Ein Volk für Seinen Namen

Christian Briem

Apostelgeschichte 1, Verse 1–5

Zurückgehen zum Anfang

Der 1. Johannesbrief beginnt mit dem erhabenen und bedeutungsvollen Wort" was von Anfang war" ' Dieses Wort möchte ich den nachfolgenden Betrachtungen über die frühe Kirche, wie sie uns in der Apostelgeschichte gezeigt wird, voranstellen. Der Ausdruck "was von Anfang war" bezieht sich eigentlich nicht auf die Kirche, sondern auf die Person unseres Erlösers selbst. Er, der Herr Jesus, war von Anfang, war als Mensch auf Erden der Anfang und die Offenbarung wahren Christentums. Aber es ist ein Grundsatz des Wortes Gottes, dass wir in allem zu dem zurückkehren sollen, was von Anfang war. Und deswegen möchte ich diesen Ausdruck auch auf die Kirche, dieses "Volk für seinen Namen" (vgl. Kapitel 15, 14) anwenden, um zu zeigen, was sie von Anfang war, wie sie aus der Hand Gottes zu Anfang hervorgegangen ist und welche Charakterzüge sie nach Seinen Gedanken hier auf der Erde offenbarte.

Auch der 24. Vers in 1. Johannes 2 ist in diesem Zusammenhang sehr beachtenswert:

"Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch."

Dieses Gebot zeigt einen Grundsatz auf, der sich letzten Endes auf alles bezieht, was aus der Hand Gottes hervorgegangen ist. Wir können ihn zum Beispiel auf die Schöpfung anwenden – wir wissen, dass heute viel von Evolution gesprochen wird; Gott jedoch sagt, Er habe im Anfang die Dinge geschaffen –, und ebenso sollen wir hinsichtlich der Christenheit, der Kirche, auf das, was wir "von Anfang gehört" haben, zurückkommen und darin bleiben.

Nur das, was Gott im Anfang gegeben hat, was in Seinem heiligen Wort niedergelegt ist, nur das ist die Wahrheit. Was Menschen darüber gesagt haben oder wie sich die Dinge später weiterentwickelt haben, ist nicht die Wahrheit. Ein geschätzter Diener Gottes

hat einmal gesagt: "Was wahr ist, ist alt, und was neu ist, ist nicht wahr." Ich warne vor dem Gedanken, dass sich die Wahrheit Gottes entwickelt habe. Wenn das so wäre, dann war das, was zu Anfang gegeben wurde, nicht die Wahrheit Gottes. Daran geht kein Weg vorbei. Doch Gott hat uns nicht etwas gegeben, was sich erst noch entwickeln muss, damit es so wird, wie Er es haben wollte. Auch die Kirche sollte sich nicht entwickeln, sondern Er hat sie zu Anfang so geschaffen, wie Er sie hatte haben wollen. Nun, dabei, darin hätten wir bleiben sollen!

Ein weises Kind Gottes kehrt zurück zu dem, was von Anfang war. Gerade bei dem Gegenstand, den wir vor uns haben, ist das so überaus wichtig. Die Wahrheit Gottes kann sich nicht entwickeln, sie kann auch nicht durch menschliche Hinzufügungen weiterentwickelt werden. Natürlich kann es der Fall sein, dass ich wenig von der Wahrheit verstehe und dass ich noch viel lernen muss. Unser Erfassen der Wahrheit ist wachstümlich. Doch davon spreche ich jetzt nicht. Ich rede davon, dass man die Dinge, die Gott in Seinem Wort niedergelegt hat, nicht weiterentwickeln kann. Versucht man es dennoch, verlässt man damit den Boden des Wortes Gottes und gerät auf den Treibsand menschlicher Gedanken und Spekulationen.

Wir haben im Neuen Testament einen zuverlässigen historischen Bericht Gottes darüber, was die Kirche in Seinen Gedanken ist, wie Er sie gemacht hat, und wie Er sie auch heute sehen will: die Apostelgeschichte. Zweifellos trägt manches in diesem Buch noch einen Übergangscharakter und wurde die Lehre über die Kirche erst später durch den Apostel Paulus gegeben. Aber hier können wir lernen, wie die Kirche aus der Hand Gottes hervorging, welche Charakterzüge sie zu Anfang offenbarte und welche Tätigkeit sie entfaltete. Im allgemeinen, so scheint mir, wird dieses Buch von uns Christen ein wenig vernachlässigt. Doch hoffe ich, zeigen zu können – schon anhand der einleitenden Verse –, dass dieses Buch eine Fülle wichtiger Wahrheiten enthält. Gottes Wort ist immer wunderbar und voller Tiefen, die kein menschlicher Geist ausschöpfen kann.

Handlungen des Heiligen Geistes

Die Apostelgeschichte trägt eigentlich einen falschen Namen. Wir wissen, dass die Bezeichnung der Bibelbücher nicht von Gott inspiriert ist. Auch die Apostelgeschichte hat ihren Namen durch Menschen bekommen. Doch wir werden sogleich sehen, dass Menschen Mühe haben, einem inspirierten Buch Gottes auch nur einen richtigen Namen zu geben. Denn dieses Buch ist eigentlich nicht ein Buch der Geschichte der Apostel. Ohne Zweifel lesen wir in den ersten zwölf Kapiteln viel von Petrus und in den folgenden Kapiteln auch viel von Paulus. Trotzdem ist das nicht die Geschichte der Apostel, auch nicht der Apostel Petrus und Paulus. Eine alte Handschrift des Neuen Testaments, der Sinaiticus, die Tischendorf fand, hat hier nur "Handlungen" stehen. Es wird offen gelassen, wer da handelt. Das kommt der Sache schon etwas näher. In der Tat finden wir hier Handlungen, aber nicht so sehr die der Apostel, sondern die Handlungen des Herrn Jesus, der längst im Himmel ist und jetzt von dorther durch den Heiligen Geist, der auf die Erde gekommen ist, hier auf Erden wirkt.

Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu den Evangelien. Das Neue Testament enthält ja, wie wir wissen, nur fünf geschichtliche Bücher: die vier Evangelien und die Apostelgeschichte. Die vier Evangelien berichten über das Leben des Herrn Jesus, Seinen Tod, Seine Auferstehung und zum Teil auch über Seine Himmelfahrt. Nun, mit letzterer beginnt die Apostelgeschichte. Der gesamte Inhalt der Apostelgeschichte bezieht sich auf Vorgänge nach dem vollbrachten Werk auf Golgatha, und sie schildert uns –das ist ein Schlüssel zum Verständnis dieses Buches –, was Christus in uns wirkt, während die Evangelien uns schildern, was Christus für uns vollbracht hat. Durch Menschen, die den Heiligen Geist empfangen haben, verherrlicht Sich Christus heute auf der Erde, wobei Er selbst im Himmel ist. Es ist also durchaus ein Buch von Handlungen, aber mehr von Handlungen des Heiligen Geistes als der Menschen, wenngleich Er Menschen benutzt.

Doch stellen wir jetzt die ersten fünf Verse dieses kostbaren Buches vor uns:

"Den ersten Bericht habe ich verfasst, o Theophilus, von allem, was Jesus anfing, sowohl zu tun als auch zu lehren, bis zu dem Tage, an welchem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte,– welchen er sich auch nach seinen Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt hat, indem er vierzig Tage hindurch von ihnen gesehen wurde und über die Dinge redete, welche das Reich Gottes betreffen. Und als er mit ihnen versammelt war, befahl er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten – die ihr von mir gehört habt; denn Johannes taufte zwar mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geiste getauft werden nach nunmehr nicht vielen Tagen" (Apg 1, 1–5).

Zwei Berichte an Theophilus

Im Vers 1 fällt uns etwas Interessantes auf. "Den ersten Bericht habe ich verfasst, o Theophilus. . ."Den ersten Bericht? Theophilus, wer ist das? Und wer ist der Schreiber? Offenbar Lukas, der kein Apostel, wohl aber ein Prophet war. Dieser hat also zwei Bücher der Bibel geschrieben, das nach ihm benannte Evangelium und die Apostelgeschichte. Er bezieht sich zu Anfang des ersten Verses auf das Evangelium, das er geschrieben hatte.

Vergleichen wir einmal diesen Vers hier mit Lukas 1, Vers 3: ". . . hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, der Reihe nach zu schreiben." Lukas wendet sich schon beim Schreiben des ersten Berichts an einen gewissen Theophilus. Es fällt uns auf, dass in Lukas 1, Vers 3, ein zusätzliches Eigenschaftswort vor Theophilus steht, das in Apostelgeschichte 1, Vers 1, fehlt. Lukas nennt ihn» vortrefflichster Theophilus". Warum sagt er das nur in Lukas 1 und nicht in Apostelgeschichte 1? Gerade aus der Apostelgeschichte wissen wir, dass mit "vortrefflichster" nur hochgestellte Persönlichkeiten angeredet wurden (vgl. bei Felix und Festus, Apg 24,3; 23,26; 26,25). Es wird also deutlich, dass das Lukasevangelium an eine hochgestellte römische Persönlichkeit gerichtet ist.

Ich bemerke noch dazu, dass Lukas ein Mann aus den Nationen war, während die Schreiber der übrigen Bücher des Neuen Testaments ausschließlich Juden waren. Das ist sehr bedeutsam, wenn man bedenkt, dass Gott damals nur zu Juden redete (Mt 10, 5.6). In der Apostelgeschichte werden wir diese Änderung in den Wegen Gottes noch weiter entwickelt sehen. Das Zeugnis Gottes beginnt bei den Juden, auch noch nach der Kreuzigung des Herrn Jesus. Dieser Mann, an den Lukas schrieb, dessen Name übersetzt "Gottlieb" oder "Gott liebt" bedeutet, war also in hoher römischer Stellung und hat diese dann, als Lukas seinen zweiten Bericht schrieb, offenbar nicht mehr innegehabt. Ich bin kein Freund von Fantasien in göttlichen Dingen und will mich daher auch hier einer fantasievollen Beschreibung enthalten. Ich gebe nur zu bedenken, dass Theophilus vielleicht, weil er ein Christ geworden war oder weil er es mit seinem christlichen Stand nicht mehr vereinbaren konnte, diese Stellung verloren oder aufgegeben hatte: Er wird hier nur noch "Theophilus" genannt.

Jeder von uns, der von neuem geboren ist, ist sozusagen nur noch ein Theophilus. Wenn jemand eine hohe Stellung in der Welt bekleidet, ist er unter Brüdern dennoch nur ein Theophilus. Natürlich ist es nach Gottes Willen, dass wir eine hochgestellte Persönlichkeit, auch wenn es sich um einen Bruder handelt, ehren und ihr Achtung zollen. Obgleich Festus ein böser Mann war, redete ihn Paulus ehrerbietig mit "vortrefflichster Festus" an. Diese Haltung sollte auch uns stets kennzeichnen. Wir sollten jedem die Ehre geben, die ihm gebührt, und zum Beispiel nicht abschätzig über unsere Regierung reden.

In der Versammlung, in der Kirche, "in Christo" jedoch sind wir alle gleich. Mehr als ein "Bruder im Herrn" kann man überhaupt nicht sein, wenn es um unsere Beziehungen zueinander geht. Es ist das köstlichste Vorrecht, das Gott uns schenken kann: Brüder und Schwestern im Herrn zu sein. "Ihr alle aber seid Brüder", hat der Herr Jesus einmal gesagt (Mt 23, 8). Um auf diese liebliche Wahrheit hinzuweisen, lässt Lukas hier, wie mir scheint, diesen Titel "vortrefflichster" vor "Theophilus" wegfallen. Das ist ein zweiter Grund für das Fehlen des Titels.

Tun und lehren

Nun beschreibt Lukas kurz den Inhalt seines Evangeliums und erinnert Theophilus, er habe ihm "von allem, was Jesus anfing, sowohl zu tun als auch zu lehren" geschrieben. Hier lernen wir wieder eine große sittliche Wahrheit, und ich rede zu solchen, die durch die neue Geburt Kinder Gottes geworden sind. Der Herr Jesus war einst auf der Erde und hat die Wahrheit Gottes zuerst getan und sie dann gelehrt. In Esra 7 wird gesagt, dass Esra, dieser "kundige" Schriftgelehrte, "sein Herz darauf gerichtet hatte, das Gesetz Jehovas zu erforschen und zu tun, und in Israel Satzung und Recht zu lehren" (Vers 10). Bei Esra waren es drei Dinge, bei dem Herrn Jesus nur zwei. Gott möchte, dass auch wir unser Herz darauf richten, das Wort zu erforschen. Das ist nicht nur eine Sache von Theologen, sondern eine Sache eines jeden Kindes Gottes. Wir leben von dem Wort Gottes. Sein Wort ist die Speise unserer Seele. Wenn wir es tun und es lehren wollen, müssen wir es erst einmal kennen lernen und es selbst genießen. Wie müssen wir uns doch alle mehr oder weniger schämen, dass wir wertvolle Zeit unseres Lebens mit nichtigen Dingen verschwendet haben! Wir erforschen sehr viele Dinge, aber viel zu wenig das Wort Gottes. Wir sollten es nicht erforschen, um etwas zu wissen, sondern um es zu tun.

Das ist der zweite Punkt: Gott möchte, dass wir das, was wir gelernt haben – und wir lernen bruchstückartig – in die Praxis umsetzen. Gott gibt Sich nicht mit einem schönen Bekenntnis zufrieden, Er möchte Wahrheit im Innern haben. Er möchte, dass wir das, was Er uns gesagt hat, auch tun. Lasst uns doch den Vorsatz fassen: "Herr Jesus, ich möchte das Wort, soweit ich es erfasse, auch verwirklichen. Hilf mir bitte dabei!"

Der dritte Punkt ist ebenfalls sehr wichtig. Aber alles muss der Reihe nach vor sich gehen. Man kann nicht mit dem letzten anfangen: " . . . in Israel Satzung und Recht zu lehren." Hier beim Herrn Jesus heißt es: "Er fing an, sowohl zu tun als auch zu lehren." Das Lehren über Gottes Wort kann niemals zu Anfang kommen. Ich bin ganz sicher, dass das Wort erst einmal über mich selbst Macht haben muss, erst dann kann ich auch andere durch das Wort belehren. Das Wort Gottes muss erst einmal mich beurteilen und beeinflussen, erst dann kann ich auch mit dem Wort anderen dienen. Das ist die göttliche Reihenfolge. Deswegen glaube ich nicht, dass sehr junge Leute berufen sind, über das Wort Gottes lehrend zu sprechen. Das ist etwas anderes, als das Evangelium zu verkündigen oder ein Zeugnis von Ihm und für Ihn abzulegen.

Beim Herrn Jesus war das erste Stück, das wir bei Esra fanden, nicht notwendig. Er musste nicht das Wort Gottes erforschen. Jedes Kind Gottes kennt den Grund: Er war selbst das Wort Gottes. In Johannes 1 heißt es: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott' (Joh 1, 1–2). Der Herr Jesus ist das Wort Gottes. Er ist der lebendige Ausdruck der Gedanken Gottes. Das ist die Bedeutung des Ausdrucks "Wort". "Wort" in der Schrift meint, von etwas Ausdruck geben.

