kommenden Antichristen unterbricht der Apostel den Gedankengang und erinnert uns daran, was gegenwärtig passiert, während die wahren Christen noch auf der Erde sind. Zuerst finden wir durch die Güte Gottes das, was die Offenbarung des schrecklichen Menschen der Sünde noch zurückhält. Zweitens hält Gott in seiner Güte jetzt noch die volle Offenbarung der Bosheit zurück, während das Böse, das zum Abfall führen wird und die Offenbarung des Menschen der Sünde schon begonnen hat. Die Ungerechtigkeit war schon in den Tagen des Apostels am Werk, denn er sagt, dass das Geheimnis der Gesetzlosigkeit schon wirksam ist. Das Böse hat schon durch die Jahrhunderte hindurch gewirkt, wenn auch in einer verborgenen Weise. Darum wird auch von dem Geheimnis der Gesetzlosigkeit gesprochen.

Es wird von der zurückhaltenden Kraft wie von einer Person gesprochen, als jemand, der gegenwärtig auf der Erde ist, aber bald weggehen wird. So lesen wir: "Nur ist jetzt da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist." (Vers 7). Es gibt nur eine Person, auf diese Beschreibung passen kann: der Heilige Geist selbst. Es handelt sich hier also nicht um die Anwesenheit der wahren Gläubigen, die die völlige Entwicklung des Bösen hindern würde, wenn auch der Heilige Geist diese benutzt, um in ihnen die zurückhaltende Kraft auszuüben, dann ist es im tieferen Sinn aber doch die Gegenwart dieser göttlichen Person, die die Macht Satans bremst.

So ist dieses Geheimnis der Gesetzlosigkeit für die Gläubigen eine Wahrheit, die den Christen viel Trost und Zuversicht gibt. Wenn der Heilige Geist von der Erde gehen wird und mit Ihm die zurückhaltende Kraft weggenommen wird, dann wird das Geheimnis der Gottseligkeit geoffenbart werden in dem Gesetzlosen.

Die Summe alles Bösen, die in diesen Menschen der Sünde vereint ist, wird das gerechte Gericht Gottes hervorrufen. Der Herr Jesus, eben die Person, der der Antichrist mit tödlicher Feindschaft entgegensteht, wird ihn mit dem "Hauch seines Mundes" verzehren. Das ist in Wirklichkeit das "scharfe Schwert", das aus seinem Mund hervorgeht. Wir lesen davon in Off. 1. Zweifellos symbolisiert dieses Schwert das Wort Gottes in seiner richterlichen Autorität und Macht. Dieses Schwert des Gerichtes wird bei der "Erscheinung Seines Kommens" des Herrn Jesus geführt werden. Es ist wichtig, an dieser Stelle den Unterschied zu sehen, den die Schrift zwischen dem Kommen des Herrn Jesus für die Seinen und Seinem Kommen zum Gericht macht. Wenn der Apostel von dem "Versammeltwerden zu ihm hin" spricht, dann wird sein Kommen erwähnt, aber kein Wort im Bezug auf seine Erscheinung (Vers 1). Wenn mit dem Gesetzlosen im Gericht abgerechnet wird, dann wird es nicht bei dem Kommen des Herrn geschehen, sondern bei seiner Erscheinung. Der Herr Jesus kann und wird für die Seinen kommen, ohne für die Welt in Erscheinung zu treten. Wenn er jedoch im Gericht kommt, dann wird er vor der ganzen Welt erscheinen. Jemand hat gesagt: "Die Unterscheidung zwischen 2.Thes. 2,1 und 2,8 (die einfache Gegenwart Christi und seine Erscheinung) ist sehr präzise, belehrend, und unleugbar. Das eine ist, um die Heiligen droben zu Christus zu versammeln, das andere ist für Christus (und wir dürfen alle bereits zu ihm hin versammelten Heiligen darin einschließen), um seine Feinde niederzuschmettern. Das wird der Augenblick sein, wo jedes Auge ihn sehen wird, und das betrifft jede dann auf der Erde lebende Seele." (William Kelly).

