Der erste Brief an die Thessalonicher
Auslegung von Hamilton Smith
Übersetzt von Andreas Hardt
Überarbeitete, nicht revidierte Elberfelder Übersetzung
In den verschiedenen Briefen hat Gott eine reiche Vorsorge an geistlicher Nahrung getroffen, passend für jede Stufe des christlichen Wachstums. Die Thessalonicherbriefe sind an Gläubige geschrieben, die noch jung im Glauben waren. Somit finden wir hier nicht, dass die Ratschlüsse Gottes entfaltet werden, oder das Geheimnis der Kirche, wie in den Briefen an die Epheser oder Kolosser. In dem ersten Brief finden wir die großen praktischen Charakterzüge des Christentums: Glaube, Liebe und Hoffnung. Diese Kennzeichen sollten den jüngsten und ältesten im Glauben kennzeichnen. Der Apostel stärkt sie in ihren Erprobungen und räumt eine Schwierigkeit beiseite, die aufgekommen war. Sie betraf die christliche Hoffnung, das Kommen des Herrn Jesus für die Seinen.
Im ersten Kapitel verweilt der Apostel bei den praktischen Früchten des Evangeliums, das im Glauben angenommen wird in der Kraft des Heiligen Geistes. Kapitel 2 beschäftigt sich mit der besonderen Fürsorge Gottes an den Schafen Seiner Herde, indem Er sie durch alle Übungen führt. In Kapitel 3 finden wir, dass Gott die Prüfungen auf unserem Weg benutzt um unseren , Liebe und Heiligkeit zu festigen. In 1. Thessalonicher 4 handelt von dem Gott wohlgefälligen Wandel im Blick auf das Kommen des Herrn Jesus für die Heiligen. Das letzten Kapitel enthält Ermahnungen in Verbindung mit unserem praktischen Verhalten im Licht des Tages des Herrn, aber auch Warnungen in Bezug auf Gefahren, die an unserem christlichen Weg lauern.
1. Die Früchte des Evangeliums (1. Thessalonicher 1)
In dem Gleichnis vom Sämann (Markus 5,20) belehrt der Herr Jesus die Jünger, dass da, wo der gute Samen auf guten Boden fällt, Frucht hervorkommen würde. In dem diesen Brief eröffnenden Kapitel werden einige dieser Früchte vorgestellt, wie sie in den veränderten Leben der jungen Gläubigen zu finden waren. Um den Brief richtig zu verstehen, müssen wir uns in Erinnerung rufen, dass das Evangelium so wie in Apostelgeschichte 17,1-3 berichtet, den Thessalonichern verkündigt worden war. Daraus können wir entnehmen, dass während des Besuches des Apostels Paulus in Thessalonich er sowohl Juden als Nationen predigte. (1) Er stellt ihnen Jesus, den Retter, nicht einfach nur Lehre, sondern eine lebendige Person (der Retter) vor. (2) Er verkündigt, dass diese Person ( Jesus) gestoben und wieder auferstanden war. (3) Er predigte nicht nur die Tatsachen von Tod und Auferstehung, sondern auch die Notwendigkeit dieser großen Tatsachen. Christus "musste leiden, und von den Toten auferstehen." ??? (4) Er stütze sich auf die Schrift als die einzige und ausreichende völlige Autorität. Als Ergebnis seiner Predigt glaubten "einige" der Juden und "eine große Volksmenge" der Nationen. Darüber hinaus bewiesen sie die Wahrhaftigkeit ihres Glaubens indem sie sich öffentlich mit den Dienern des Herrn identifizierten, denn wir lesen, dass sie mit Paulus und Silas gewesen waren. Sie behielten ihren Glauben nicht für sich selbst. Sie unternahmen keinen Versuch Erprobungen zu entfliehen, indem sie als Jünger verborgen geblieben wären! Sie vertrauten in Jesus und bekannten kühn ihren Glauben.
Die Folge war, dass sie schnell mit Verfolgung konfrontiert wurden. Die Juden, die nicht glauben, waren eifersüchtig und brachten die ganz Stadt in einem Aufruhr. Eifersucht und Neid war schon der Beweggrund des ersten Mörder, Kain tötete seinen Bruder. Und der Neid war die Triebfeder der größten Mörder, als die Juden ihren Messias kreuzigten. Pilatus wusste, dass sie ihn aus Neid überliefert hatten. Wenn Neid dazu führt, dass Mord begangen wird, dann können wir gut verstehen, dass der Neid die hohen Juden dazu veranlasst, grobsinnige Menschen zu benutzen und anzustacheln gegen die Gläubigen.