Christus ist ebenso Gott wie der Vater und der Heilige Geist, und Er ist in Seiner Person, auch als Mensch, "die Wahrheit'. Als die Juden Ihn als zwölfjährigen Knaben im Tempel sahen und die Fragen hörten, die Er den Schriftgelehrten stellte, gerieten sie außer sich über Sein Verständnis, das Er in diesem Alter besaß. Er musste nicht die Schrift erforschen, denn sie zeugt von Ihm, und Er hatte sie selbst gegeben. Er ist nicht nur der Urheber der Schöpfung, sondern auch der Bibel. Wie könnte Er sie nicht kennen, auch wenn Er ein Knabe war? Er war immer Gott. Das wollen wir festhalten und anbetend bewundern, wenn wir es auch nicht verstehen können. Es sind keine Nebensächlichkeiten, über die man verschieden denken könnte. Wer hierüber anders denkt oder diese Tatsache ablehnt, von dem kann man nicht sagen, dass er ein Kind Gottes ist. Ein lebendiges Kind Gottes weiß, dass der Herr Jesus Gott ist, Gott, der Sohn, und dass Er in Sich selbst die absolute Wahrheit aller Dinge ist.

Der Herr Jesus hat als Mensch dreißig Jahre lang in Zurückgezogenheit auf der Erde gelebt. Haben wir darüber schon einmal nachgedacht? Er ist nicht sogleich als Lehrer Gottes hervorgetreten, sondern Er hat dreißig Jahre lang im Verborgenen vor dem Auge Gottes gelebt. Als dann die geeignete Zeit dazu kam, redete Er von den Gedanken Gottes und lehrte das Wort. Das ist die Reihenfolge, wie wir sie hier finden – eine Reihenfolge, auf die der Herr auch in Matthäus 5, Vers 19, hinweist: "Wer aber irgend sie tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reiche der Himmel."

Ich möchte noch auf den interessanten Ausdruck " er fing an " hinweisen. Es steht nicht da, dass Er auch aufgehört hätte. Diese Ausdrucksweise des Heiligen Geistes ist sehr lieblich. Ich glaube, sie deutet an, dass tatsächlich das, was der Herr anfing, zu tun und zu lehren, nicht aufgehört hat. Wenn Er auch ans Kreuz geheftet wurde und gestorben ist, wenn Er auch auferstand und zum Himmel auffuhr und heute zur Rechten Gottes ist, so hat Er doch die Absicht, das, was Er auf der Erde begann, vom Himmel aus fortzusetzen. Er tut das in der Person des Heiligen Geistes, der jetzt auf der Erde ist. Wir werden das im weiteren Verlauf unserer Betrachtungen bestätigt finden.

Sieben Wahrheiten

Im ganzen finden sich in den ersten drei Versen sieben Wahrheiten oder Tatsachen:

1. Er fing an, "sowohl zu tun als auch zu lehren"– das haben wir schon betrachtet,

2. "bis zu dem Tage, an welchem er aufgenommen wurde". Seine Himmelfahrt,

3. "nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte": Der Herr Jesus gab als der Auferstandene Seinen Aposteln durch den Heiligen Geist Anweisungen;

4. "nach seinem Leiden".– Unser Herr hat gelitten;

5."in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt hat".–Er ist auferstanden;

6. "indem er vierzig Tage hindurch von ihnen gesehen wurde". Er erschien den Seinen als der Auferstandene;

7. "und über die Dinge redete, welche das Reich Gottes betreffen ".– Der Inhalt Seiner Belehrungen vor Seiner Himmelfahrt war das Reich Gottes.

Alle diese Punkte gehören zu der Grundlage wahren Christentums, ja der Grundlage der Kirche.

Wir wollen nun mit der Hilfe des Herrn diese Wahrheiten in chronologischer Reihenfolge betrachten.

Sein Leiden

Der Herr Jesus hat Sich "nach seinem Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt". 0 Geliebte, unser Heiland und Erlöser hat "gelitten"! Wir wissen das, aber wie wenig beschäftigen wir uns wirklich damit!

Dieser Ausdruck nach seinem Leiden" muss uns tief bewegen. Er bezieht sich offensichtlich auf Seinen Kreuzestod. Aber Christus hat nicht nur im Tode gelitten, sondern Sein ganzes Leben auf der Erde war eine Zeit des Leidens. Er hat natürlich in ganz besonderer Weise gelitten, als Er am Kreuz hing. Dabei ist zu beachten, dass der Herr nicht nur als Märtyrer gelitten hat. Dieser Gedanke wäre zu gering. Es ist richtig, dass Er um der Wahrheit willen den Tod geschmeckt hat – und das ist ein Leiden als Märtyrer –, aber Er ist gestorben als ein Opfer Gottes, als stellvertretendes Opfer für dich und mich. Die Hingabe Seines Lebens bedeutet für die, die Sein Werk im Glauben in Anspruch nehmen, Versöhnung mit Gott. Welch ein Glück zu wissen: Er ist für mich gestorben! Es gibt kein Christentum, es gibt keine Kirche, es sei denn, Christus litt und starb. Deswegen heißt es hier: "nach seinem Leiden." Welch ein ergreifender Ausdruck!

Sein Auferstehen

Aber der Herr Jesus ist nicht im Tode geblieben, Er ist auferweckt worden durch die Herrlichkeit des Vaters. 1. Korinther 15 zeigt uns, dass, wäre Christus nicht auferweckt worden, wir noch in unseren Sünden wären. Seine Auferstehung ist eine der Grundlagen des Christentums. Deswegen wird in der Apostelgeschichte immer wieder das Zeugnis von Seiner Auferstehung gegeben. So auch in Vers drei: – . . welchen er sich auch in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt hat."

Hier finden wir also diese zweite Wahrheit, ebenfalls, wie wir schon gesehen haben, eine Wahrheit Gottes von grundlegender Art: Christus lebt! Manche anerkennen durchaus, dass Christus einmal hier auf der Erde gelebt hat. Aber wenn wir fragen, warum Er denn nicht mehr hier sei, dann ist die Antwort demütigend für uns alle: Wir Menschen haben Ihn gekreuzigt. Doch welch ein Triumph! Der Herr Jesus ist auferstanden, und jeder wahre Christ glaubt das. Er hatte einen menschlichen Körper. Gott als solcher hat keinen Körper. Gott ist ein Geist (Joh 4,24) und hat als solcher keinen Leib. Dennoch ist Gott höchste Persönlichkeit. Aber der Herr Jesus nahm in reiner Gnade und unendlicher Güte einen menschlichen Körper an (Joh 1, 14: "Das Wort ward Fleisch ... (1) und lebte als wirklicher Mensch auf der Erde, nur ohne Sünde, und als wirklicher Mensch starb Er auch. Er hätte nie zur Sünde gemacht werden können, wenn Er selbst Sünde gehabt hätte. Immer war der Herr Jesus das Heilige und der Heilige. Halten wir das im Glauben fest!

Und dann ist der Herr Jesus auferstanden. Auch der Leib des Herrn, der nie die Verwesung gesehen hatte, trug den Namen Jesus". Wenn wir an einer offenen Gruft stehen – ich rede von Kindern Gottes –, dann reden wir nicht den Toten hinterher. Das hört der Tote sowieso nicht. Wir sollten nicht zu Toten sprechen, und schon überhaupt nicht zu Toten oder für Tote beten. Das ist alles nicht nach Gottes Gedanken. Aber der Körper unseres Herrn trug den Namen Jesus": "Dorthin nun ... legten sie Jesum "(Joh 19, 42). Auch der Leib unseres teuren Herrn ist ein Bestandteil Seiner Person. Diesen Leib erweckte Gott auf Als Maria in der Frühe des ersten Wochentags kam, war Er schon auferstanden. "Was suchet ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden" (Lk 24, 56). Glückselige Gewissheit!

Das BLEIBEN des Heiligen Geistes in Auferstehung

Das ist ein bemerkenswerter Ausdruck: ". . . nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte." Der Herr gab als Auferstandener Seinen Aposteln durch den Heiligen Geist Befehl. Hinter dieser Tatsache verbirgt sich eine große Wahrheit. Jedes Kind Gottes besitzt den Heiligen Geist, besitzt Ihn für immer. Der Herr Jesus sagt in Johannes 14, dass, wenn Er wegginge, Er die Jünger nicht als Waisen zurücklassen würde. Er würde ihnen einen anderen Sachwalter senden, den Geist der Wahrheit.

Geschichtlich findet das erst in Kapitel 2 der Apostelgeschichte statt. Wir leben in der Zeit, wo der Heilige Geist auf der Erde ist und in jedem Kind Gottes wohnt wie in einem Tempel. Der Besitz des Heiligen Geistes ist etwas Wunderbares. Wir sind dafür viel zu wenig dankbar. Ich danke Gott, dass diese erhabene Person, Gott selbst, aufgrund der vollbrachten Erlösung in mir wohnt. Dieser Sachwalter, den manche auch Tröster nennen, obwohl das Wort "Tröster" viel zu schmal ist angesichts der Erhabenheit des Geistes, wird bei uns bleiben, auch wenn wir durch die Auferstehung gehen. Wir sehen dies – wie auch jede andere Wahrheit – in der Person des Herrn Jesus selbst vollkommen dargestellt. Jede Wahrheit des Neuen Testaments hat in Ihm ihren Mittelpunkt und vollkommenen Ausdruck. Die Tatsache, dass der Herr Jesus durch den Tod gegangen und durch die Herrlichkeit des Vaters auferweckt worden war, hat an Seinem Besitz des Heiligen Geistes überhaupt nichts geändert. Auch als der Auferstandene handelt Er nicht unabhängig vom Heiligen Geist. Der Heilige Geist wirkt auch in dem auferstandenen Menschen.

Wie der Herr trotz Seines Sterbens und Auferstehens den Heiligen Geist bleibend in Sich hatte, so wird der Heilige Geist auch von uns nicht weggenommen werden, wenn wir hier durch den Tod gehen sollten und die Auferstehung erleben. Der Herr Jesus hat gesagt, dass dieser "andere Sachwalter" bei uns bleiben würde in Ewigkeit (Joh 14, 16). Du glaubst, das sei nicht so wichtig? – Es ist sogar sehr wichtig! Hier auf der Erde ist der Heilige Geist leider

genötigt, sich viel mit unseren Torheiten zu beschäftigen. Er muss sehr viel Mühe aufwenden, um uns auf dem Weg der Nachfolge zu erhalten, damit wir nicht mutlos werden, damit wir erkennen, wie verdorben unsere alte Natur ist, die wir auch als Kinder Gottes noch besitzen. Man lernt erst auf dem Weg der Nachfolge, wie verderbt man von Natur aus ist. Allzu oft muss uns der Heilige Geist unsere Sünden in Erinnerung rufen und uns ihren wahren Charakter zeigen.

Der Heilige Geist kann vielfach überhaupt nicht das tun, was Er gerne möchte – uns Christus zeigen. Was wird das jedoch in der Auferstehung sein, wenn wir durch den Geist fähig sind, in der Herrlichkeit bei Christus zu bleiben und diese Herrlichkeit zu genießen! Welch eine Fähigkeit werden wir Christen im Himmel durch den Heiligen Geist haben, der immer bei uns bleiben wird, wenn Er Seine ganze Kraft entfalten kann, damit wir die Segnungen des Vaterhauses in ihrer ganzen Fülle genießen können! Hier wird der Geist oft eingeschränkt und betrübt. Er kann uns Christus nicht zeigen, weil wir so oft im Ungehorsam falsche Wege gehen. Aber im Himmel werden wir dem Heiligen Geist nicht mehr hindernd im Wege stehen, wird es weder Welt noch Teufel geben. Dann wird Er uns in Kraft befähigen, Christus vollkommen zu genießen. Wie groß wird in jenem Zustand unser Fassungsvermögen für Glück und Freude sein!

Sein Erscheinen in Auferstehung

Wir glauben, dass ein wirklicher Mensch im Himmel ist. Er zeigte Sich in vielen sicheren Kennzeichen den Seinen. Übrigens, kein Ungläubiger hat je den Herrn Jesus in Auferstehung gesehen, nur Gläubigen zeigte Er Sich. Wohl waren die Hüter des Grabes Zeugen Seiner Auferstehung, zudem bestechliche. Diese Soldaten mussten erleben, wie der Stein weggerollt wurde; den Herrn Jesus selbst haben sie jedoch nicht gesehen. Petrus sagt später "Diesen hat Gott am dritten Tage auferweckt und ihn sichtbar werden lassen, nicht dem ganzen Volke, sondern den von Gott zuvor erwählten Zeugen, uns, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er aus den Toten auferstanden war" (Kapitel 10, 40.41).

Wie oft ist eigentlich der Heiland den Seinen in Auferstehung erschienen? Soweit wir aus Gottes Wort wissen, genau zehnmal. Wem zuerst? Natürlich einem bekannten Bruder! Sicherlich Petrus! Nein, es war eine Frau, die Ihn zuerst von allen sehen durfte, eine Frau, die Ihn sehr geliebt hatte, Maria Magdalene. Ihr offenbarte Sich der Herr Jesus zuerst.

Vierzig Tage hindurch wurde der Herr Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten und von verschiedenen Personen gesehen. Man konnte Ihn nicht immer sehen, sondern Er erschien nur zu gewissen Zeiten. Einmal waren sie versammelt, ein anderes Mal erschien Er einem einzelnen. In 1. Korinther 15 werden uns etliche Zeugen Seiner Auferstehung genannt, aber nicht alle. Die Gelegenheiten, bei denen Frauen zugegen waren, fehlen nämlich. Wenn es zum Beispiel heißt, "dann den Zwölfen", dann war das nicht am Auferstehungstag des Herrn, sondern es war eine Woche später. An dem Auferstehungstag des Herrn waren auch Frauen zugegen, wie wir Lukas 24 entnehmen, jedoch acht Tage später offensichtlich nicht. Dann war auch Thomas anwesend, und das war das sechste Mal, dass Er den Seinen erschien. Im Ganzen aber waren es zehn Gelegenheiten.

Einmal erschien Er sogar fünfhundert Brüdern auf einmal. In Jerusalem wird uns nur von hundertundzwanzig berichtet, wer sind dann die fünfhundert? Wahrscheinlich waren es Brüder in Galiläa. Fest steht, dass es fünfhundert Brüder auf einmal waren, die den Herrn Jesus bei einem bestimmten Anlass gesehen haben. Der Herr hat Sich also in Seinem Auferstehungsleib, der allerdings noch nicht verherrlicht war, den Gläubigen gezeigt. Er hat auf diese Weise sichere Beweise davon gegeben, dass Er lebt, und Er hat diese Beweise innerhalb von nicht weniger als vierzig Tagen gegeben.

Vierzig Tage

Die Zahl "vierzig" bezeichnet im Wort Gottes eine bedeutsame Zeitspanne. Hier einige Beispiele, in denen die Zahl vierzig vorkommt:

– Es regnete vierzig Tage und Nächte, als die Flut über die Erde kam; denn Gott wollte die damals schon so verderbte Welt im Wasser untergehen lassen.

– Mose war vierzig Tage und Nächte auf dem Berg Gottes. Vierzig Tage kundschafteten die Kinder Israel das Land Kanaan aus.

– Elias ging vierzig Tage in der Kraft der Speise, die Gott ihm gegeben hatte.

– Vierzig Tage ließ Gott der Stadt Ninive Zeit, um auf die Predigt Jonas' hin Buße zu tun.

– Vierzig Tage war der Herr Jesus in der Wüste und wurde versucht.

– Hier lesen wir, dass Er vierzig Tage lang als Auferstandener auf der Erde war, ehe Er gen Himmel fuhr.