Vers 9

Wenn wir jetzt belehrt wurden über die Macht, welche die völlige Entwicklung des Bösen zurückhält, dann vervollständigt der Apostel diesen Gedankengang mit der Beschreibung des Gesetzlosen. Der Apostel kündigt die zerstörerische Kraft des Antichristen und die schrecklichen Auswirkungen über alle, die die Wahrheit abgelehnt hatten, an. Dieses schreckliche Szenario der zerstörerischen Energie wird der Macht Satans die Gelegenheit geben, sich vollständig zu offenbaren. Das Kommen des Menschen der Sünde wird nach der Wirksamkeit Satans sein, die sich in aller Macht und "allen Zeichen und Wundern der Lüge und allem Betrug der Ungerechtigkeit" zeigen wird. Der Gesetzlose wird in tödlicher Feindschaft gegen Christus handeln. Dies tut er, indem er Christus imitiert. Wir lesen von dem Herrn Jesus, dass Er "bestätigt wurde durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen" (Apg.2,22). Dieselben Worte also, die für die Beschreibung der in Gnade handelnden Macht Gottes benutzt werden, werden auch benutzt für die Macht Satans, die durch den Menschen der Sünde verderblich handelt. Der Antichrist wird unter der Macht Satans die Werke Christi klein erscheinen lassen, indem er ähnliche Zeichen und Wunder wirkt, wie der Herr Jesus selbst.

Die Zeichen und Wunder werden keine Tricks von Menschen sein, sondern schreckliche Realität. Sie werden Wunder der Lüge genannt, weil sie Menschen verführen. Somit wird das Kommen des Gesetzlosen von der übernatürlichen Macht Satans begleitet sein. Wir vergessen schnell, dass dann auch gefallene Engel als geistliche Wesen tätig sind, und ihre immense Kraft weit größer ist als die des Menschen.

Verse 10-12

Der Apostel schließt diesen ernsten Abschnitt seines Briefes mit der Beschreibung der schrecklichen Auswirkungen der Macht Satans, die sich in dem Antichristen zeigen wird. Die ganze Ungerechtigkeit wird die erreichen, "die verloren gehen", also solche, die die Wahrheit gehört und abgelehnt haben. Sie werden nicht die Liebe der Wahrheit empfangen, durch die sie hätten gerettet werden können. In dem sie die Wahrheit abgelehnt haben, werden sie der Kraft des Irrwahns überliefert werden und der Lüge glauben. Sie haben der Wahrheit nicht geglaubt, weil sie Freude an der Ungerechtigkeit hatten.

Der ganze Abschnitt schließt mit einer klaren Abfolge dieser ernsten Ereignisse:

  1. Zur gegenwärtigen Zeit wirkt das Böse verborgen und wird "Geheimnis der Gesetzlosigkeit" genannt.
  2. Bei der Entrückung der Gläubigen werden diese zu Christus hin versammelt, und der eine, welcher zurückhält, wird die Erde verlassen [d.h. der Heilige Geist].
  3. Nach der Entrückung der Heiligen zu Christus in den Himmel folgt der Abfall des christlichen Bekenntnisses auf dieser Erde.
  4. Der Abfall bereitet den Weg für das Offenbarwerden des Menschen der Sünde.
  5. Die Offenbarung des Antichristen gibt der Macht Satans die Gelegenheit, sich voll zu entfalten.
  6. Die Entfaltung der Macht Satans in dem Menschen der Sünde wird zu einer großen Verwüstung über solche führen, die Gefallen an der Ungerechtigkeit haben und die Wahrheit abgelehnt haben.
  7. Das Böse, sowohl in dem Menschen als auch in Satan, wird zu seinem Höhepunkt der Auflehnung gegen Gott kommen und der Herr Jesus wird bei seiner Erscheinung ein überaus großes Gericht ausüben.

Das Teil der Gläubigen (2,13-17)

Nachdem der Apostel dem Irrtum, der die Thessalonicher beunruhigt hatte, und das Gericht über die Christenheit prophezeit hat, spricht er jetzt über die gegenwärtigen Segnungen und das zukünftige Teil der Gläubigen. In dem ersten Teil des Briefes hat er Gott für die Heiligen gedankt, sie belehrt und für sie gebetet. Und so kommt er jetzt noch einmal auf die Danksagung, die Ermahnung und das Gebet zu sprechen.