Wir lernen also hier den Charakter des ausgestreuten Samens kennen, die Früchte, die hervor gebracht werden und die Widerstände, die dann entstehen. Der Apostel schreibt seinen Brief, um diese Jungbekehrten in ihren Verfolgungen zu ermuntern. Er freut sich, sicht mit den wunderbaren Früchten beschäftigen zu können, die das Evangelium in ihnen hervorgebracht hat.
Der Apostel verbindet sich mit solchen, die mit ihm gearbeitet hatten. In seinem Gruß sieht er die Gläubigen in Beziehung zu ihrem Gott, dem Vater und zu Jesus Christus, ihrem Herrn, und nicht so sehr als Glieder des Leibes dessen Haupt Christus ist.
Er ermuntert sie indem er ihnen versichert, dass er allezeit Gott für sie dankt und sie in seinen Gebeten erwähnt. Darüber hinaus erkennt er die Früchte des Heiligen Geistes in ihnen. Der Apostel widmet seine Aufmerksamkeit diesen schönen christlichen Eigenschaften nicht um ihnen zu schmeicheln, sondern weil er glücklich ist, in ihnen einen Beweis des Werkes Gottes zu erkennen. Er erwähnt ihre Arbeit, ihren Dienst und ihr Ausharren. Aber das allein sind noch keine Kennzeichen einer wahren Bekehrung. Die Menschen der Welt sind oft gekennzeichnet durch wohltätige Werke, großer Bemühungen und besonderer Beharrlichkeit im Ausüben ihrer Tätigkeiten. Aber hie in dem Fall der Thessalonicher kann der Apostel noch weiter christliche Kennzeichen hinzufügen, indem er von dem "Werk des Glaubens", der "Bemühung der Liebe" und "dem Ausharren des Glaubens" spricht. Das sind die drei Kennzeichen des christlichen Lebens, die die Seele in Gemeinschaft mit der göttlichen Person bringt und somit die Kennzeichen einer wirklich bekehrten Seele sind.
Als ein Beweis dieser Tatsache können wir den Hebräerbrief aufschlagen, der auch auf diese drei Kennzeichen hinweist. In Kapitel 6 wird sehr ernst über solche gesprochen, die eine Bekenntnis zu Christus abgelegt haben aber später abgefallen sind. Aber von den Christen wird gesagt, dass wir von besseren Dingen der Seligkeit überzeugt sind. Und dann werden diese Dinge angeführt: die Werke und die Liebe (Hebräer 6,10), die volle Gewissheit der Hoffnung (Vers 11) und den Glauben und das Ausharren derer, die die Seligkeit ererben (Vers 12).
Darüber hinaus finden wir bei den Thessalonichern, dass diese drei Kennzeichen in ihrem Herrn Jesus Christus zu finden waren. Glaube, Hoffnung und Liebe benötigen eine Ausrichtung, ein Objekt. In dem christlichen Glauben ist dies eine lebendige Person, der Herr Jesus Christus selbst. Jede Tätigkeit in dem christlichen Leben ist ein Ergebnis des tätigen Glaubens, der all seine Kraft, Weisheit und die erforderliche Gnade von dem einen empfängt, der unsichtbar - also nur für den Glauben zugänglich ist. Wahre christliche Bemühung entspringt aus der Liebe für unseren Herrn Jesus und wird nicht durch eine Pflichterfüllung ausgeführt. Das Ausharren ist nicht eine simple Resignation gegenüber Dingen, die man nicht ändern kann, sondern wird genährt durch Hoffnung, die auf den Herrn Jesus wartet.
Darüber hinaus wird ein Leben in Liebe, Glaube und Hoffnung geführt vor den Augen unseres Gottes und Vaters. Es ist ein Leben, dass in heiliger Ehrfurcht vor Gott gelebt wird und nicht vor den Augen des Menschen, um einen religiösen Platz einzunehmen, oder vor den Augen der Gläubigen, um einen Platz der Anerkennung einzunehmen. Diese jungen Gläubigen waren ein Vorbild für alle, die geglaubt haben und ihr Glaube zu Gott ist "an jedem Ort ausgebreitet worden". Aber ihr Zeugnis vor den Menschen war ein Ergebnis ihres Lebens vor Gott. Sie lebten und wandelten ernstlich "vor unserem Gott und Vater".