Es ist etwas Kostbares um die Zahl vierzig in Verbindung mit Seiner Auferstehung. Vierzig ist die Zahl der vollkommenen Erprobung und des vollkommenen Zeugnisses. Israel wurde vierzig Jahre in der Wüste erprobt, und auch der Herr Jesus wurde in der Wüste erprobt. Aber es wurde auch erprobt, ob Er wirklich lebe. In 1. Korinther 15 lesen wir, dass Er am dritten Tag auferweckt worden ist. So wie Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so war der Herr Jesus drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde. Um zu beweisen, dass Christus wirklich gestorben war, genügten drei Tage. Als Lazarus vier Tage im Grabe lag, wurde gesagt: "Er riecht schon" (Joh 11, 39). So schnell geht die Verwesung vor sich, vor allem im Orient. Was aber die Auferstehung des Herrn angeht, waren nach den Gedanken Gottes vierzig Tage notwendig, um zu beweisen, dass Er wirklich lebte und Derselbe geblieben war.

Die Tatsache, dass Christus lebt, ist die Grundlage des Evangeliums. Und wenn Er nicht auferstanden wäre, so wären die Apostel falsche Lehrer. Wir würden noch in unseren Sünden sein, und die Heimgegangenen wären tatsächlich verloren gegangen. Das sage nicht ich, sondern Gottes Wort sagt es (vgl. 1. Kor 15, 13–19). Wenn Christus nur gestorben wäre, wüssten wir nicht, ob Sein Werk von Gott angenommen ist. Auch wüssten wir nicht, ob Er

überhaupt der wahre Zeuge ist. Denn Er hatte oft bezeugt, dass Er nach drei Tagen auferstehen würde. Wenn es doch nicht geschehen wäre, was sollten wir dann von Ihm halten? Aber Er ist auferstanden, und Er ist und es ist die Wahrheit. Gesegnete Tatsache!

Aufgenommen in Herrlichkeit

Er ist auch als wahrhaftiger Mensch, auf ewig, im Himmel. Der Ausdruck »aufgenommen" kommt im 1. Kapitel der Apostelgeschichte dreimal vor: in den Versen 2, 11 und 22. Außerdem heißt es in Vers 9: "er wurde emporgehoben", in Vers 10, dass Er "auffuhr", und in Vers 11, dass "er hingegangen ist in den Himmel" * Nachdem Sich Christus den Gläubigen gezeigt hatte, um ihnen die Gewissheit zu geben, dass Er lebe, ist Er in den Himmel gegangen. Und von dort wird Er wiederkommen, wie wir in diesem Kapitel später sehen werden.

Manche Gläubige haben die seltsame Ansicht, dass der Herr Jesus vorher eine private oder inoffizielle Himmelfahrt erlebt habe und dann erst hier in der Apostelgeschichte endgültig gen Himmel gefahren sei. Sie kommen wohl aus folgendem Grund zu diesem Gedanken: Der Herr Jesus hatte zu Maria am Auferstehungsmorgen, als sie Ihn offenbar berühren wollte, gesagt: "Rühre mich nicht an." Und als Begründung hatte Er gesagt: " . . . denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater" (Joh 20, 17). Bei anderen Gelegenheiten sehen wir, dass man Ihn nach der Auferstehung durchaus anrühren durfte. Die Frauen in Galiläa zum Beispiel durften Ihn anfassen (Mt 28, 9). Thomas durfte seine Hand in Seine Seite legen (Joh 20, 27). Man hat daraus den Schluss gezogen – es ist immer gefährlich, in göttlichen Dingen Schlussfolgerungen zu ziehen, die Gottes Wort nicht zieht –, dass der Herr also kurz nach Seinem Gespräch mit Maria gen Himmel gefahren sei (weil Er sagte, dass Er noch nicht aufgefahren sei) und nachher wieder herabgekommen sei. Aber das ist reine Spekulation.

Doch warum verhielt Er Sich so verschieden? Die Frauen von Galiläa und Thomas dürfen Ihn anfassen, Maria Magdalene aber nicht. Warum dieser Unterschied? Es gibt eine, wie ich meine, einfache Antwort auf diese Frage. Maria Magdalene steht für den jüdischen Überrest damaliger Tage, und sie meinte, die irdischen Beziehungen, die der Überrest schon damals mit dem Herrn Jesus genoss, in Auferstehung fortsetzen zu können. Sie meinte, Ihn berühren zu können, wie sie es vordem getan hatte. Und da musste der Herr sagen: "Nein, Maria, das geht nicht; es kommt jetzt eine ganz neue Zeit, die durch himmlische Beziehungen gekennzeichnet ist." Er konnte sie nicht wie vordem behandeln. Paulus sagt: "Wenn wir aber auch Christum nach dem Fleische gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr also" (2. Kor 5, 16). Auch wenn Menschen vor Seinem Tode mit Ihm als Mensch auf Erden in bestimmten Beziehungen standen, so hatten diese jetzt aufgehört. Die Beziehungen mit einem auf der Erde lebenden Christus hatten endgültig aufgehört. Wer meinte, sie fortsetzen zu können, dem musste Er solch ein Wort sagen. Das ist also die Erklärung, und nicht irgendeine zweite, private Himmelfahrt des Herrn.

Es sei noch bemerkt, dass auch die Frauen von Matthäus 28 für den jüdischen Überrest stehen, aber als solche, die entsprechend dem Charakter dieses Evangeliums dem Auferstandenen als ihrem Messias in späteren Tagen huldigen werden. Die Himmelfahrt und damit die Zeit Seiner Abwesenheit wird von Matthäus daher auch nicht erwähnt.

In Verbindung mit den Festen Jehovas wurde den Kindern Israel geboten, sie sollten sich vom Fest der Erstlingsgarbe bis zum Fest der Wochen (Pfingsten) fünfzig Tage zählen, vom Tag nach dem Sabbat bis zum Tag nach dem Sabbat, also unserem Sonntag, dem ersten Tag der Woche (3.Mose 23, Verse 15 und 16). Diese fünfzig Tage unterteilen sich nun in vierzig und zehn Tage. Vierzig Tage lang war der Herr Jesus als der Auferstandene auf Erden, und während zehn Tagen war weder der Heilige Geist gekommen, noch war der Herr da. Es war ein gewisser Zwischenzustand, und das muss man gut verstehen, um zu erfassen, was im Gegensatz dazu die wahre Kirche ist, die erst mit dem Herabkommen des Heiligen Geistes am Tag der Pfingsten ihren Anfang nahm.

Unterredungen über das Reich Gottes

Während der vierzig Tage redete der Herr Jesus mit den Jüngern in vertrauter, altbekannter Weise. Diese Tatsache beglückt uns. Der auferstandene Herr ist auch in dieser Hinsicht Derselbe geblieben. Er spricht vertraulich mit Seinen Jüngern. Auch später sehen wir dasselbe, als Er vom Himmel her mit Saulus von Tarsus redete und ihn fragte: "Was verfolgst du mich? Er aber sprach: Wer bist du, Herr? Er aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst" (Apg 9, 4–5). Das war der verherrlichte Sohn des Menschen im Himmel, und Er redete von dort her mit Saulus. So war es auch bei Ananias. Vom Himmel her sprach der Herr in aller Vertrautheit mit Seinem Jünger und sagte ihm, er solle in die Straße gehen, die die gerade genannt wird. Der Herr weiß genau, wo wir wohnen. Diese Straße in Damaskus heißt übrigens heute noch so. Sie durchzieht die Stadt von Osten nach Westen. Dort wohnte Saulus in dem Haus eines gewissen Judas, und dahin sollte Ananias gehen. Der Herr ist also, was Seine Vertrautheit mit uns angeht, Derselbe geblieben. Das glauben wir oft nicht so recht. Wir denken, dass es schön gewesen sein muss, auf der Erde zu leben, als der Herr Jesus hier war; und es war auch etwas überaus Großes. Ist es aber nicht viel größer, heute mit Ihm, der im Himmel ist, sprechen und durch den Heiligen Geist Gemeinschaft mit Ihm dort haben zu können?

Hier nun redete Er über die Dinge, die das Reich Gottes betreffen. Das Reich Gottes ist ein wichtiger Gegenstand, zu dem ich hier nur einige Andeutungen machen kann. Das Reich Gottes ist der Bereich auf der Erde, auf den sich die Herrschaft des im Himmel weilenden Königs erstreckt. Es befindet sich dort, wo die Dinge in geistlicher Hinsicht nach Gottes Gedanken geordnet sind. Das Reich Gottes ist nicht dasselbe wie "Kirche" oder "Versammlung"; denn das griechische Wort für "Versammlung" –"ekklesia" – bedeutet "Herausgerufene, Versammlung". Nicht einige wenige Gläubige bilden die Versammlung, sondern alle Kinder Gottes. Sie bilden zusammen die wahre Kirche.

Nun, die Kirche oder Versammlung Gottes hat als Grundgedanken Gemeinschaft und Einheit. Aber der Gedanke des ReichesGottes ist ein anderer, nämlich Regierung. Ein sehr geschätzter Ausleger hat einmal gesagt: "Ich setze an die Stelle von Reich' das Wort Regierung', und dann wissen wir, worum es sich handelt." Es mag sein, dass dieselben Personen die Kirche wie auch das Reich bilden bzw. im Reich sind. Zu Anfang war es so. Aber es ist ein ganz anderer Gedanke, ob es nämlich um Regierung, wie im Reich, oder um Einheit geht, wie es beim Leib Christi der Fall ist.

Das Reich Gottes ist heute nur in einer verborgenen Gestalt vorhanden. Die sichtbare Form des Reiches ist noch zukünftig. Wenn der Herr in Macht und Herrlichkeit vom Himmel wiederkommen wird, dann wird Er sichtbar das so genannte "tausendjährige Reich" hier aufrichten. Das ist dann das "Reich Gottes" in seiner sichtbaren Gestalt. Das Reich Gottes besteht heute schon auf der Erde, jedoch nicht in Macht, sondern als Geheimnis. Es ist effektiv da, und jeder, der von neuem, der aus Wasser und Geist geboren ist, gehört zu diesem Reich. Der Gedanke des Reiches Gottes ist umfassender als der Gedanke des Reiches der Himmel. Beim Reich der Himmel geht es sehr oft um eine Haushaltung oder Epoche, während das Reich Gottes mehr ein sittlicher Begriff ist. Vergleiche Römer 14, 17: "Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geiste." Das macht deutlich, dass das Reich Gottes ein sittlicher Bereich ist, wo sich Herzen Gott unterwerfen und das tun, was Er möchte.

Der Herr Jesus sprach also über die Dinge, die das Reich Gottes betreffen. Auch Paulus hat das getan, aber in der Apostelgeschichte finden wir den Begriff "Reich der Himmel" nicht, wie er überhaupt nur im Matthäus–Evangelium vorkommt. Paulus hat nachdem Christus, der König, verworfen worden war, nicht das Reich der Himmel gepredigt, denn es hätte, was seine äußere Darstellung angeht, eine böse Sache sein können. In der Tat ist heute das Reich der Himmel in dieser Hinsicht eine gemischte Sache geworden, wo echte und unechte Bekenner nebeneinander sind. Es ist wahr, dass auch "Reich Gottes" manchmal diese Bedeutung hat, aber im allgemeinen ist das Reich Gottes der Bereich auf Erden, wo Er herrscht und wo Er Seine Ansprüche geltend machen kann und jedes wahre Kind Gottes Ihn als Herrn über sich anerkennt.

Die Verheißung des Vaters

Schließlich gibt der Herr den Jüngern noch einen wichtigen Befehl. Sie, die Elfe, sollten in Jerusalem bleiben und dort auf die Verheißung des Vaters warten. Was ist damit gemeint? Nun, Er spricht von dem Herabkommen des Heiligen Geistes als Person auf die Erde. Die Jünger sollten sich nicht aus Jerusalem entfernen, bis die Verheißung ihres himmlischen Vaters eingetroffen sei. Übrigens haben wir sehr ähnliche Worte am Ende des Lukas Evangeliums. Lukas beginnt in der Apostelgeschichte da, wo er im Evangelium aufhörte. Der Startpunkt in der Apostelgeschichte ist der Tod, die Auferweckung und Himmelfahrt Christi, und dies ist auch der Endpunkt des Evangeliums.

So wichtig ist also das Kommen des Heiligen Geistes, dass es ohne dieses keine Kirche gäbe. Die Jünger sollten warten, bis das Ereignis eintraf. Dieser Zustand, in dem die Jünger damals waren, kann nie wieder eintreten – das sei ganz deutlich gesagt. Nie wieder kann es Menschen auf der Erde geben, die um den Heiligen Geist beten oder auf Ihn warten sollen, denn Er ist längst gekommen. Hier war eine Zeit, nachdem das Werk vollbracht und der Herr im Himmel war, in der sie warteten, und zwar insgesamt zehn Tage, bis die Verheißung des Vaters eintraf.

" . . . denn Johannes taufte zwar mit Wasser" – die Taufe zur Buße; jeder, der seine Sünden bekannte, war zu ihm zum Jordan gegangen, um sich von ihm taufen zu lassen, – "ihr aber" – ihr Jünger, ihr Gläubigen – "ihr aber werdet mit Heiligem Geiste getauft werden nach nunmehr nicht vielen Tagen. " So haben die Jünger denn gewartet und das Herabkommen des Heiligen Geistes am Tag der Pfingsten erlebt. Die Taufe mit Heiligem Geist indes war einmalig und kann nie wiederholt werden, weil der Leib Christi nicht immer wieder neu gebildet wird. Menschen, die heute durch den Glauben von neuem geboren werden, empfangen auch den Heiligen Geist, sie werden mit Ihm versiegelt, aber das wird nicht direkt "Taufe" genannt.

Wie es nach den Gedanken Gottes eine bestimmte Zeit gab, zu der Gott, der Sohn, auf diese Erde kam, so gab es auch eine bestimmte Zeit, zu der Gott, der Heilige Geist, auf die Erde kommen sollte, um in den Gläubigen Wohnung zu nehmen und sie mit Kraft auszurüsten. Und wie der Herr Jesus zu Bethlehem in Erfüllung der alttestamentlichen Schriften geboren wurde, so würde auch der Heilige Geist genau am Tag der Pfingsten in Erfüllung der Vorbilder von 3.Mose 23 auf diese Erde kommen –"nach nunmehr nicht vielen Tagen".

Zusammenfassung

Fassen wir das bisher Betrachtete noch einmal kurz zusammen:

Dieses Buch zeigt uns die Tätigkeit des auferstandenen Christus, der vom Himmel her in Menschen auf der Erde wirkt, und zwar durch den Heiligen Geist.

Er selbst hat den Heiligen Geist immer besessen, auch in Auferstehung. Das ist ein Bild davon, was auch wir erfahren werden, wenn wir die Auferstehung erleben werden.

Wir haben gesehen, dass Er Sich in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt hat, damit der Glaube der Jünger gefestigt würde. Er ist ein lebendiger Mensch, ein lebender Christus im Himmel; denn als solcher fuhr Er empor in den Himmel.

Ehe Er aber in den Himmel fuhr, sagte Er den Jüngern, dass die Verheißung des Vaters, der Heilige Geist, auf sie kommen würde. Johannes zwar taufte mit Wasser zur Buße; der Sohn Gottes aber würde sie als auferstandener und aufgefahrener Mensch mit Heiligem Geiste taufen (Joh 1, 33). Sie würden Kraft bekommen und Seine Zeugen sein bis an das Ende der Erde. Das ist genau das, was auch wir heute noch sein sollen – Zeugen Seiner Auferstehung in der Kraft des Heiligen Geistes.