Die Danksagung (Verse 13 und 14)

In den einleitenden Versen dieses Briefes dankt der Apostel Gott für die Heiligen in Bezug auf die Gnade, die in ihnen gefunden wird. Hier dankt er dafür, was Gott für die Thessalonicher bedeutet. Es ist sehr schön zu sehen, dass er von den Gläubigen als von dem "Herrn geliebten Brüdern" spricht. Wie groß das Versagen und die Schwachheit unter dem Volk Gottes auch war, und wie groß die Unterschiede im geistlichen Wachstum auch gewesen sein mögen, dann freut der Apostel sich doch daran, dass er sie als eng verbundene Brüder sehen kann. Siebenmal in diesem kurzen Brief redet der Apostel sie mit "Brüdern" an (1,3; 2,1,13,15; 3,1,6,13). Auch wenn sie von der Welt verfolgt und gehasst waren, dann waren sie doch "Geliebte des Herrn". Sollten wir nicht noch sorgfältiger darauf achten, in welcher Weise wir von den Gläubigen denken, sprechen und ihnen gegenüber handeln, wenn wir daran denken, dass wir alle "Geliebte des Herrn" sind? Könnte der Herr gleichgültig sein gegenüber den Verfolgungen, Anfechtungen und Leiden seiner Geliebten?

Dann dankt der Apostel für alles das, was Gott den Gläubigen bedeutet, sowohl in Bezug auf die Vergangenheit als auch in Bezug auf die Gegenwart und die Zukunft. Zurückblickend spricht er von dem Anfang, an dem Gott sie zur Errettung erwählt hat. Wenn es uns gelegen hätte, hätten wir weiter von dem Gericht über diese Welt gesprochen, doch der Apostel spricht von der souveränen Gnade Gottes, die uns zur Errettung erwählt hat. Diese Errettung ruht keineswegs auf Werken, die wir getan hätten. Sie ruht allein auf dem Werk des Geistes in uns, durch das Er uns von der Welt abgesondert und uns dahin geführt hat, dass wir der Wahrheit glauben. Diese Wahrheit ist das Evangelium in Bezug auf unseren Herrn Jesus Christus, der für uns starb, damit wir errettet werden könnten (1.Thes. 5,9 und 10).

Der Apostel macht dann einen Unterschied zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen, über die das erwähnte Gericht kommen wird. Die Ungläubigen, die die Liebe der Wahrheit nicht angenommen haben, werden verdammt werden. Die Gläubigen, die durch den Heiligen Geist gezogen wurden, glauben der Wahrheit und erlangen die Errettung.

Zweitens, wenn Gläubige in der vergangenen Ewigkeit auserwählt wurden, dann werden sie auch in der gegenwärtigen Zeit berufen. Dieser Ruf erreichte die Thessalonicher durch das Evangelium, das der Apostel "unser Evangelium" nennt. Wir beziehen oft das Evangelium auf der Verkündigung der Botschaft, dass Vergebung der Sünde erforderlich ist. Doch das durch Paulus verkündigte Evangelium beinhaltete nicht nur die Errettung, die unseren Bedürfnissen entspricht, sondern auch die Berufung, die dem Verlangen des Herzens Gottes entspricht. Wenn Gott uns beruft, dann tut er es um die Ratschlüsse der Liebe seines Herzens auszuführen.

Die Berufung Gottes hat einen doppelten Charakter. Sie ruft uns aus der gegenwärtigen Welt, und sie beruft uns in eine neue Welt. Wenn die Herrlichkeit Gottes dem Abraham begegnete, dann lesen wir die Worte: "Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft, und komm in das Land, das ich dir zeigen werde." (Apg.7,3). Auch wir sind aus der gegenwärtigen Welt in die himmlische Herrlichkeit berufen worden. Für uns ist die Welt gekennzeichnet durch ein verderbtes Christentum, ein Gemisch von Judaismus und christlichen Werten. Deshalb muss uns der Ruf Gottes erreichen: "Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers" (Heb.13,13). Wenn wir diesen Schritt befolgen, erleben wir den Inhalt des folgenden Verses: "Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir" (Heb.13,14).