"Wir mögen uns ehrgeizig einsetzen für einen Namen; aber die Frage vor Gott steht in Verbindung mit der Kraft und Fruchtbarkeit, die in dem Maß dessen steht, was wir von Ihm empfangen haben. Und wenn die Seele diesen Zustand nicht erreicht, dann ist es schrecklich, auf diesem Boden der Religiosität zu verbleiben, weil die Werke vor Gott nicht vollkommen sind." (J.N.D.)
Nun, dieser Beweis dafür, dass ein Werk Gottes in ihnen gewirkt hatte, überzeugte den Apostel davon, dass sie Geliebte Gottes waren und die Auserwählten Seiner Gnade. Die Gnade ist uns begegnet in all unserer Verantwortlichkeit. Aber weit darüber hinaus sind die Gläubigen durch die souveräne Gnade Gottes vor Grundlegung der Welt erwählt worden, um die Errettung mit ewiger Herrlichkeit zu ererben (2. Tim. 2,10). Wenn wir auserwählt sind zu ewiger Herrlichkeit, dann sind wir durch den Heiligen Geist von dieser Welt weggenommen. Keine Stellung der Würde und Ehre, die diese Welt bietet, kann mit der ewigen Herrlichkeit verglichen werden.
Diese wunderbaren Früchte wurden in ihnen gewirkt, nicht "im Wort allein, sondern auch in Kraft" durch die Predigt des Heiligen Geistes (Vers 5). Es mag sein, dass das Evangelium oft in Wahrheit verkündigt wurde, aber zu oft "nur im Wort allein". Die Kraft und das Werk des Heiligen Geistes fehlten. Nun, was gibt der Predigt Kraft, und was lässt den Heiligen Geist in Freiheit in dem Leben des Predigenden wirken? Der Apostel konnte sagen: "ihr wisst, was wir unter euch waren um euretwillen". Sein Leben bestätigte seine Predigt und wurde Teil seines Zeugnisses, das über seine Lippen kam.
Das Ergebnis dieses Zeugnisses in Kraft erwies sich in 2 Tatsachen:
- Solche, die das Evangelium annahmen gelangen nicht nur zu den Segnungen der Errettung sondern ließ sie zu Nachahmern des Apostels und somit zu Nachahmern des Herrn werden. Als solche, die gesegnet waren, wurden sie Zeugen von Dem, durch den sie gerettet worden waren.
- Das Zeugnis in Kraft rief den Hass derer hervor, die das Evangelium ablehnten. Das lässt sich in der Verfolgung, die die Gläubigen erfuhren, erkennen.
Wie auch immer, diese Gläubigen wurden in Freude durch den Heiligen Geist gestützt. Der Teufel mag Verfolgung hervorrufen können, aber die Kraft des Geistes ist größer als die Kraft des Feindes. Stephanus, voll Heiligen Geistes wurde in besonderer Weise gestützt während seiner Märtyrerleiden. Der Märtyrer, dessen Leiden nur Lobpreis für den Herrn hervorriefen malt ein hervorragendes Bild eines besonderen Zeugnisses der Kraft Gottes vor der Welt!
Nun, die Freude dieser jungen verfolgten Gläubigen wurde ein Beispiel für alle Gläubigen und ein Zeugnis für die Welt um sie herum. Ihr Zeugnis hatte einen dreifachen Charakter:
§ Das Wort des Herrn ist in der Umgegend erschollen
§ Ihr verändertes Leben bewies die Echtheit ihrer Bekehrung und war ein Beweis der Wahrhaftigkeit ihrer Predigt, denn sie gaben ihre Götzendienerischen Praktiken auf und wandten sich zu dem lebendigen und wahren Gott. Die Schrift meint mit Götzen nicht nur die Götzenbilder der Heiden, sondern alles, was sich zwischen die Seele und Gott stellt: "Kinder, hütet euch vor den Götzen (1. Joh. 5,21)." Wie oft wird das Leben und der Dienst des Gläubigen gehindert durch irdische Interessen und Betätigungen, die in sich selbst harmlos sind, aber sich zwischen die Seele und Gott stellen.
§ Sie wandten sich von der Welt und dem was sie bietet weg, um den Sohn Gottes aus dem Himmel zu erwarten. Alle ihre Erwartung waren in Ihm. Als Bekehrte war es nicht ihr Bestreben, die Wellt besser und schöner zu bekommen. Sie hatten mit dem Bösen gebrachen, wurden in die Segnungen eingeführt und warteten still auf den Sohn Gottes vom Himmel. Sie taten das in Frieden und Ruhe, und wussten, dass der Herr Jesus sie befreit hatte von dem Zorn durch Seinen Tod und dass Gott in dem Werk Christi Seine Genugtuung hatte und dass die Rechtfertigung des Sünders von den Sünden und dem Gericht auf der Auferstehung Christi aus den Toten ruhte.