Apostelgeschichte 1, Verse 6–11: Die Himmelfahrt des Herrn

"Sie nun, als sie zusammengekommen waren, fragten ihn und sagten: Herr, stellst du in dieser Zeit dem Israel das Reich wieder her? Er sprach aber zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seine eigene Gewalt gesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und als er dies gesagt hatte, wurde er emporgehoben, indem sie es sahen, und eine Wolke nahm ihn auf von ihren Augen hinweg.

Und wie sie unverwandt gen Himmel schauten, als er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißem Kleide bei ihnen, welche auch sprachen: Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet hinauf gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird also kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel (Apg 1, 6–11).

Kirchengeschichte – von Gott geschrieben

Wir haben bereits gesehen, dass die Apostelgeschichte ein von Gott inspirierter Bericht über die Geschichte der frühen Kirche ist. Es hat bis heute viele Kirchengeschichten gegeben, und viele Schreiber haben versucht, eine Darstellung der Geschichte der christlichen Kirche zu geben, aber diese hier ist absolut zuverlässig, sie hat Gott selbst zum Verfasser. Wir haben gesehen, dass es nicht so sehr eine Geschichte von Aposteln ist, sondern dass die Taten des Heiligen Geistes geschildert werden, der, am Tag der Pfingsten auf die Erde gekommen, in gläubigen Menschen, Menschen wie wir, wirkt zur Verherrlichung des Herrn Jesus im Himmel. Wir hatten uns auch daran erinnert, dass das Wort aus dem 1. Johannesbrief, das wir unseren Betrachtungen über die Apostelgeschichte voranstellten, "von Anfang", hohe Beachtung verdient. "Ihr", – so haben wir aus dem Johannesbrief gelesen, "ihr", die Kinder Gottes", was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch" (l. Joh 2, 24).

Wenn wir die Gedanken Gottes über etwas erfahren wollen, dann dürfen, dann müssen wir zum Anfang der Sache zurückgehen. Wenn wir wissen wollen, was die Kirche Gottes in Seinen Gedanken ist, dann müssen wir nicht das heutige Bild anschauen, wie es sich uns darbietet, sondern müssen zu ihrem Anfang zurückgehen, wie die Apostelgeschichte ihn zeigt. Darin liegt gerade der Wert dieses Buches.

In gewissem Sinn ist die Apostelgeschichte das Muster, das Gott uns von Seiner Kirche zeigt, so wie einst Mose auf dem Berg bei Gott war und dort das Muster der Stiftshütte gezeigt bekam und Gott ihm dann sagt: "Siehe, dass du alles nach dem Muster machest, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist" (Heb 8, 5). So ist auch die Kirche nach einem ganz bestimmten "Muster" gemacht, das hier niedergelegt ist, wenn auch nicht der Lehre nach. Die Lehre über die Kirche, die Versammlung Gottes, finden wir nicht in der Apostelgeschichte. Sie ist in den Briefen des Apostels Paulus niedergelegt. Hier aber finden wir die Geschichte der christlichen Kirche. Wir sehen die Sache selbst, und es ist voller Belehrung und Freude, darüber nachzudenken, wie Gott die Dinge ursprünglich geschaffen hat und wie sie ihren Fortgang nahmen, wie das christliche Zeugnis auf der Erde eingepflanzt wurde und wie Gott die Dinge leitete.

Wir können sicher sein, dass, wenn wir ein wenig weiter dieses Buch betrachten, wir sehr, sehr wichtige Hinweise für uns heute finden werden. Manches wird uns beschämen, denn wir haben viel von der Frische der ersten Christen verloren, daran gibt es keinen Zweifel. Wenn wir sehen wollen, wo wir stehen, müssen wir uns nicht miteinander oder mit uns selbst vergleichen. Das gerade aber macht der Mensch so gerne. Er vergleicht sich mit anderen Menschen oder mit sich selbst. Und dabei schneidet er dann so schlecht nicht ab. Nein, wir müssen uns mit dem Zustand zu Anfang vergleichen. Deswegen: "Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch." Unsere Sicherheit ist darin begründet, dass wir das festhalten, was Gott von Anfang gesagt hat.

Nun ist das erste Kapitel der Apostelgeschichte eigentlich noch nicht ein Bericht über die Kirche, die Versammlung Gottes, denn – ganz einfach – sie bestand noch nicht. Erst im zweiten Kapitel kommt der Heilige Geist auf die Erde, und dadurch wurde die wahre Kirche gebildet. Dennoch ist das Kapitel, das wir jetzt vor uns haben, sehr wichtig, und wir müssen es, da es in sich eine Einheit bildet und einen gewissen Übergang darstellt, kennen, um somit das Handeln Gottes in der Versammlung besser zu erfassen.

Der Heilige Geist – eine PERSON

Wir haben gesehen, was die Grundlage wahren Christentums ist: dass Christus gelitten hat, dass Er am Kreuz gestorben, dass Er auferstanden und gen Himmel gefahren ist. Die Auferstehung des Herrn ist durch viele sichere Kennzeichen attestiert und durch zuverlässige Zeugen bestätigt worden. Ehe Er von ihnen ging, sprach Er von der Verheißung des Vaters, was sich auf das Herniederkommen des Heiligen Geistes auf die Erde bezieht. Es gäbe kein wahres Christentum, keine Kirche Gottes, wenn der Heilige Geist nicht gekommen wäre. Wenn Er nicht auf die Erde gekommen wäre und die Gläubigen "zu einem Leibe getauft" hätte, wären die Gläubigen nur eine Ansammlung von Einzelpersonen, aber es gäbe nicht den Leib Christi.

Ich möchte zuerst jedoch noch auf einige Punkte eingehen, über die – selbst bei Kindern Gottes – oft viel Unklarheit besteht. Zuerst sei betont, dass der Heilige Geist eine Person der Gottheit ist. Er ist nicht nur ein Einfluss oder eine Einflussgröße oder Kraftquelle. Das ist der Heilige Geist auch, aber Er ist mehr als das: eine Persönlichkeit, eine Person der Gottheit. Das Christentum ist gekennzeichnet durch die volle Offenbarung der Gottheit. Sie ist im Alten Testament nicht vollkommen enthüllt, aber im Neuen Testament sehen wir nicht nur, dass Gott ein einiger Gott ist –Gott ist einer (l. Tim 2, 5), es gibt nur einen Gott, nicht hundert und nicht drei Götter –, sondern dass Er Sich in drei Personen geoffenbart hat: Gott, der Vater, Gott, der Sohn, und Gott, der Heilige Geist. Von dieser Person reden wir jetzt, von Gott, dem Heiligen Geist. Er ist nicht nur eine göttliche Kraft.

Der Geist war noch nicht da

Noch ein wesentlicher Punkt: Zu dem Zeitpunkt, an dem wir jetzt bei unserer Betrachtung stehen, war der Geist "noch nicht da", wie es in Johannes 7, Vers 39, heißt: "Noch war der Geist nicht da." Wie ist das zu verstehen? Hatte Gott, der Heilige Geist, etwa damals noch nicht existiert, als der Herr Jesus von den "Strömen lebendigen Wassers" sprach? Natürlich hat Er existiert. Gott ist immer Gott und war immer Gott und ist der Ursprung von allem. Nur Er selbst hat keinen Ursprung. Auch der Heilige Geist ist absolut Gott. Aber wenn die Heilige Schrift sagt, dass der Geist noch nicht da war, dann wird uns sogleich die Erklärung gegeben: "weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war." Das macht sofort klar, was gemeint ist. Der Heilige Geist war noch nicht als PERSON, in Menschen wohnend, auf der Erde. Bei allen Werken Gottes war stets der Geist Gottes beteiligt. Schon im ersten Buch der Bibel steht: "Der Geist Gottes schwebte über den Wassern" (l. Mose 1, 2). Auch als es um die Schöpfung ging, hatte der Heilige Geist aktiven Anteil.

Wenn gesagt wird, dass Er "noch nicht da" war, dann bedeutet das nicht, dass Er noch nicht wirksam war. Er war immer wirksam. Er war wirksam in den alttestamentlich Gläubigen, und Er ist heute in den Gläubigen wirksam. Auch wirkt Er an den Ungläubigen und will sie zur Buße führen. Der Ausdruck bedeutet, dass Er noch nicht als eine Person auf der Erde wohnte. Diese Erklärung ist kostbar und einfach zugleich: Ehe das Werk der Erlösung vollbracht war, konnte der Heilige Geist nicht auf der Erde wohnen. Als Christus kam, wohnte Er hier – Er "zeltete", was der griechische Ausdruck in Johannes 1, Vers 14, bedeutet, "unter uns. Etwa dreiunddreißig Jahre lang war der Sohn Gottes hier und wohnte, "zeltete", unter uns. Wunderbare Gnade!

Als Er dann gen Himmel gefahren war, sandte Er von dorther die Verheißung des Vaters auf die Gläubigen, wodurch die Versammlung, der Leib Christi, gebildet wurde. Seit jenem Moment wohnt der Heilige Geist in Menschen, in der Kirche korporativ (l. Kor 3, 17) und in den einzelnen Gläubigen individuell (l. Kor 6, 19).

Du sagst: "Ich fühle das nicht." Nun, ich auch nicht. Hast du je gefühlt, dass dir deine Sünden vergeben sind? Es ist eben nicht eine Sache des Gefühls, sondern des Glaubens, der sich nach den göttlichen, unsichtbaren Dingen ausstreckt und sie erfasst. Kinder Gottes glauben das, weil Gottes Wort es sagt. Wir fühlen nicht, dass der Geist Gottes in uns wohnt, doch wir wissen es, weil Gott uns in Seinem Wort versichert, dass diejenigen, die das Wort der Wahrheit, das Evangelium ihres Heils, nicht allein gehört, sondern auch geglaubt haben, mit dem Heiligen Geist der Verheißung versiegelt worden sind (Eph 1, 13). Darauf stützt sich der Glaube, nicht auf augenblickliche Empfindungen, wenngleich gerne zugegeben wird, dass der Heilige Geist in unserem Inneren auch Gefühle, heilige, glückliche Empfindungen hervorruft; aber das ist etwas anderes, als sich darauf zu stützen.

Halten wir also fest: Der Geist Gottes ist eine Person der Gottheit, ist Gott selbst. Er konnte noch nicht auf der Erde wohnen, solange Christus nicht die Erlösung und Sühnung bewirkt hatte und als Beweis davon in den Himmel aufgenommen wurde.

Was der Heilige Geist nicht ist

Aber auf noch etwas Wichtiges sei hingewiesen, weil man – auch unter Kindern Gottes – soviel Unklarheit über diesen wichtigen Gegenstand antrifft. Der Geist Gottes wird oft verwechselt mit Gaben des Geistes. Es gibt Geistesgaben, das heißt Gaben, die der Geist verleiht. Durch diese Gaben wird die Kirche auferbaut. Der Ursprung dieser Gaben ist der Heilige Geist. Er bewirkt sie, aber sie sind nicht dasselbe wie der Heilige Geist selbst. Eine Gabe vom Geist zu haben ist nicht der Geist selbst. Der Geist ist Person, ist Gott wie der Vater und der Sohn.

Noch ein Unterschied: Das neue Leben, das wir in der Wiedergeburt empfangen haben, ist wohl "Geist, ist aber nicht der Geist. Der Geist Gottes bewirkt die Wiedergeburt, so dass der Herr Jesus zu Nikodemus vom Geborenwerden aus "Wasser und Geist" spricht (Joh 3, 5). Und dann fügt Er hinzu: "lhr müsset von neuem geboren werden" (Vers 7). Nun, das gilt auch uns allen heute. Wer noch nicht von neuem geboren ist, wer noch keinen geistlichen Geburtstag hatte, der geht, wenn er in diesem Zustand bleibt, ewig verloren. Deswegen sagt der Herr Jesus: "Ihr müsset" –nicht: "ihr könnt euch überlegen, ob ihr es wollt oder nicht", nein – "ihr müsset von neuem geboren werden." Und dann erklärt Er, was es bedeutet, "aus Wasser und Geist geboren" zu werden: Der Geist Gottes wendet das Wort Gottes – von dem das Wasser ein Bild ist – an, um durch dieses die Bekehrung zu bewirken, so dass der Mensch vor Gott Buße tut, vor Ihm sich zerbricht und seine Sünden bekennt und dann zum Glauben an den Erlöser geführt wird.

Dieses Neue kommt niemals aus dem Menschen hervor, sondern der Heilige Geist bewirkt es. Er will es bei jedem bewirken. "Der Wind weht, wo er will", sagt der Herr Jesus in Johannes 3, Vers 8. (Das griechische Wort bedeutet sowohl "Wind" als auch "Geist".) Er will die Menschen überall und zu, jeder Zeit erreichen. Beachten wir: Niemand ist von seiner natürlichen Geburt her ein Kind Gottes. Du sagst vielleicht, dass deine Eltern sehr fromm waren, stets in die Kirche gingen. Es ist sehr viel wert, solche Eltern zu haben, aber dadurch hast du das Verhältnis als Kind Gottes nicht geerbt.

Man kann das neue Leben nicht ererben. Du musst selbst eine neue Geburt erleben. So wie man durch die natürliche Geburt ein Kind der menschlichen Eltern wird, so wird man durch die neue Geburt ein Kind Gottes. Das wird man, man ist es nicht einfach.

Durch das eben Gesagte sollte klargemacht werden, dass die neue Geburt durch den Geist bewirkt wird, selbst aber nicht der Geist ist. Wir müssen das unterscheiden.

Noch ein dritter Punkt zu der Frage, was der Geist nicht ist: Er ist auch nicht das Auferstehungsleben. Hier in Apostelgeschichte 1 waren nur wenige Tage vergangen, seitdem der Herr Jesus im Obersaal den Jüngern Seinen Odem eingehaucht hatte. Dort heißt es: "Und als er dies gesagt hatte, hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget Heiligen Geist!" (Joh 20, 22). Viele haben gemeint, dass die Jünger dort den Geist Gottes bekommen hätten. Nein, vor Apostelgeschichte 2 gab es den Geist Gottes als Person noch nicht auf der Erde. Der Herr Jesus hauchte damals den Jüngern Sein Leben in Auferstehung ein und stellte sie damit jenseits des Todes und aller Macht des Todes. Er gibt ihnen Sein eigenes Leben, das Leben in Auferstehung, und sagt: "Empfanget Heiligen Geist!" Warum aber nennt Er es "Heiligen Geist", wenn es doch nicht die Person selbst war? In dem neuen Leben, dem Auferstehungsleben des Herrn, das der wahre Christ besitzt, ist der Heilige Geist die Kraft, die alles bewirkt, so dass dieses Leben durch den Geist Gottes gekennzeichnet ist. Insofern gilt hier das Wort des Herrn: "Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist" (Joh 3, 6).

Es sollte damit vorgestellt werden, was der Heilige Geist nicht ist, um desto deutlicher zu sehen, was Er ist. Er ist nicht nur ein Einfluss – den übt Er natürlich aus –, sondern Er ist eine Person. Gerade in der Apostelgeschichte finden wir dann, dass der Heilige Geist zu Menschen, zu Seinen Knechten spricht. Bei Ananias und Sapphira sehen wir, dass sie den Heiligen Geist belogen haben (Kap. 5, 3). Man kann einen Einfluss nicht belügen, sondern nur eine Persönlichkeit. Wir werden diese eben angedeuteten Dinge bei der Betrachtung der Apostelgeschichte wieder finden – nicht lehrmäßig, sondern geschichtlich, praktisch und anschaulich.