Wenn wir von Ewigkeit her erwählt wurden und in der Zeit berufen wurden, dann ist es in Bezug auf die "Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus" in den kommenden Zeitaltern. Wunderbare Gnade! Wenn Gott uns berufen hat, dann ist das Ziel kein geringeres, als dass wir die Herrlichkeit erlangen, die allein in dem Menschen unseres Herrn Jesus Christus ihre Darstellung findet. Wir werden Ihm gleich sein. Wir werden bei Ihm sein. Und wieder dürfen wir uns fragen, wie wir voneinander sprechen und wie wir miteinander umgehen, wenn wir doch zu dem Volk Gottes gehören, das erwählt ist, das berufen ist und das einmal in der Herrlichkeit sein wird.

Ermahnung (Vers 15)

Nachdem der Apostel die Thessalonicher daran erinnert hat, dass sie Brüder sind, Geliebte des Herrn, der sie auserwählt und berufen hat, die Herrlichkeit zu erlangen, dann ermahnt er sie jetzt, fest zu stehen und die Überlieferung fest zu halten. Wieder ist es bemerkenswert, dass diese Ermahnungen uns als Brüder (und Schwestern) gegeben werden. Nur in dem gemeinschaftlichen Sinn, dass wir vereint sind und zusammen halten, können wir diesen Ermahnungen wirklich nachkommen. Wenn wir wie die Galater uns gegenseitig beißen und fressen, dann wird das Ende sein, dass wir voneinander verzehrt werden (Gal. 5,15). Doch der Apostel sagt den Galatern, dass wenn wir - eben nicht einander beißen - sondern durch den Geist leben, dann sollen wir auch im Geist wandeln (Gal. 5,25). Deshalb sollten wir nicht voller Ruhmsucht sein, indem wir einander herausfordern, einander beineiden, sondern wir sollen einer des anderen Lasten tragen (Gal. 5,26-6,2).

Wenn wir als Brüder gemeinsam unseren Weg gehen, dann sollen wir fest stehen angesichts der Angriffe des Feindes, sei es durch Verfolgung oder Übungen. Darüber hinaus sollten wir in der Lage sein, die Überlieferungen oder Unterweisungen des Apostels zu halten und zu befolgen. Für die Thessalonicher kamen diese Belehrungen sowohl durch Wort als auch durch den Brief. Für uns sind diese Belehrungen ausschließlich in dem Brief des Apostels zu finden. Jede Anstrengung des Feindes heute hat immer zum Ziel, dass wir entweder wanken oder die Wahrheit losgelassen wird.

Das Gebet (Vers 16-17)

Der Apostel hat uns die Errettung und die Berufung Gottes vorgestellt und uns ermahnt, fest zu stehen und die Belehrungen fest zu halten. Dennoch ist ihm bewusst, dass wenn wir in diese Berufung eingehen und angesichts der Macht des Feindes fest stehen wollen, dies nicht in eigener Kraft möglich ist. Und genau das drückt er in seinem Gebet aus. Er wendet sich an unseren "Herrn Jesus Christus selbst" als den, der das Böse richten und jeder ihm entgegenstehende Macht bei seiner Erscheinung vernichten wird. Wie gut, dass wir zu dieser Person direkten Zugang im Gebet haben! Dann wendet er sich auch an den "Gott, unseren Vater" als den, der uns liebt, der uns auserwählt und berufen hat und der uns ewigen Trost und gute Hoffnung durch die Gnade gegeben hat.