2. Gottes Fürsorge für Seine Schafe (Kapitel 2)
Der Prophet Jesaja liebt es, das Volk Gottes mit einer Herde zu vergleichen, und Gott Seine Freude hat, diese Herde zu nähren: "Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte, die Lämmer wird er auf seinen Armnehmen und in seinem Schoss tragen, die säugenden wird er sanft tragen" (Jes. 40,11). Die Schafe der Herde stehen immer in Gefahr, durch den Feind in alle Richtungen zerstreut zu werden. Doch Er sammelt sie mit den Armen Seiner Kraft und liebt sie mit dem Herzen Seiner Zuneigung. In unserem Kapitel finden wir in besonderer Weise diese Fürsorge für seine Schafe.
Wir erkennen die feine und sanfte art und Weise, mit der Gott diesen Jungbekehrten gegenübertritt mit dem Ziel, dass sie würdig dessen zu wandeln, "der sie zu seinem eigenen Reich und seiner eigenen Herrlichkeit berufen hat" (Vers 12). Der Wolf mag das Ziel haben, die Schafe zu zerstreuen, aber der große Hirte wird die Schafe sammeln mit seinem beschützenden Arm. Der Feind mag versuchen, die zu Fall zu bringen, aber der Hirte wird sie tragen und bis zur Herrlichkeit bringen. Die ersten 12 Verse zeigen uns diese liebende Fürsorge, ausgedrückt durch den Apostel. Der zweite Teil dieses Kapitels zeigt uns die Ergebnisse dieser Fürsorge.
Um die Thessalonicher an die Gnade Gottes, die Er ihnen erwiesen hatte, zu erinnern, spricht der Apostel zuerst über seinen Eingang zu ihnen, als sie noch Sünder waren (Vers 1-5), dann über seine Freundlichkeit, die er ihnen als Jungbekehrte erwies, so wie eine nährende Frau ihr Kind pflegt (Vers 6-9), und schließlich von seiner Treue zu ihnen, so wie ein Vater mit seinen Kindern handelt (Vers 10-12).
(a) Die Gnade des Apostels für Sünder (Vers 1-5)
Der Apostel kam zu ihnen wissend, dass sie die Errettung nötig hatten. Alle Sünder haben nötig errettet zu werden, ob als religiöser Jude oder als götzendienerischer Heide. Es hatte sie beeindruckt, dass Paulus und seine Begleiter aus Philippi gekommen waren, wo sie als Ergebnis der Verkündigung des Evangeliums Verfolgung und Leiden erduldet hatten. Ihre Leiden hatten keinen Ärger ihnen oder ein Ende der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums hervorgerufen, wie es eine Reaktion des natürlichen Menschen gewesen wäre. Im Gegenteil.
Der Apostel sagt: "sondern nachdem wir in Philippi zuvor gelitten hatten und misshandelt worden waren, wie ihr wisst, waren wir freimütig in unserem Gott, das Evangelium zu euch zu reden unter großem Kampf (Vers 2-3)". Es war nicht die Freimütigkeit des Fleisches, die es auch gibt, sondern es war die Freimütigkeit Gottes. Somit folgte der Apostel seinem Meister, der, als Steine auf ihn geworfen wurden, er still seinen Weg weiter ging. Keine Gewalttat des Menschen konnten irgend welche schlechten Regungen in ihm hervorrufen, sondern nur Gnade.
Darüber hinaus redete der Apostel zu ihnen in großem Kampf, also nicht nur, dass er keine fleischlichen Regungen zeigte, sondern dass er ein ernstes geistliches Verlangen hatte, die Seelen zu erreichen. Wenn der Apostel zu ihnen kam mit äußerer Freimütigkeit, dann war das immer verbunden mit innerer Reinheit. Wenn die Art mit Freimütigkeit verbunden war, dann waren seine Motive mit Reinheit verbunden. Es gab nicht an dem Predigenden oder der Predigt zu finden, was den Hörenden getauscht hätte. Seine Rede war nicht "aus Betrug" (Vers 3). Seine Predigt war weder mit Unreinheit, die die Lust des Menschen angesprochen hätte, oder mit List verbunden, die die Wahrheit verschleiert und verbirgt. Seine Motive waren rein und es gab nicht, was er gesagt hätte, weil es Menschen gefallen würde oder um Menschen durch schmeichelnde Worte zu gewinnen.