Kein "Licht–Leib"

Wir haben uns schon damit beschäftigt, wie ungemein groß es ist, dass der Herr Jesus in Auferstehung Derselbe geblieben ist. Er hat Sich nicht verändert. Er hatte zwar einen neuen, oder besser, einen verwandelten Leib, aber Er selbst war und ist Derselbe.

Manche behaupten nun, Er habe in Auferstehung einen "Astral Leib" angenommen. Doch was soll das? Es sind Erfindungen des menschlichen Geistes. Es taugt nie etwas, wenn wir mit unserem Verstand gewisse Ableitungen von Gott und den göttlichen Dingen machen. Das ist stets gefährlich und führt leicht zum Irrtum. Der Herr Jesus hatte als der Auferstandene keinen "Astral–" oder "Licht–Leib", sondern einen Leib von Fleisch und Bein.

Lukas schreibt in seinem Evangelium (Kap. 24, 39.41–43), dass der Herr Jesus am Tag Seiner Auferstehung gesagt habe: "Sehet meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin, betastet mich und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, dass ich habe." Als sie immer noch nicht glauben wollten, heißt es weiter: "Habt ihr hier etwas zu essen? Sie aber reichten ihm ein Stück gebratenen Fisch und von einer Honigscheibe; und er nahm und aß vor ihnen." Er musste nicht essen, wenn Er wollte, konnte Er jedoch essen. Warum sollte Er das nicht tun, wenn Er ihnen zeigen wollte, dass ER es selbst war, der mit ihnen redete?

"Bein" ist ein alter Ausdruck der deutschen Sprache und meint ..Knochen". Der Herr Jesus besaß den Auferstehungsleib, und mit diesem Leib konnte Er durch die Türen gehen, als sie aus Furcht vor den Juden verschlossen waren (Joh 20, 19). Über diesen Auferstehungsleib können wir nicht viel sagen, denn was verstehen wir schon davon? Gott hat uns einige Hinweise gegeben. Dabei wollen wir es bewenden lassen und nicht darüber hinausgehen. Aber wir können bewundernd feststellen: Er hatte einen Leib, den man betasten konnte, mit dem Er aber auch durch geschlossene Türen zu gehen vermochte. Johannes, dieser geliebte Jünger des Herrn, schrieb in seinem ersten Brief, Kapitel 1, Vers 1: ". . . was unsere Hände betastet haben".

Man konnte Ihn auch in Seinem Auferstehungsleib anrühren, so wie vorher. Er war und blieb ein Mensch und ist zugleich immer Gott. Kannst du das verstehen? Wir werden es nie verstehen. Es ist ganz ein Gegenstand des Glaubens. In einem Lied singen wir so zutreffend:

Kein Mensch dies Wunder fassen kann,

kein Engel kann's verstehen,

der Glaube schaut's und betet an,

bewundert, was geschehen.

Drum sei Dir unser Lob geweiht,

denn Dir, dem Herrn der Herrlichkeit,

Lob, Ehr' und Ruhm gebühren.

Fragende Jünger

Es war eine Übergangsperiode, und das Kostbare daran ist, dass der Herr Jesus, ehe der Geist auf die Erde kam, noch vierzig Tage auf der Erde war und bei verschiedenen Gelegenheiten mit Seinen Jüngern zusammentraf und mit ihnen redete.

"Sie nun, als sie zusammengekommen waren, fragten ihn . . . " Wie lieblich ist das! Zeigt es uns doch, dass die Beziehungen zwischen dem Herrn Jesus und Seinen Jüngern unverändert waren. Er redete mit ihnen, und sie durften Ihn fragen. Hier sei eine kleine praktische Bemerkung gestattet. Es ist immer zum Segen, wenn wir wirkliche Fragen haben, wenn der Geist Gottes in uns Fragen hervorrufen kann. Es gibt Christen, die kaum eine Frage haben.

Das zeigt, dass sie sich nicht viel mit der Schrift beschäftigen. Wer sich mit Gottes Wort beschäftigt, muss zwangsläufig Fragen haben. Wir verstehen alle sehr wenig von Gottes Wort, und je mehr man in Gottes Wort forscht, desto mehr sieht man, wie groß alles ist und wie wenig man davon erfasst hat; und so müssen Fragen kommen.

Die Jünger hatten Fragen, und sie hatten die Freimütigkeit, sie zu stellen. Der Herr war in Seinem Auferstehungsleib nicht fortwährend bei ihnen, sondern gab Sich ihnen nur hin und wieder zu erkennen. Bei einer solchen Gelegenheit fragten. sie Ihn. Wir Brüder, wir Christen, sind leicht geneigt, über eine etwas einfältig klingende Frage zu lächeln. Das ist nicht gut. Hüten wir uns davor, einen Fragesteller mitleidig mit einem Lächeln zu bedenken! Wenn jemand eine ehrliche Frage hat, dann ist es das Ergebnis der Wirksamkeit des Geistes. Wenn wir ehrlich genug sind und sagen, dass wir etwas nicht verstehen, haben wir schon viel gewonnen. Wir dürfen nicht auf dem Standpunkt stehen: Ich weiß alles, ich brauche nicht zu fragen. Dann werden wir so unbelehrt, so unverständig bleiben, wie wir es sind, und wir werden nie viel dazulernen. Lasst uns besser zugeben, dass wir hier und da Lücken, vielleicht sogar große Lücken haben. Wenn wir darüber nachdenken, dann werden wir Lücken genug bei uns entdecken. Doch selbst das Wenige, das wir verstehen, macht uns schon über die Maßen glücklich.

"Herr, stellst du in dieser Zeit dem Israel das Reich wieder her?" Diese Frage zeugt nicht von tiefem Verständnis über das, was der Meister ihnen bisher gesagt hatte. Er hatte doch zu ihnen von dem Reich Gottes gesprochen, das nun auf der Erde aufgerichtet werden würde, zwar noch nicht in Macht und Herrlichkeit, aber in einer verborgenen, geistlichen Gestalt. Dennoch fragen sie. Und das war gut so.

Wenn uns jemand etwas fragt oder wenn wir zusammen das Wort betrachten und jemand eine Frage hat, dann lasst uns nie, auch wenn die Frage noch so einfältig klingt, über sie hinweggehen. Das tut der Herr Jesus auch nicht. Ein sehr geschätzter Ausleger der Schrift hat einmal gesagt: "Der Wert liegt nicht so sehr in der Frage, die jemand stellt, sondern in der Antwort, die der Herr Jesus gibt." Auch in der Antwort des Herrn vor uns liegt viel Belehrung – auch für uns heute.

Wenn wir ein wenig das Leben des Herrn Jesus kennen, wie es uns die Evangelien schildern, wissen wir auch, dass die Jünger Ihn praktisch nie verstanden haben. Und wenn Er sie fragte: "Habt ihr dies alles verstanden?", sagen sie kühn zu Ihm: Ja, Herr" (Mt 13, 51). Sie waren von ihrem Verständnis ziemlich überzeugt, und Er lässt sie in Seiner Gnade bei dieser Überzeugung. Er sagt nicht: "Ihr habt überhaupt nichts verstanden." Das hätte Er durchaus sagen können, es wäre die Wahrheit gewesen. Einmal hat Ihn jemand auf Erden wirklich verstanden. Das aber war kein hervorragender Apostel, sondern eine schlichte Frau, Maria von Bethanien. Sie war in Seine Gedanken eingetreten, als Er von Seinem Tode sprach, und dann salbte sie Ihn zum Begräbnis zur passenden Zeit. Sonst aber hören wir kaum von jemand, der in die Gedanken Seines Herzens eingetreten ist.

Die Wiederherstellung des Reiches für Israel

Die Frage der Jünger zeugt davon, dass sie noch immer in ihrem Geist mit dem sichtbaren Reich Gottes in Israel beschäftigt waren. Ihre Herzen waren noch jüdisch. Es ist offenbar, dass an dieser Stelle nicht von der christlichen Form des Reiches die Rede ist, in das die Gläubigen durch die Macht des Geistes versetzt sind. Die Jünger wünschten vielmehr, das sichtbare Reich bald aufgerichtet zu sehen.

Hier möchte ich eine kleine Parallele zur Gegenwart ziehen. Wir kennen viele Kinder Gottes, die viel, die vorzugsweise mit dem heutigen Israel beschäftigt sind. Sie haben einfach noch nicht verstanden, dass Israel als Volk Gottes augenblicklich beiseitegesetzt und "Lo-Ammi ... .. Nicht–mein–Volk" (Hosea 1, 9) auf sie geschrieben ist. Manche meinen, dass Israel heute eine Vorrangstellung in der Verkündigung des Evangeliums habe; andere, dass man ihnen keinen gekreuzigten Christus, sondern das Alte Testament predigen solle. Alle diese Ansichten kann man heute hören, doch sie sind falsch; denn es gibt nur einen Weg zu Gott, und das ist Christus.

Viele erwarten immer noch das Heil aus den Juden, doch in Wahrheit ist das Heil aus den Juden längst gekommen: der Herr Jesus. Er ist das Heil Gottes, und Er kam, dem Fleische nach, aus den Juden. Israel jedoch hat Ihn verworfen und wird Ihn erst im Gericht sehen, nicht eher. Manche Kinder Gottes sehen in dieser Sache nicht klar und schwärmen von Israel in seiner heutigen Form. Es werden große Reisen nach Israel organisiert mit Kibbuz Besuch, große Sammlungen werden veranstaltet und so weiter. Das alles ist sehr ungesund, denn man vergisst, dass dieses Volk im Unglauben verharrt und nach wie vor den Herrn Jesus als Herrn und Christus ablehnt.

Israel wird noch durch sehr ernste Zeiten gehen müssen, durch die Zeit der Drangsal Jakobs. Wenn also Israel als Volk aufrechterhalten wird, dann deswegen, weil Gott sie in ihrem eigenen Land ins Gericht bringen wird, dort, wo sie den Herrn der Herrlichkeit ans Kreuz geschlagen haben. Sie hatten gesagt: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder (Mt 27, 25), und gerade das ist geschehen und wird noch geschehen. Wir, die wir aus den heidnischen Völkern kommen, sind ebenfalls mitschuldig, denn auch die Römer hatten ihren Anteil bei der Kreuzigung. Wir brechen über niemanden den Stab, aber wir wollen die Dinge dort lassen, wo Gott sie hingestellt hat.

Nun, "stellst du in dieser Zeit dem Israel das Reich wieder her?" Die Jünger hatten verfrühte Erwartungen über das Reich in Herrlichkeit, und der Herr muss das korrigieren. Wir finden das auch in Lukas 19, Vers 11: "Während sie aber dieses hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war, und sie meinten, dass das Reich Gottes alsbald erscheinen sollte." Dann folgt unmittelbar das Gleichnis von dem hochgeborenen Mann, der in ein fernes Land zog, um dort ein Reich zu empfangen. Auch damals hatten die Jünger gemeint: Jetzt kommt bald das Reich. Sie hatten noch nicht verstanden, dass der Herr gesagt hatte: "Sie werden mich töten und ans Kreuz heften. Mein Reich kommt wohl, aber es kommt nicht jetzt." Auch zu Pilatus hatte Er gesagt: Jetzt aber ist mein Reich nicht von hier. Du sagst es, dass ich ein König bin" (Joh 18, 36–37). Der Herr Jesus sagte nicht, dass es kein sichtbares Reich auf Erden geben oder dass Er keins hier haben werde, aber es war jetzt nicht von dieser Welt.

In Apostelgeschichte 3 verkündet Petrus den Juden, dass die "Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge" kommen würden. Es wird eine Zeit geben, wo Er alle Dinge im Himmel und auf Erden wieder in Ordnung bringen wird, aber sie ist noch zukünftig. Das Reich wird dem Israel wiederhergestellt werden, es ist jedoch nicht offenbart, wann. Zuvor jedoch wollte Er etwas Neues schaffen. Er wollte die Versammlung gründen, die Kirche Gottes, die weit höhere Bestimmungen und Segnungen hat als Israel.

Zeiten und Zeitpunkte

Es gibt noch eine weitere Stelle, aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 27, Vers 6, die in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben sollte: "In Zukunft wird Jakob Wurzeln schlagen, Israel blühen und knospen; und sie werden mit Früchten füllen die Fläche des Erdkreises." Das ist kein Wort auf die gegenwärtige Zeit, wenn wir auch heute schon köstliche Früchte aus Israel in den Geschäften kaufen können. Der Herr spricht hier vielmehr von dem Reich späterer Tage. So sagt Er auch in unserem Abschnitt: "Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seine eigene Gewalt gesetzt hat." Beachten wir noch einmal: Der Herr sagt nicht, dass Er dem Israel das Reich überhaupt nicht wiederherstellen werde. Israel hat eine Hoffnung, aber nur, weil Christus auch für dieses Volk gestorben und die "Wurzel Davids" ist. Aber es war jetzt nicht ihre Sache, Zeiten – das bedeutet Epochen – oder Zeitpunkte – das sind fixierte Punkte – in der Geschichte der Wege Gottes mit den Menschen festzustellen. Der Vater hat sie in Seine eigene Gewalt gesetzt.

Einen ähnlichen Gedanken äußert der Herr in Markus 13, Vers 32, – eine Stelle, die manchmal etwas falsch gedeutet wird –: "Von jenem Tage aber oder der Stunde weiß niemand, weder die Engel, die im Himmel sind, noch der Sohn, sondern nur der Vater." Aus dieser Stelle hat man den Schluss gezogen, dass der Herr Jesus nicht gewusst habe, wie die Dinge sich entwickeln würden und wann die bestimmten Zeitpunkte für das erneute Handeln Gottes mit Israel kommen würden.

Das ist gewiss nicht der Sinn Seiner Worte. Der Herr Jesus ist Gott, der Sohn, und Er weiß absolut alle Dinge, wie Gott eben allwissend ist. Aber gerade im Markusevangelium stellt Sich der Herr Jesus als Diener vor, und als abhängiger Mensch sagt Er: ,.Nur mein Vater weiß von diesen Zeitpunkten; weder die Engel noch der Sohn wissen davon." Es geht hier überhaupt nicht darum, ob Er es als Gott weiß oder nicht weiß. Aber als der vollkommen abhängige Mensch überlässt Er das alles Seinem Vater, der zu Ihm durch den Mund des Propheten gesagt hat: "Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße" (Ps 110, 1). So vollständig nahm der Sohn Gottes in Seiner Gnade den Platz des Dieners ein, dass Er in Bezug auf zukünftige Ereignisse nicht über das hinausging, was Sein Vater mitgeteilt hatte. Wenn Sein Vater nichts über den Tag oder die Stunde gesagt hatte, so ließ auch Er es dabei und wartete, bis Sein Vater alles ausführen musste, was Er über den Sohn geredet hatte.

Der Vers in unserem Abschnitt und Markus 13, Vers 32, machen uns klar, dass wir keine Zeitberechnungen anstellen sollen und können bezüglich des Kommens des Herrn Jesus. Wir können sicher sein: Diese Berechnungen sind alle falsch. Um das Jahr 1000 n. Chr. hat man auch gemeint, dass Christus käme. Wer die Geschichte kennt, weiß, dass die ganze christliche Welt zu arbeiten aufhörte und es viel Durcheinander gab.