Es wird viele Sorgen auf unserem Weg geben, aber am Ende unserer Reise werden wir "ewigen Trost" bekommen. Wir werden durch viele schwierige Zeit gehen müssen, aber am Ende werden wir die Erfüllung der "guten Hoffnung" antreffen. Falsche Lehrer mögen das Ziel haben, die Gläubigen zu schaden und ihnen Fallstricke zu legen, aber der Herr Jesus selbst und der Vater können uns echte Ermunterungen geben. Der Feind mag das Bemühen haben, die Gläubigen von "guten Werken und Wort" abzubringen. Doch trotz aller Angriffe des Feindes, ob durch falsche Lehrer inmitten des christlichen Bekenntnisses oder durch Verfolgungen von außen, ist Gott in der Lage, den Heiligen zu helfen, dass sie "fest stehen" und "die Belehrungen festhalten" und in "jedem guten Werk und Wort" fortfahren.

Der praktische Wandel des Volkes Gottes (Kapitel 3)

In dem letzten Kapitel dieses Briefes gibt der Apostel praktische Hinweise in Bezug auf unseren Wandel, der uns angesichts des Widerstandes von außen (Vers 1-5) und der Schwierigkeiten innerhalb der christlichen Gemeinschaft (Vers 6-18) kennzeichnen sollte.

Ermahnungen bezüglich des Widerstandes von außen (Vers 1-5)

Verse 1-2

Im Blick auf den Widerstand böser Menschen und die Bosheit der Welt, durch die wir zu gehen haben, gibt der Apostel praktische Hilfsmittel, die den Gläubigen helfen, fest zu stehen. Erstens spricht Paulus von dem Gebet. Wir haben im 2. Kapitel gesehen, dass das Festhalten und Feststehen nur in der Gnade des Herrn Jesus Christus selbst möglich ist. Was unsere Seite angeht, so empfangen wir diese Gnade durch Gebet, das uns in den Tagen, wo wir Hilfe benötigen, zum Thron der Gnade führt. Im Gebet drücken wir unsere Schwachheit und Abhängigkeit von Gott ab uns, und darüber hinaus unser Vertrauen in Seine Macht und Gnade.

Der Apostel hat schon zwei Mal von seinen Gebeten für die Heiligen gesprochen (1,11+12 und 2,16+17): jetzt aber bittet er um das Gebet der Tessalonicher für ihn selbst. Sogar der Apostel, der Offenbarungen von Gott bekommen hatte und durch Inspiration redete, empfand die Notwendigkeit und den Wert der Gebete des Volkes Gottes. Er sieht also das Volk Gottes als ein betendes Volk.

Die Bitte, die Paulus vorbringt, gibt einen weiteren Hinweis in Bezug auf das, was die Gläubigen kennzeichnen sollte. Die Gläubigen sollten das Verlangen haben, dass das Wort des Herrn verherrlicht werde. Paulus gibt zu, dass durch die Thessalonicher schon das Wort verherrlicht wurde, aber angesichts der Widerstände seitens der Welt und dass er selbst ein besonderes Ziel der Anfeindungen Satans war, wünscht er, dass er von ihnen befreit würde. Wenn das Evangelium angenommen wird und die entsprechenden Früchte daraus hervorgehen und das Leben Einzelner verändert wird wie in dem Fall der Thessalonicher, dann wird in der Tat das Evangelium verherrlicht. Dennoch wird ein solches Evangelium, das in dieser Weise verherrlicht wird, den Widerstand der Ungläubigen herausfordern, denn sie fühlen sich durch die veränderte Lebensweise der Gläubigen in ihrem eigenen Leben verurteilt.

Vers 3

Darüber hinaus, wenn das Wort Gottes in dieser Weise verherrlicht wird, dann haben wir doch nötig, befestigt zu werden. Paulus ist zuversichtlich, dass der Herr in Seiner Treue die Heiligen befestigen wird. Böse Menschen mögen widerstehen, aber der Herr ist sich selbst treu. Unser Garant, dass wir vor dem Bösen bewahrt bleiben, ist, dass wir in der Wahrheit gegründet sind. Wenn der Herr uns in der Wahrheit befestigt, dann werden wir vor dem Bösen bewahrt. Unsere Wachsamkeit bewirkt dann, dass wir weiter an der Wahrheit festhalten. "Ich will aber, dass ihr weise seid zum Guten, aber einfältig zum Bösen" (Römer 16,19).