Im Gegenteil. Das was Paulus predigte diente dazu, das die Augen der Menschen über ihren eigenen Zustand geöffnet wurden und überführte sie ihrer Sünden, auch wenn die Wahrheit dem Fleisch weder gefielen noch geschmeichelt hätten. Es ist nicht erforderlich, Gewinn von den Menschen erlangen zu wollen, denn die Botschaft, wenn sie angenommen wird, macht unendlich reich.
Der Apostel konnte mit einer solchen Glaubwürdigkeit seines Gewissens reden, dass er Gott nennen kann, der die Herzen erforscht, der Wahrheit, die er verkündigt, Zeugnis abzulegen.
(b) Die liebende Fürsorge des Apostels für die Jungbekehrten (Vers 6-12)
Wenn die Verse 3-5 uns gezeigt haben, dass das Motiv, mit dem Paulus zu den Sündern redete, rein war, dann zeigen und die folgenden Verse 6-9, dass die Zuneigungen seines Herzens ihn bewegte, in dieser Weise für die Jungbekehrten zu sorgen. Es war keine Eigenliebe oder Selbstsucht das persönlichen Gewinn gesucht hätte. Es war die Gesinnung des Herrn, sich selbst vergessend und den anderen in Liebe dienend. Er war keine Selbstmotivation gewesen, die den Applaus der Menschen gewollt oder die eigne Ehre gesucht hätte. Er suchte nicht die Ehre des Menschen noch hätte er etwas von Menschen angenommen. Er wurde getrieben durch Liebe die zum Ziel hatte, das Gute für die anderen zu suchen. Es war eine Liebe, die Liebe in dem anderen suchte, sondern die sich an dem anderen erwies, die mit Freundlichkeit unter ihnen gewirkt hatte, wie eine nährende Frau ihre Kinder liebt. Der Apostel war bereit, alles in seinem Leben ihnen zu geben, und so arbeitete er unermüdlich Nacht und Tag (Vers 10+11).
Wenn der Apostel die Art einer Mutter hatte, dann konnte er auch ihnen in der Treue eines Vaters begegnen. Andere zu ermahnen, dazu gehört eine Wandel, der gekennzeichnet ist durch Treue und Heiligkeit. Diese Voraussetzungen erfüllte der Apostel, und er konnte die Thessalonicher selbst als Zeugen dafür anführen, dass er unter den Heiligen heilig, gerecht und untadelig gelebt hatte (Vers 12). Ein solches Leben lebend konnte er die Thessalonicher ermahnen und tröstend ermuntern, ebenfalls ein Leben würdig des Gottes, der uns zu seinem Königtum und seiner Herrlichkeit berufen hat, zu führen.
Die Welt schätzt es als eine besondere Ehre, den Hohen irdischer Reiche und deren Prunk nahe zu stehen. Doch wie viel größer ist das Vorrecht, mit solchen verbunden zu sein, die für Gottes Reich und Seine Herrlichkeit berufen worden sind. Es ist eine größere Ehre, mit solchen gefunden zu werden, die einst auf den Thronen sitzend richten und regieren werden in dem Königreich Gottes, auch wenn es hier ungeachtete und ungebildete Fischermänner sind.
So arm das Volk des Herrn auch ist, aber "hat Gott nicht die weltlich Armen auserwählt, reich zu sein im Glauben, und zu Erben des Reiches, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?" Gott möchte, dass wir über die leeren Ehren dieser Welt hinaus blicken und uns der hohen Würde, die Er uns in diesen Vorrechten gibt, beschäftigen möchte. Und während wir in dieser Welt uns bewegen dürfen wir uns beständig verhalten als solche, die Erben in Bezug auf die kommende Herrlichkeit sind.
(c) Die Frucht der Fürsorge des Apostels (Vers 13-20)
In dem letzten teil dieses Kapitels finden wir die herrlichen Früchte des Dienstes der Gnade, der in Liebe und Treue ausgeführt wurde. Dieser Dienst führte die Gruppe Jungbekehrter auf den Weg des Glaubens (Vers 13-16), in den Kreis der Liebe (Vers 17-18) und gab ihnen die sichere und klare Hoffnung der kommenden Herrlichkeit (Vers 19-20).