Wir können nicht Zeiten berechnen, die der Vater in Seine eigene Gewalt gesetzt hat. Wir sollten uns auch vor dem Gedanken hüten, dass der Herr erst im Jahr 2000 käme. Der Mensch rechnet gerne mit runden Zahlen. Nein, der Herr kann heute noch kommen, es müssen vorher keine geschichtlichen Ereignisse mehr erfüllt werden. Er hat gesagt: "Ich komme bald" (Off 22, 20). Die Entrückung ist nicht mit Zeitpunkten verbunden. Anders verhält es sich, wenn es um das Kommen des Herrn Jesus zum Gericht und zur Aufrichtung Seines Reiches auf der Erde geht. Dann sind sehr deutliche Punkte festgelegt. Zum Beispiel muss der Feigenbaum – Israel – zuerst ausschlagen. Und dann sagt die Schrift auch, dass der Tag des Herrn für die Welt wie ein Dieb in der Nacht kommt (l. Thes 5, 2). Ein Dieb aber kommt überraschend und unerwartet. Der Sohn des Menschen wird in einer Stunde kommen, in der Er nicht erwartet wird.

Zuerst Verständnis, dann Kraft

"Aber ihr werdet Kraft empfangen." Mit diesem "aber" stellt der Herr nun einen Gegensatz her. Die Jünger waren mit Israel, mit dem irdischen Reich beschäftigt, doch Er skizziert nun meisterhaft, mit wenigen Worten, die Stellung wahrer Christen in der Zwischenzeit bis zu Seinem Kommen. "Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde." Das also ist die Kennzeichnung dessen, was unsere Stellung als Christen heute auf der Erde ist. Der Heilige Geist würde kommen – das finden wir dann in Apostelgeschichte 2 – und eine Kraftquelle in ihnen sein.

Hier sei noch auf etwas Wichtiges hingewiesen. Ehe der Herr Jesus den Jüngern durch die Sendung des Geistes vorn Vater Kraft gab, hatte Er ihnen inneres Verständnis gegeben. Ich habe schon ausgeführt, dass sie das Auferstehungsleben des Herrn Jesus erhalten hatten. Der bildliche Ausdruck davon war gewesen, dass Er in sie gehaucht hatte, Er, der "lebendigmachende Geist' (siehe 1. Kor 15, 45), und ihnen ein Leben in Ewigkeit geschenkt hatte, obwohl sie schon vorher göttliches Leben besaßen. Das sind Feinheiten, die wir jetzt nicht weiter verfolgen wollen. Aber sie besaßen noch keine Kraft. Das ist typisch für die Wege Gottes. Sein Wirken geht immer in diese Richtung: Er will zuerst Verständnis verleihen für uns selbst, ehe Er uns Kraft gibt für andere.

Das ist ein Grundsatz Gottes. Er gibt uns zuerst Licht und das neue Leben, das immer mit Einsicht in die Gedanken Gottes verbunden ist. Man kann sagen, dass mit dem neuen Leben ein gewisses Verständnis, eine geistliche Intelligenz verbunden ist, wenn ich das einmal so formulieren darf.

Seine Zeugen

Seine Jünger würden Seine Zeugen sein. Diese Worte erklären auch unsere Stellung mit göttlicher Präzision und unaussprechlicher Gnade. Wir wollen uns alle einmal die Frage vorlegen, ob wir der Berufung des Herrn, Seine Zeugen zu sein, gerecht werden. Christus ist nicht mehr auf dieser Erde. Er ist verworfen worden und gen Himmel gefahren, aber wir sind hier, und Er möchte, dass wir in der Zeit Seiner Verwerfung Seine Zeugen sind in Wort und Tat. Ohne den Heiligen Geist zu besitzen, wären wir jedoch nicht dazu in der Lage.

Wir sehen dann, dass die Jünger die zehn Tage, die noch bis zum Kommen des Heiligen Geistes vergingen, im Obersaal warteten. Sie hatten noch keine Kraft, um nach außen hin zu handeln. So war es gut, dass sie warteten. Wir aber dürfen wissen, dass wir den Heiligen Geist empfangen haben, wenn wir an Christus und Sein vollbrachtes Werk glauben. Das Empfangen des Heiligen Geistes nennt Gottes Wort die "Versiegelung mit dem Heiligen Geist' (Eph 1, 13) oder "die Salbung von dem Heiligen" (l. Joh 2, 20). Wer sich im Glauben auf das Werk von Golgatha stützt, empfängt den Geist Gottes als Siegel und Unterpfand.

Mannigfaltig sind die Ergebnisse davon, dass der Geist Gottes in uns wohnt. Er gibt uns die Fähigkeit, einander zu lieben. Er verleiht die Kraft, die uns befähigt, den Weg des Zeugnisses zu gehen. Der Geist Gottes macht uns bewusst, dass wir Kinder Gottes sind (Röm 8, 16). Wir hätten kein Bewusstsein der Gotteskindschaft und keinen Frieden mit Gott ohne den Geist Gottes. Wir könnten ohne Ihn auch nicht "beten im Heiligen Geiste" (Jud 20) und auch nicht "anbeten in Geist und Wahrheit" (Joh 4, 23). Das alles finden wir in der Apostelgeschichte, wohl nicht der Lehre, aber der Praxis nach. Das macht uns das Buch so wertvoll.

Noch einmal die Frage: Sind wir Zeugen für unseren verworfenen Herrn oder schämen wir uns des Herrn Jesus? Bist du vielleicht auch ein Jünger, eine Jüngerin des Herrn, aber aus Furcht vor den Menschen ein verborgener (Joh 19, 38)? Der Herr Jesus möchte, dass wir Ihn in der Kraft des Geistes bekennen. Das wird Feindschaft bringen, aber es macht glücklich. "Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde wird bekannt zum Heil" (Röm 10, 10).

Meine lieben jungen Freunde, die ihr noch in der Schule oder in der Ausbildung seid: Bekennt den Herrn Jesus da, wo ihr seid! Das wird euch Mut, Kraft und auch Freudigkeit geben und euch vor unzähligen Gefahren bewahren. Man ist übrigens nie glücklicher als dann, wenn man den Herrn Jesus bekannt hat und gewürdigt wird, ein wenig für Ihn zu leiden.

Anfangend von Jerusalem

Wo sollten die Jünger mit dem Zeugnis beginnen?. . . sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde." In Lukas 24, Vers 47, sagt der Herr Jesus sehr ähnliche Worte wie hier: " . . . allen Nationen, anfangend von Jerusalem." In den Augen Gottes war Jerusalem die schuldigste Stadt auf der ganzen Erde. Dort war Sein Sohn gekreuzigt worden. Ist es nicht ein Ausdruck der göttlichen Gnade, dass gerade in dieser Stadt mit der Verkündigung des Evangeliums von der Vergebung der Sünden begonnen werden sollte? Sie sollten in Jerusalem und nicht am Nordpol anfangen. Aber dann sollten sie nach Judäa, der Umgebung von Jerusalem, gehen. Dann nach Samaria. Samaria war ein Mischvolk, das jüdische und heidnische Elemente enthielt. Die Juden hielten sich von Samaria fern, weil es ein unreiner Ort war. Aber auch dort sollten sie das Evangelium verkünden und Seine Zeugen sein. Schließlich sollten sie bis an das Ende der Welt gehen. Der christliche Auftrag ist nicht auf Israel beschränkt, sondern er richtet sich an alle Menschen. Das ist die kostbare Weite des Evangeliums nach den Gedanken Gottes.

Vielleicht ist es an dieser Stelle nützlich, in einigen knappen Gedanken dieses wunderbare Evangelium Gottes zu charakterisieren, und zwar was seine Quelle, Kraft, Grundlage, seinen Inhalt und sein Endergebnis angeht:

Die Quelle des Evangeliums ist die Gnade Gottes. Die Kraft des Evangeliums ist der Heilige Geist.

Die Grundlage des Evangeliums ist das Kreuz Christi.

Der Inhalt des Evangeliums ist Christus, das ewige Leben. Das Ziel des Evangeliums ist, bei Christus in Herrlichkeit zu sein.

Das ist eine gesegnete Botschaft, die wir heute verkünden können und dürfen. Das Evangelium geht auch heute zu jedem Menschen aus, kommt auch zu dir und ladet dich in Liebe ein. Komm doch zum Heiland! Sei doch ehrlich genug zuzugeben, dass du dir den Himmel selbst nicht erwerben kannst. Der Herr Jesus schenkt Leben umsonst. Er schenkt die ewige Glückseligkeit dem, der mit seinen Sünden zu Ihm kommt, der bekennt, dass er ein verlorener Sünder ist, und der Ihm vertraut. Du kannst nie in den Himmel kommen, ohne den Herrn Jesus zu kennen und Ihn im Glauben aufzunehmen. Viele Menschen sprechen von dem "lieben" Gott, aber es gibt keinen "lieben" Gott, auch keinen "lieben" Heiland. Solche Ausdrücke finden wir nicht in der Heiligen Schrift. Gott ist Liebe, und Gott ist Licht. Aber der Ausdruck" lieber Gott" ist eine Erfindung des Menschen.

Gott ist gerecht, und Er hat Sich alles durch Seinen Sohn am Kreuz bezahlen lassen, der dort auch für dich war. Du darfst zu dem Gott der Liebe kommen. Er möchte dich unendlich glücklich machen, wie jedes Kind Gottes es jetzt schon ist. Willst du nicht gerne kommen? Du kannst aber nicht anders als über Christus, den Gekreuzigten, zu Ihm kommen.

In den Himmel aufgenommen

"Und als er dies gesagt hatte, wurde er emporgehoben, indem sie es sahen, und eine Wolke nahm ihn von ihren Augen hinweg."

Wunderbarer Vorgang, bei dem wir nicht genug verweilen können! Er hatte eben noch mit ihnen gesprochen, und auf einmal wurde Er ernporgehoben, immer höher, bis Ihn eine Wolke vor ihren Blicken verbarg. Es heißt hier sehr bedeutungsvoll: "indem sie es sahen ", oder: "indem sie zusahen ". Ich glaube, dass diese Ausdrucksweise zu der Annahme berechtigt, dass der Herr Jesus nicht blitzartig vor ihren Augen verschwand. Es scheint, dass Er langsam ernporgehoben wurde, denn sie konnten zusehen.

Wir haben im Alten Testament ähnliche Vorgänge. Elias fuhr im Sturmwind gen Himmel (2. Kön 2, 11), und Elisa, sein Nachfolger als Prophet, sah es und rief. "Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und seine Reiter!" (Vers 12). Elisa hat es also gesehen. Elias hatte ja gesagt: "Wenn du mich sehen wirst, wann ich von dir genommen werde, so soll dir also geschehen." Elias fuhr im feurigen Wagen gen Himmel, ein Bild vom Gericht. Das hat diesen Propheten immer charakterisiert. Bei Henoch war es anders. Von ihm lesen wir: " . . . und er war nicht mehr, denn Gott nahm ihn hinweg" (l. Mose 5, 24). Er wandelte dreihundert Jahre mit Gott, der ihn dann zu Sich nahm, ohne dass er den Tod sah. Erst im Neuen Testament wird dann gesagt, dass Henoch entrückt wurde (Heb 11, 5). Im Alten Testament lesen wir das nicht.

Hier bei dem Herrn ist das alles anders. Er war gestorben und mit einem Auferstehungsleib aus dem Grab hervorgekommen, und die Jünger sehen jetzt, nachdem sie Ihn betastet und mit Ihm gesprochen hatten, dass Er ernporgehoben wird in den Himmel. Wir können davon ausgehen, dass die Augen des Heilands in Liebe auf den Jüngern geruht haben, die Er dort zurückließ. In Lukas 24 lesen wir auch, dass Er die Hände aufgehoben und sie gesegnet hatte. Sie haben die Hände, die durchbohrt waren von den Nägeln, mit denen Er ans Kreuz geheftet war, noch einmal gesehen, als Er segnend von ihnen schied.

Im Alten Testament hat Aaron das Volk Israel segnen sollen und müssen (vgl. 4. Mose 6, 22–27). Er sollte auch die Hände über sie ausstrecken (vgl. 3. Mose 9, 22). Bei Aaron waren es jedoch keine durchbohrten Hände, denn er ist nicht für das Volk Gottes gestorben wie der Herr Jesus.

" ... und eine Wolke nahm ihn von ihren Augen hinweg." Ich glaube ganz sicher, dass diese Wolke keine Dunstwolke war, keine meteorologische Wolke, sondern die Wolke der Herrlichkeit Gottes. Es war dieselbe Wolke, die damals den Berg der Verklärung überschattete, jene lichte Wolke, von der wir lesen, dass Er und die beiden Männer in sie eintraten (Lk 9, 34). Es ist die Wolke der Gegenwart Gottes, die einst auch den Tempel Salomos erfüllte (l. Kön 8, 10). Diese Wolke, die von der Gegenwart Gottes spricht, nimmt Ihn von ihren Augen hinweg. Der Gedanke beglückt uns. In Hebräer 2 lesen wir, dass Er jetzt mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt ist (Vers 9). Gott begrüßte Den, der nach vollbrachtem Werk jetzt in die Herrlichkeit zu Seinem Vater zurückkehrte. Das lesen wir in Hebräer 5, 10: ". . . von Gott begrüßt als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks." Er sagte zu Ihm:

"Setze dich zu meiner Rechten" (Heb 1, 13). Wo ist Christus jetzt? –Er sitzt zur Rechten Gottes als verherrlichter Mensch, und Er ist von dorther der Ausgangspunkt jeder Segnung für uns auf der Erde. Gerade das zeigt uns die Apostelgeschichte.

" Und wie sie unverwandt gen Himmel schauten, als er auffuhr. . . " (Vers 10). Wir können uns das lebhaft vorstellen: unverwandt schauten sie gen Himmel. Wie überwältigend muss das für sie gewesen sein, ihren Herrn in den Himmel auffahren zu sehen! Aber auch wie ernst! Sie hatten den Meister aus dem Tode wiederbekommen, hatten noch vierzig Tage mit Ihm hier und dort verbringen können, und jetzt geht Er wieder von ihnen weg und entschwindet in den Himmel. Waren sie nun traurig? 0 nein", sie warfen sich vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude; und sie waren allezeit im Tempel, Gott lobend und preisend" (Lk 24, 52–53).

Ein wahrer Mensch fuhr auf in den Himmel. Du fragst, ob ich das wirklich glaube. Selbstverständlich glaube ich das. Weißt du, wenn ich das nicht glauben würde, dann könnte ich die ganze Bibel beiseitelegen. Dann möchte ich wissen, woran du dann noch glaubst. Wenn Christus nämlich nicht in den Himmel gegangen ist, dann wirst auch du dort nie hinkommen; dessen kannst du gewiss sein. Der Himmel war noch nie ein Platz für Menschen, und es war noch nie ein Mensch im Himmel. Erst seitdem Christus da ist, ist ein Mensch dort.