Vers 4

Dann ist der Gläubige auch dadurch gekennzeichnet, dass er dem Wort Gottes gegenüber gehorsam ist. Es ist wahr, dass der Herr allein uns in der Wahrheit befestigen kann und uns vor dem Bösen bewahrt. Andererseits muss auf unserer Seite die Bereitschaft zum Gehorsam vorhanden sein. So sagt er: "Wir haben aber im Herrn das Vertrauen zu euch, dass ihr, was wir gebieten, sowohl tut als auch tun werdet." Wir dürfen dem Herrn dankbar sein, wenn die Gläubigen Ihm gehorsam sind. Aber es gehört schon sehr großes Vertrauen zum Herrn dazu zu sagen, dass sie es auch tun werden, also im Gehorsam weiterhin verharren werden. Wir sollen nicht nur jetzt gehorsam sein, sondern wir sollen beständig im Gehorsam gefunden werden, komme was wolle. Es wäre gut für uns, wenn wir zu solchen gezählt werden, die sowohl "tun" als auch "tun werden".

Vers 5

Dann sagt der Apostel: "Der Herr aber richte eure Herzen zu der Liebe Gottes." Der Eine, der es sich soviel hat kosten lassen, uns seine Liebe zu offenbaren, der ist es auch, der unsere Herzen auf seine Liebe zu richten. In der Begebenheit der Frau am Jakobsbrunnen (Joh. 4) finden wir einerseits, dass der Herr Jesus ihr als Sünderin die Liebe Gottes vorstellt, aber wir sehen auch, wie in so großer Weise das Herz dieser Frau auf diese Liebe gerichtet wird.

Schließlich sollen unsere Herzen auch zu dem Ausharren des Christus gelenkt werden. Christus wartet, um die Heiligen bei der Entrückung aufzunehmen und bei seiner Erscheinung mit den Heiligen zu herrschen. Er möchte, dass unsere Herzen durch dasselbe Ausharren gekennzeichnet sind.

Der Apostel hat uns bis hierhin einige Kennzeichen vor Augen geführt, die das Volk Gottes kennzeichnen sollten. Es sollte ein betendes Volk sein, in dem das Wort des Herrn verherrlicht wird, ein in der Wahrheit befestigtes Volk, das getrennt vom Bösen sein soll, ein Volk, das dem Wort Gottes gehorsam sein soll, in der Liebe Gottes wandelt und mit Ausharren auf das Kommen Christi wartet. Ein Volk, das diese Kennzeichen trägt, ist in der Lage, den Angriffen des Feindes und den Versuchungen der Welt zu widerstehen.

Ermahnungen bezüglich der inneren Ordnung (Vers 6-18)

Wenn wir darüber belehrt wurden, wie wir den Angriffen von außen widerstehen können, dann gibt der Apostel uns jetzt noch Belehrungen, wie wir der inmitten der Gläubigen möglicherweise auftretenden Unordnung begegnen können.

Vers 6

Es gab damals solche - und es gibt sie auch heute - die in einer unordentlichen Weise lebten und die Belehrungen des Apostels nicht befolgten. Wir werden in einer ernsten Weise darüber belehrt, wie wir in dem Namen des Herrn Jesus solchen zu begegnen haben. Im ersten Brief hat er schon darauf hingewiesen, dass "die Unordentlichen zurechtzuweisen sind" (1. Thess. 5,14). Hier geht die Ermahnung noch einen Schritt weiter. Wenn die Ermahnung keine positiven Auswirkungen zeigt, dann sollten die Gläubigen sich von einem solchen zurückziehen. Die Unordnung sollte also durch die Anweisung des Apostels verurteilt werden.