Zuerst kann der Apostel Gott danken dass der Glaube der Gläubigen befestigt war auf dem festen Grund des Wortes Gottes (Vers 13). Der Glaube ist in Christus; aber die Grundlage des Glaubens ist nicht das Wort des Lehrenden, so begnadet er sein, mag, sondern das Wort Gottes. Der Beweis dieser göttlichen Autorität des Wortes ist, dass es in den Glaubenden wirkt. Das Wort Gottes erreicht das Gewissen, wie kein Menschenwort das bewirken kann. Es richtet die Herzen weg von dem Götzendienst und bewirkt die großen Prinzipien des christlichen Lebens: Glaube, Liebe und Hoffnung in unserem Herrn Jesus Christus.
Darüber hinaus bewirkte das Wort in ihren Herzen, dass sie sich von Herzen mit dem Volk Gottes eins machten. Sie wurden "Nachahmer der Versammlungen Gottes, die in Judäa sind in Christus Jesus" (Vers 14-16). Nicht nur teilten sie mit ihnen die Vorrechte, die ihnen gegeben waren, sondern wurden ihre Genossen in den Leiden für Christus. Die Thessalonicher litten unter ihren eigenen Landsleuten, so wie die Gläubigen in Judäa unter den Juden zu leiden hatten. Der Widerstand der heidnischen Nationen wurde genährt durch den Todeshass der Juden. Die jüdische Nation hatten nicht nur die Propheten verworfen und ihren Messias getötet, sie lehnten auch jedes Angebot der Gnade ihnen selbst gegenüber ab. Und so füllten sie das Maß ihrer Schuld, indem sie versuchten, die Gnade aufzuhalten, indem sie ausgingen zu den Nationen. Ihre Maßnahmen, die Gnade in ihrer Verkündigung aufzuhalten, gipfelte in der Verfolgung des Apostels selbst, des Apostels der Nationen. Sie "gefallen Gott nicht und sind allen Menschen entgegen", und häufen so den Zorn auf sich.
Während die Thessalonicher die Feindschaft ihrer eigenen Landsleute in Kauf nahmen, erfreuten sie sich andererseits in der Liebe und Gemeinschaft in dem neuen Bereich, in den der christliche Glaube sie gebracht hatte. Sie waren mit ihren Herzen dem Volk Gottes verbunden. Sie waren für eine Zeit äußerlich nicht in der Nähe des Apostels und der Gläubigen gewesen, aber der Apostel sagt, nicht "dem Herzen nach". Sie - und wir als Gläubige - sind mit ewigen Seilen der Liebe verbunden, so ewig wie auch die Liebe selbst ist (Vers 18). Der praktische Ausdruck der Gemeinschaft schließt Schwierigkeiten mit ein, denn wenn das Ende gekommen ist und Satan nicht mehr wirken kann, kann die Gemeinschaft unter diesem Aspekt nicht mehr ausgedrückt werden. Der Apostel sagt: "Deshalb wollten wir zu euch kommen (ich, Paulus, nämlich), einmal und zweimal, und der Satan hat uns daran gehindert." Hätte nicht Gott die Pläne Satans vereiteln können? Zweifellos, und Er tut es auch, wenn es in Übereinstimmung mit Seinen Wegen ist. In Kürze wird er den Satan unter sine Füße zertreten. Doch bis dahin benutzt er zuweilen Satan als ein Instrument, die Gläubigen zu versuchen. Wenn der Herr dem Satan widerstanden hätte, dann hätten die Gläubigen den Segen, der aus diesen Übungen hervorgegangen ist, nicht bekommen können (Vers 19-20).
Schließlich lernen wir aus diesem Kapitel, dass die Liebe die Gläubigen in den Leiden auf "die Ankunft unseres Herrn Jesus" vorbereitet. Das führt den Apostel dahin, "unsere Hoffnung" zu erwähnen.
Somit waren die wunderbaren Ergebnisse des Dienstes des Apostels, dass die Thessalonicher eingeführt wurden in den christlichen Bereich, der gekennzeichnet ist durch den Glauben in das Wort Gottes (Vers 13), die Liebe zueinander (Vers 17) und die Hoffnung in den kommenden Herrn (Vers 20).
Der Herr Jesus selbst ist das wahre Zentrum dieses Bereiches und seines Volkes, der Eine, der unsere Zuneigungen zu Ihm wachruft und so unsere Herzen vereinigt untereinander. Diese Gemeinschaft werden wir in besonderer Weise erfahren, wenn Er wiederkommt. Dann wird keine Macht des Feindes mehr eindringen.
Hamilton Smith