Der Mensch hat es vor einigen Jahren geschafft, den Mond zu erobern, und das ist eine menschliche Leistung ohnegleichen. Um auf dem Mond aussteigen zu können, benötigte er dick gepanzerte Raumanzüge mit Druckausgleich, Atemgerät, Strahlenschutz usw. Es war ein außerordentliches Problem, das der Mensch zu bewältigen hatte. Aber wenn der natürliche Mensch einen solchen schützenden Panzer braucht, um auf dem Mond einige Schritte gehen zu können, so lass mich dich, der du noch nicht errettet bist, fragen, was du im Himmel, in der heiligen Gegenwart Gottes anstellen möchtest, ohne Christus angezogen zu haben!

Dass Christus im Himmel ist, ist der Beweis dafür, dass auch die Kinder Gottes dorthin kommen werden. Wir brauchen keinen Raumanzug, sondern wir müssen Christus angezogen haben –und das geschah bei unserer Bekehrung.

"Und wie sie unverwandt gen Himmel schauten, als er auffuhr. . . ' (Vers 10). Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass der Heilige Geist eine ganze Anzahl von kostbaren Ausdrücken verwendet, um die Himmelfahrt des Herrn Jesus zu schildern. Hier heißt es "als er auffuhr".

Aber dann nahm Ihn die Wolke von ihren Augen hinweg: Die Wolke verhinderte, dass die Jünger den verherrlichten Christus sahen. Stephanus sah später "die Herrlichkeit Gottes und Jesum zur Rechten Gottes stehen" (Kapitel 7, 55). Auch Saulus von Tarsus sah den verherrlichten Herrn (Kapitel 9). Aber hier wird so etwas nicht gesagt.

Nach oben schauen

"Und wie sie unverwandt gen Himmel schauten, als er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißem Kleide bei ihnen" (Vers 10).

Dieser Blick, einem in den Himmel aufgefahrenen Christus nach, sollte eigentlich immer unser Blick sein. Wir Christen schauen leider viel zu viel auf die Erde. Unsere Häuser, unser Beruf, unsere irdischen Interessen sind Dinge, die zum Teil notwendig sind. Aber manchmal möchten wir es zu etwas bringen, möchten vorwärts kommen und eine möglichst hohe Stellung bekleiden, möchten viel Geld verdienen! Die Gefahr für uns Christen ist, dass wir bei alledem nur noch auf die Erde schauen. Aber Gott wollte, dass wir den Blick nach oben richten, so wie die Jünger unverwandt gen Himmel schauten. Das ist die Blickrichtung für uns Christen, die wir leider nicht immer haben. Ich bin überzeugt, dass wir sie oft nicht haben, weil so viel irdische Gesinnung bei uns ist, leider auch viel Zank, Streit und Unfriede. Das kann es überhaupt nicht geben, wenn wir zum Himmel emporschauen in der Hoffnung, dass Er bald wiederkommt, und wenn wir Ihn wirklich erwarten. In der Tat, das ist zu unserer tiefen Beschämung.

Der Dienst der Engel

Die Jünger schauen unverwandt gen Himmel, und der Herr Jesus kann gleichsam gar nicht anders, als ihnen sogleich eine Antwort zu geben; und sie ist sehr kostbar. "Siehe, da standen zwei Männer in weißem Kleide bei ihnen, welche auch sprachen: Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet hinauf gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird also kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel" (Verse 10 und 11).

Zuerst jedoch einige kurze Bemerkungen zu den Engeln und deren Dienst–, denn es scheint, dass wir mitunter über diesen Gegenstand nicht ganz gesunde Vorstellungen haben.

Im Alten Testament hatte Gott zuweilen Engel zu den Menschen gesandt, zwei Engel führten zum Beispiel Lot aus Sodom heraus. In der Geschichte Israels spielten Engel eine nicht unbedeutende Rolle, sie waren Diener der Vorsehung Gottes (vgl. 1. Kön 19, 5). Auch wurde das Gesetz durch Anordnung von Engeln gegeben (Apg 7, 53, Gal 3, 19). Im Neuen Testament sehen wir sie in Verbindung mit der Geburt, dem Leben, dem Leiden und der Auferstehung des Herrn.

Als Christus auf der Erde war, hat Gott nie Engel benutzt, um Mitteilungen zu machen. Engel waren die Sprachrohre Gottes bei Seiner Geburt und bei Seiner Auferstehung. "Was suchet ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden", sagt der Engel dort am Grab des Herrn (Lk 24, 5.6). Aber wenn Christus auf der Erde Seinen Dienst vollführt, müssen die Engel zwangsläufig zurücktreten. Der Dienst der Engel ha', mit der Vorsehung Gottes und nicht mit der Mitteilung von Wahrheiten zu tun. Christus selbst war hier, der die Wahrheit ist. Gott redete durch den Sohn und nicht durch Engel. Aber bei der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn treten Engel mit einer guten Botschaft in Erscheinung, die sie natürlich nur von Gott gehört haben, die sie nicht durch eigenes Forschen erlangten. Gott hatte ihnen gesagt, was sie verkünden sollten.

In Psalm 103 lesen wir von den Engeln, dass sie "Täter seines Wortes, gehorsam der Stimme seines Wortes" (Vers 20) und "Diener, Täter seines Wohlgefallens" (Vers 21) sind. Diese Verse zeigen, was Engel sind und was sie tun. Sie sind gehorsame Wesen, im Gegensatz – leider – zu uns Menschen. Engel sind auch erschaffene Wesen, sie können jedoch keine Erlösung haben, wenn sie gefallen sind. Für sie ist Christus nicht gestorben.

Über die Engel erfahren wir in Hebräer 1, Vers 14: "Sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, welche die Seligkeit ererben sollen?" Engel sind auch heute noch die Diener der Gläubigen, doch sie dienen nicht in inneren, sondern in äußeren Dingen. Wenn du einmal niedergeschlagen bist, dann kommt Gott nicht durch einen Engel, um dich zu trösten, sondern der Heilige Geist, Gott selbst, wohnt in dir. Er ist unser Tröster, richtet uns auf und bringt uns in Gemeinschaft mit dem Herrn. Er bringt uns Christus vor das Herz, nicht ein Engel.

In neutestamentlichen Zeiten, wo der Heilige Geist auf der Erde und das Wort Gottes vollendet ist, haben wir im allgemeinen nicht mehr solche Botschaften von Engeln wie bei der Himmelfahrt des Herrn Jesus zu erwarten. Wie gesagt, sind sie auch heute Diener der Vorsehung Gottes. Um den Dienst der Engel zu Beginn des christlichen Zeugnisses zu charakterisieren, seien kurz einige Beispiele aus der Apostelgeschichte angeführt:

Johannes und Petrus sind im Gefängnis, und ein Engel kommt, öffnet ihnen die Tür und sagt, sie sollten gehen und das Evangelium verkündigen (Kapitel 5, 19 ff.) – eine Botschaft von Gott und nicht mehr.

Als Petrus gefangen ist, kommt in der Nacht ein Engel, schlägt ihn an die Seite, weckt ihn und führt ihn hinaus (Kapitel 12). Die Türen öffnen sich, und Petrus geht zu dem Haus, wo viele versammelt waren und beteten.

In Kapitel 11 haben wir einen sehr wichtigen Punkt: Ein Engel sagt zu dem Hauptmann Kornelius, er solle nach Joppe senden und Petrus holen lassen, der Worte zu ihm reden würde. Der Engel spricht nicht selbst die Worte, sondern gibt nur den Auftrag, Simon holen zu lassen.. Von ihm würde er Worte hören, durch die er errettet werden würde.

Auf der Überfahrt nach Rom sagt Paulus, dass ein Engel in der Nacht bei ihm gewesen sei, der zu ihm gesprochen hätte. Gott würde ihn ans Ufer bringen und hätte ihm alle Seelen, die auf dem Schiffe waren, geschenkt. Sie würden also nicht umkommen (Kapitel 28, 23ff.).

Das macht uns klar, dass in neutestamentlicher Zeit, wo der Geist Gottes auf der Erde ist und in uns wohnt, Gott nicht Engel benutzt, um uns irgendwelche Mitteilungen der Wahrheit zu geben. Er benutzt sie in Seiner Vorsehung in Verbindung mit unseren äußeren Umständen. Ich persönlich habe manchmal gedacht: Da hat eben ein Engel seine Hand zwischen mein Auto und das des anderen gehalten. Das haben wir sicherlich auch schon alle erlebt.

Übrigens, Kinder haben keine "Schutzengel". Das ist eine menschliche Erfindung. "Ihre Engel" (Mt 18, 10) meint nicht "Schutzengel", sondern ihre Seelen, wenn sie im Kindesalter gestorben sind, bevor sie Verantwortung hatten. "Engel" bedeutet sehr oft Stellvertretung. Der stellvertretende, unsichtbare Teil der Kinder, ihre Seele nämlich, würde allezeit das Angesicht Seines Vaters sehen, wenn sie in unmündigem Alter sterben sollten. Auch für sie ist der Herr Jesus gestorben, denn auch sie sind von Natur aus verloren.

Es sei hier, diesen Punkt abschließend, noch bemerkt, dass im Buch der Offenbarung, nach der Entrückung der Versammlung, der Dienst der Engel wieder mehr in den Vordergrund tritt. Sie werden die Ausführer Seiner Gerichte sein.

Himmlischer Trost

Hier nun bringen diese beiden Männer in weißem Kleid eine wunderbare Botschaft. Es ist eine überaus gesegnete Wahrheit, dass in dem Moment, wo Christus weggeht und den leiblichen Blicken der Gläubigen entschwindet, Er sofort durch die Engel die Botschaft vermitteln lässt, dass Er wiederkommt. Ich möchte das mit Johannes 14 vergleichen, wo Er den Jüngern nach dem Abendmahl gesagt hatte, dass Er zu Seinem Vater gehen würde. Aber dann fügt Er sogleich hinzu: "Euer Herz werde nicht bestürzt ... Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen" (Joh 14, 1.3). Das ist derselbe Vorgang wie hier. Der Herr spricht wohl von Seinem Weggehen, aber Er tröstet sie sogleich mit dem glückseligen Gedanken, dass Er wiederkommt.

Doch nicht genug damit. Er sagt ihnen gleichsam: "Ich möchte euch bei mir haben, und deswegen komme ich und hole euch zu mir. Ich habe euch lieb, und ich möchte die Ewigkeit nicht allein im Himmel verbringen. Ich möchte euch bei mir haben." Kann es einen größeren Trost geben in der Zeit Seiner Abwesenheit, wo wir Ihn mit unseren körperlichen Augen nicht sehen, als die Tatsache, dass Er wiederkommt?

Die Wiederkunft Christi

Mir scheint, dass die Engel hier nicht über dieselbe Seite Seiner Wiederkunft sprechen, über die der Herr in Johannes 14 redet. Das Wiederkommen des Herrn läuft in zwei verschiedenen Phasen ab oder ist in der Schrift in doppeltem Charakter dargestellt. Zuerst wird Er kommen und Seine Braut, die gläubige Schar der Christen von Pfingsten an, und alle, die des Christus sind bei Seiner Ankunft, in den Himmel entrücken. 1. Thessalonicher 4, Johannes 14 und einige wenige andere Stellen reden davon. Wenige Jahre später wird Er mit den Gläubigen aus dem Himmel auf die Erde kommen und hier Sein Reich errichten (Off 19). Dieses Ereignis nennt die Bibel nicht "Entrückung", was ein Ausdruck der Gnade Gottes ist, sondern bezeichnet es als "Erscheinung", "Offenbarwerdung", "Tag des Herrn" oder "die Ankunft Gottes in Macht'.

Wir können davon ausgehen, dass die Engel, die hier diese himmlische Botschaft ausrichten, von der Entrückung überhaupt nichts wussten und auch nicht davon sprachen. Ich weiß wohl, dass C. H. Mackintosh es so auslegt. Aber ich kann in diesem Punkt nicht diesem sehr gesegneten Ausleger und Diener des Herrn folgen. Hier hat der Heilige Geist gewiss nur den allgemeinen Aspekt Seines Kommens vor sich.

"Dieser Jesus " wird wiederkommen, unser Herr, den wir kennen. Er wird selbst wiederkommen. Wunderbare Gnade! Ein Kind Gottes freut sich darüber. "Halte im Gedächtnis Jesum Christum, auferweckt aus den Toten." Halten wir auch im Gedächtnis, dass Er wiederkommt! Darauf dürfen wir jeden Augenblick warten.

Es handelt sich hier um den äußeren Aspekt Seines Kommens in Macht und Herrlichkeit. Das geht unter anderem daraus hervor ' dass erstens Engel nicht die Geheimnisse Gottes wissen und dass zweitens die Engel sagen, dass sie Ihn so wiederkommen sehen würden, wie sie Ihn haben auffahren sehen. Die Jünger haben Ihn leiblich gen Himmel fahren sehen, und gerade so wird das Volk Israel Ihn auch sehen, wenn Er wiederkommt. "Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die ihn durchstochen haben" (Off 1, 7). Prophetisch gesehen, stehen hier die Jünger für den jüdischen Überrest späterer Tage.

Die Tatsache, dass Er von dem Ölberg auffuhr und dass Er gerade auf den Ölberg wiederkommen und dieser sich spalten wird (Sach 14, 4), ist sehr bedeutsam. Das macht eigentlich völlig klar, dass die Engel hier nicht von Seinem Kommen zur Entrückung der Brautgemeinde reden, sondern von Seinem offiziellen Kommen, wenn ich das einmal so ausdrücken darf.

Der wesentliche Punkt ist jedoch die Tatsache als solche, dass Er wiederkommt. So liegt in dem Ausdruck "dieser Jesus" und in ,der Tatsache, dass Er wiederkommen wird, etwas Wunderbares. Nicht jeder mag fähig sein, die verschiedenen Seiten der Wahrheit über Sein Kommen zu unterscheiden. Aber der Jüngste und Schwächste kann es fassen, dass dieser Jesus, der für ihn gestorben ist, wiederkommen wird.

Nachdem der Herr Jesus einmal gestorben ist, ist für Gott nun nichts mehr zu groß, als dass Er es denen nicht schenkte, die an Seinen Sohn glauben. Der Herr Jesus wird einmal die "Frucht der Mühsal seiner Seele" sehen (Jes 53, 11), und "er wird schweigen" J. N. Darby übersetzt hier "ruhen", was dem Hebräischen nach durchaus richtig ist – "in seiner Liebe" (Zeph 3, 17). Gott wird in Seiner Liebe schweigen, wenn Er Seinen Ratschluss in der Person Seines Sohnes vollendet sieht. Der Herr Jesus wird ruhen und schweigen in Seiner Liebe, wenn Er Seine bluterkaufte Gemeinde verherrlicht um Sich und die Gedanken Gottes vollendet sieht. Seit Christus für uns gestorben ist, gibt Gott uns alles, was Er überhaupt geben kann. Der Herr wird uns in das Haus Seines Vaters führen, wo ewige Glückseligkeit ist.

Ob es also um die Offenbarung der Engel oder um die Erklärung des Heilands selbst in Liebe geht, das erste, was in des Herrn Herz für uns ist, ist, dass Er wiederkommen wird. So unermesslich die Gabe des Heiligen Geistes während der Zeit Seiner Abwesenheit und auch in Ewigkeit ist, die Hoffnung der Versammlung ist, den Heiland zu sehen – Ihn zu sehen, wie Er ist.

"Maran atha", das war das Wort der ersten Christen, wenn sie einander begegneten (vgl. 1.Kor 16, 22). "Der Herr kommt. " – Ist das auch unsere Rede, wenn wir einander begegnen? Überaus tröstliches Bewusstsein:

"Dieser Jesus wird wiederkommen."