Verse 7-9

Der Apostel erinnert die Heiligen an sein eigenes Leben in ihrer Mitte und stellt es als das Vorbild eines ordentlichen Wandels dar. Die Art und Weise seines eigenen Lebens war der Ausdruck seiner Belehrungen. Um den einfachsten Gläubigen ein hilfreiches Beispiel sein zu können, nahm er als ein Diener des Herrn vorübergehend keine Hilfe von den Thessalonichern an (Vgl. 1. Kor. 9,7-14). Zu ihrem Guten hatte er auf sein Recht verzichtet und in "Mühe und Beschwerde" Nacht und Tag gearbeitet, um für sich selbst das Auskommen zu haben. So wurde sein Leben ein Beispiel für alle und eine ernste Ermahnung für solche, die nicht arbeiten wollten. Wenn der Feind den Gläubigen auch nicht die Wahrheit über das Kommen des Herrn nehmen konnte, dann versuchte er doch, sie in der Weise zu verführen, dass sie ihre tägliche Arbeit aufgaben, um auf das Kommen des Herrn zu warten.

Verse 10-11

Wenn der Apostel sie vor unordentlichem Wandel gewarnt hat, dann weist er sie hier noch einmal darauf hin, dass die, die nicht arbeiten, auch nicht essen sollen. Trotz des Vorbildes des Apostels und der ausdrücklichen Ermahnung gab es solche, die unnütze Dinge trieben. Sie waren gekennzeichnet durch unordentlichen Wandel, Unwilligkeit zu arbeiten und unnützem Reden.

Von solchen sollen wir uns zurückziehen. Jemand sagte einmal, dass Schwätzer von törichten Zuhörern getragen werden, und dass solche, die Brot essen ohne dafür aufzukommen, solche finden, die bereit sind zu zahlen. Törichte Zungen werden schnell verstummen, wenn es keine törichten Ohren gibt, die zuhören.

Vers 12

Wenn der Apostel bisher die Brüder ansprach und ihnen sagte, wie sie mit den Unordentlichen verkehren sollten, dann richtet er sich jetzt direkt an solche und ermahnt sie in dem Herrn Jesus Christus, dass sie in der Stille arbeitend ihr eigenes Brot essen.

Vers 13

Im Blick auf die Unordentlichen sollen wir nicht in der Barmherzigkeit und im Gutestun ermatten. Wir stehen in der Gefahr, wenn wir nicht beständig in gleicher Weise geübt bleiben, einerseits den Unordentlichen gegenüber gleichgültig oder zu scharf zu sein.

Verse 14-15

Wenn jemand dieser in Unordnung lebenden Personen die Ermahnungen des Apostels ignoriert, so sollte er bezeichnet werden, man sollte keinen Umgang mit ihm haben, damit er beschämt werde. Andererseits werden wir davor gewarnt, ihn als einen Feind anzusehen, er soll zurechtgewiesen werden wie ein Bruder. Wir sollten uns bewahren lassen vor dem Geist der Pharisäer; auch, wenn wir keinen Umgang mit ihm haben können für eine Zeit sollen wir doch immer in brüderlicher Liebe handeln.

Vers 16

Schließlich befiehlt der Apostel die Thessalonicher dem Herrn des Friedens an. Der Apostel kann uns Belehrungen und Unterweisungen geben, aber nur der Herr selbst kann den Heiligen Frieden zu jeder Zeit und auf jedem Weg geben. Unordnung mag Unfrieden und Streit hervorrufen. Der Herr des Friedens aber ist in der Lage, in den Kreis der christlichen Gemeinschaft den göttlichen Frieden einzuführen, den er bald auch im Tausendjährigen Reich einführen wird. Und wo der Frieden des Herrn ist, da kann auch der Herr selbst sein. Der Apostel schließt mit dem Wunsch, dass der Herr mit ihnen allen sei.

Vers 17

Die Thessalonicher sind derzeit durch einen Brief beunruhigt gewesen, der angeblich von dem Apostel stammen sollte. Hier, in dem abschließenden Gruß versichert er ihnen, dass es sich hier wirklich um einen Brief von ihm selbst handelt und bestätigt dies mit seiner eigenen Unterschrift.

Vers 18

Der Apostel bat um den Frieden von dem Herrn des Friedens. Hier erbittet er Gnade von dem Herrn Jesus Christus für sie alle. Wenn die Belehrungen dieses Briefes befolgt werden, dann kann das nur in dem Frieden des Herrn und mit dem Herrn selbst in ihrer Mitte unter der beständigen Begleitung Seiner Gnade erfolgen.

Hamilton Smith

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