Wenn Er heute käme, würdest du mitgehen mit der Schar der Erlösten?

"Welch Glück ist's, erlöst zu sein,

Herr, durch Dein Blut!"

Ist das die Sprache auch deines Herzens? Wenn nicht, dann eile und nimm Zuflucht zum Herrn Jesus, der auch dein Erlöser sein will! Er wird dich nicht hinausstoßen; denn dies sind Seine Worte: "Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen" (Joh 6, 37).

Apostelgeschichte 1, Verse 12 – 26: Die Auserwählung des zwölften Apostels

"Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berge, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbatweg entfernt. Und als sie hineingekommen waren, stiegen sie auf den Obersaal, wo sie blieben: sowohl Petrus, als Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, Alphäus' Sohn, und Simon, der Eiferer, und Judas, Jakobus' Bruder. Diese alle verharrten einmütig im Gebet mit etlichen Weibern und Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.

Und in diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf und sprach (es war aber eine Menge von etwa hundertundzwanzig beisammen): Brüder, es musste die Schrift erfüllt werden, welche der Heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat über Judas, der denen, die Jesum griffen, ein Wegweiser geworden ist. Denn er war unter uns gezählt und hatte das Los dieses Dienstes empfangen. (Dieser nun hat zwar von dem Lohne der Ungerechtigkeit einen Acker erworben und ist, kopfüber gestürzt, mitten entzwei geborsten, und alle seine Eingeweide sind ausgeschüttet worden. Und es ist allen Bewohnern von Jerusalem kundgeworden, so dass jener Acker in ihrer eigenen Mundart Akeldama, das ist Blutacker, genannt worden ist.) Denn es steht im Buche der Psalmen geschrieben: "Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand, der darin wohne, und: ,Sein Aufseheramt empfange ein anderer. 'Es muss nun von den Männern, die mit uns gegangen sind in all der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein– und ausging, anfangend von der Taufe Johannes' bis zu dem Tage, an welchem er von uns aufgenommen wurde – von diesen muss einer ein Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden. Und sie stellten zwei dar: Joseph, genannt Barsabas, der Justus zubenamt war, und Matthias. Und sie beteten und sprachen: Du, Herr, Herzenskündiger aller, zeige von diesen beiden den einen an, den du auserwählt hast, um das Los dieses Dienstes und Apostelamtes zu empfangen, von welchem Judas abgewichen ist, um an seinen eigenen Ort zu gehen. Und sie gaben Lose über sie; und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt" (Apg 1, 12–26).

Das Zeugnis beginnt daheim

Wir hatten bei der Betrachtung des vorausgehenden Abschnittes gesehen, dass der Herr Jesus, ehe Er gen Himmel fuhr, Seinen Jüngern einen wichtigen Auftrag gab: Sie sollten in dieser Welt Seine Zeugen sein. Wir hatten uns die Frage vorgelegt, ob wir, die wir bekennen, Sein Eigentum zu sein, tatsächlich Seine Zeugen sind. Wir hatten auch die Gnade Gottes bewundert: Gerade an dem Ort, wo Christus verworfen und gekreuzigt worden war, sollten sie mit ihrem Zeugnis beginnen – in Jerusalem. Jerusalem ist in der Tat die schuldigste Stadt auf dem Erdboden Gottes. Nirgends war der Sohn Gottes so in Gnaden offenbart worden wie dort, und gerade dort wurde Er zu Tode gebracht. Dennoch sollten sie in dieser Stadt mit der Verkündigung des Evangeliums der Gnade beginnen, dann in Judäa, dann in Samaria, ja bis an das Ende der Welt.

Eine gewisse Anwendung dieser Stelle sei erlaubt. Gott möchte, dass auch wir "in Jerusalem" mit unserem Zeugnis beginnen, das meint zu Hause. Es ist nicht die Art und Weise Gottes, dass Er uns sogleich am Nordpol oder in Südamerika benutzen will, sondern Er will, dass wir unser Zeugnis zu Hause beginnen. Es ist wichtig, dass wir das bedenken. Als der Herr Jesus einmal einen Besessenen heilte, sagte Er ihm: "Kehre in dein Haus zurück und erzähle, wie viel Gott an dir getan hat" (Lk 8, 39). Das Zeugnis eines Christen soll zuerst in Jerusalem" beginnen, an dem Ort, wo wir daheim sind, wo wir am besten gekannt werden. Unsere Hausgenossen sollten zuerst Augenzeugen davon sein, dass wir Christen sind. Ich sage das besonders im Hinblick auf junge Gläubige und Kinder aus gläubigem Haus. Ihr gewinnt viel Gnade und Kraft, wenn ihr zu Hause zeigt und bekennt, wer ihr seid. Das nächste ist Judäa. Ich glaube, dass wir das auf unsere Verwandtschaft anwenden könnten. Sie sind die nächsten, zu denen wir kommen und die erkennen sollten, dass wir Zeugen für den Herrn Jesus sind. In Samaria haben wir ein Bild von unserer Bekanntschaft. Die Kreise weiten sich aus, bis sie schließlich jeden erreichen und bis ans Ende der Welt gehen mögen, wenn Gott uns so führt.

Das Warten des Herrn droben

Gott begrüßte den aufgefahrenen Herrn (Heb 5, 10) und sagte zu Ihm: "Setze dich zu meiner Rechten." Dort sitzt seitdem der Herr Jesus und wartet. Worauf wartet Er? Auf die Heimholung Seiner Braut? – Das ist gewiss richtig, doch finden wir das in der Schrift nicht so ausgedrückt. Er wartet, bis Gott Ihm die Feinde zum Schemel Seiner Füße legt (Heb 10, 12.13). Wir müssen uns daran erinnern, dass der Herr Jesus nicht immer als Heiland handeln wird. Er tut es jetzt, und Er bietet Sich an als Heiland auch für dich, für deine Seele. Aber Er wird einmal für dich nicht mehr der Heiland sein. Wir würden kein gutes, kein ganzes Evangelium, würden nicht die ganze Wahrheit verkündigen, wenn wir verschweigen würden, dass der Herr Jesus einmal der Richter sein wird. Der Gedanke ist vielen ein wenig fremd, dass der "liebe Heiland", wie Er von manchen genannt wird, einmal richten wird. Und doch zeigt uns die Schrift, dass Gott die Feinde des Herrn Ihm, Seinem Sohn, zu Füßen legen und dass Dieser sie zertreten wird. In einem Gleichnis sagt der Herr: "Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringet her und erschlaget sie vor mir" (Lk 19, 27). Liebe Leser, die Gnadenzeit ist begrenzt. Es ist eine besondere Epoche in den Wegen Gottes mit den Menschen, aber diese Zeit hat Grenzen, wie jede Zeitepoche Grenzen hat. Nur die Ewigkeit hat keine Grenzen. Für die ewige Glückseligkeit und die ewige Qual gibt es auch keine Grenzen. Das ist tatsächlich nicht auszudenken!

Rückkehr nach Jerusalem

Die Jünger gingen, getröstet durch die Botschaft der Engel, zurück nach Jerusalem "von dem Berge, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbatweg entfernt" (Vers 12). Vielleicht ist es lehrreich, etwas über die zweitausend Ellen zu sagen, wenn es auch mehr äußerer Natur ist. Gott sagt jedoch nie etwas umsonst. Was ist ein Sabbatweg? In der Anmerkung der Elberfelder Übersetzung steht: "5–6 Stadien (2000 Ellen)". Wir wissen, dass im Alten Testament zwischen der Bundeslade und dem Volk, das hinterherzog, zweitausend Ellen Abstand eingehalten werden mussten (Jos 3, 4). Wir wissen auch – und das ist hier vielleicht noch wichtiger –, dass um die Städte, in denen die Leviten wohnten, eine äußere Begrenzung von zweitausend Ellen in jeder Himmelsrichtung, gemessen vorn Zentrum der Stadt aus, den Leviten als Bezirk gegeben werden musste (siehe 4. Mose 35, 4–5). Am Sabbat, der damals unter dem Gesetz eine wichtige Stellung einnahm, durften die Juden nicht arbeiten, noch ihren Ort verlassen (2. Mose 16, 29). Wir können wohl annehmen, dass sie innerhalb der von Gott gegebenen Grenzen, also innerhalb der 2000 Ellen, sich bewegen durften. Hier gehen die Jünger von dem Ölberg, der außerhalb von Jerusalem liegt, in die Stadt zurück, einen Weg von etwa 2000 Ellen. Deswegen heißt es "Sabbatweg", weil man ihn am Sabbat gehen durfte, wie ich nicht zweifle. Der Christ jedoch steht nicht unter solch einem Gesetz. Wenn wir am Tag des Herrn zehn Kilometer laufen müssten, um das Wort zu predigen oder zu hören, es wäre nur ein Vorrecht.

Eine Wartezeit für die Jünger

Dieser Abschnitt, den wir nun betrachten, schildert uns eine ganz spezielle Zeit, die in dieser Form weder vorher gewesen ist, noch je einmal wiederkommen wird. Es ist die Zeit, wo die Jünger, äußerlich von ihrem Herrn verlassen und auf sich allein gestellt, warteten, bis der Heilige Geist zu Pfingsten auf die Erde kam. Wie lange dauerte diese Zeitspanne? Genau zehn Tage. Zehn ist in der Heiligen Schrift die Zahl der Verantwortlichkeit (z. B. zehn Gebote, zehn Jungfrauen usw.).

Nun, diese Jünger befanden sich auf der Erde, ihr Meister jedoch war in den Himmel gegangen, und äußerlich betrachtet waren sie ein armseliges Häuflein. Sie befanden sich inmitten des jüdischen Unglaubens und der jüdischen Feindschaft, die sich wenig später in der Steinigung des Stephanus Bahn brach. Großer Hass war bei den religiösen Führern gegen die Jünger des Herrn angestaut. Sie waren nur eine kleine Schar, die um den Herrn Jesus versammelt gewesen war, der nun aber nicht mehr in ihrer Mitte weilte. Es war eine sehr ernste, und doch auch bedeutsame Zeit, wie überhaupt oft einer Zeit reichen Segens eine "Wartezeit" vorausgeht.

Wir sehen die Jünger auch nicht irgendwie tätig, sondern sie taten das, was der Herr Jesus ihnen gesagt hatte: "Ihr aber, bleibet in der Stadt," – nämlich in Jerusalem –"bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe" (Lk 24, 49). Sie warteten, und es war wirklich eine ganz besondere Zeit. Ich möchte das betonen, weil es später von Bedeutung sein wird, das zu beachten.

Es ist ein allgemeiner Grundsatz, dass wir nur dann richtige Belehrung aus der Schrift erhalten können, wenn wir alles in dem Zusammenhang, in dem es uns gegeben wird, lassen. Wir können in unglaubliche Irrtümer geraten, wenn wir Stellen der Heiligen Schrift aus ihrem Zusammenhang nehmen und darauf Lehrgebäude aufbauen, die aber mit dem Zusammenhang nicht mehr in Übereinstimmung sind. Deswegen haben auch die Vorgänge, die jetzt vor uns sind, einen besonderen Charakter, und sie können nicht in allen Punkten von uns nachgeahmt werden, obwohl sie von reicher Belehrung für uns sind.

Es war eine Wartezeit, und die Zeit der Kirche, mit der wir uns ja in diesen Betrachtungen beschäftigen wollen, hatte noch gar nicht begonnen, weil der Heilige Geist noch nicht gekommen war. Die Jünger gingen auf den Obersaal, wo sie blieben. Die Fußnote sagt: "wo sie sich aufzuhalten pflegten." Der griechische Grundtext benutzt hier die Zeitform des Imperfekt, und diese sagt aus: "sie pflegten dort zu sein." In dem Obersaal in Jerusalem hielt sich also eine Anzahl von Gläubigen auf, und mein Herz wird immer warm, wenn ich das lese. Von der Welt waren sie verachtet, und sie waren in deren Augen wie ein paar Schneeflocken, die dahinschmelzen, wenn die Sonne darauf scheint. Was würde aus diesem kleinen Häuflein werden? Was sollten die Jünger, der Gegenwart ihres Meisters beraubt, tun? Konnte die kleine und schwache Schar hoffen, gegen die bittere Feindschaft der eingesetzten Autoritäten und der Volksmengen bestehen zu können? Keine Sorge! Der Meister im Himmel hat bis heute Sein Auge auf jene gerichtet, die Ihm folgen wollen. Und wenn sie auch noch keine Kraft hatten, so hatten sie doch Einsicht, wie wir sogleich sehen werden. Zudem, sie hatten den Herrn in Auferstehung gesehen, die Welt nicht. Auch besaßen sie eine gesegnete Hoffnung, die die Juden nicht kannten, und die sehr bald in Erfüllung gehen würde – die Ausgießung des Heiligen Geistes.

Im Obersaal

Doch lasst uns einen Blick in den Obersaal werfen ",wo sie blieben: sowohl Petrus, als Johannes und Jakobus". Es war derselbe Obersaal, wo sie waren und blieben, wo dann auch der Heilige Geist auf sie kam (Kapitel 2, 1).

Das ist übrigens die letzte Aufzählung der elf Apostel in Gottes Wort. Das ist bemerkenswert. Zu Beginn der Apostelgeschichte werden noch einmal die elf Apostel namentlich aufgeführt. Sie waren im Obersaal, aber nicht sie allein. Es war eine gemischte Versammlung, es waren noch andere zugegen, auch Frauen.

Diese Zusammenstellung "Petrus und Johannes" ist absolut neu. Wir können das mit den Aufzählungen der Apostel in den Evangelien vergleichen: Nirgends werden die zwei Männer, die charakterlich einander so entgegengesetzt waren, zusammen genannt. Ich finde das überaus lieblich. Der Heilige Geist stellt hier zwei ganz verschieden veranlagte Brüder, so wie auch wir ganz verschieden sind, zusammen. Er gebraucht den Petrus als Petrus, den Johannes als Johannes, Er gebraucht dich, wie du bist, und mich, wie ich bin. Wir müssen nicht versuchen, so zu sein wie der andere. Lassen wir das! Du bleibst so, wie du bist, nur musst du dem Herrn Jesus folgen. Und ich bleibe so, wie ich bin, und so möchte ich meinem Herrn folgen. So gehen wir beide miteinander. – Wir merken schon, dass sich etwas Neues anbahnt. Petrus und Johannes werden in einem Atemzug genannt– Obwohl sie ganz verschiedene Charaktere hatten, waren sie doch eins in Christus. Später finden wir diese beiden Männer einmütig im Dienst und Zeugnis für ihren Herrn.

"Diese alle verharrten einmütig im Gebet ... "Das war die geziemende Beschäftigung vor dem Kommen des Heiligen Geistes. Nicht, dass das Kommen des Geistes davon abhing, aber wenn Gott im Begriff steht, etwas Großes zu tun, bewegt Er die Herzen

Seines Volkes im Gebet, damit sie in einem inneren Zustand sein möchten, den Segen zu empfangen. Zudem war die ihnen anvertraute Aufgabe so groß, so gänzlich außerhalb ihres Vermögens, dass sie nur von ihren eigenen Hilfsquellen absehen und sich zu den Hilfsquellen Gottes hinwenden können. Erinnern wir uns noch der Worte des ersten Johannesbriefes? "Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch." Das ist hier etwas vom Anfang. Verharren wir heute auch noch einmütig im Gebet? Kennt man in der Christenheit überhaupt noch so etwas wie eine gemeinsame Gebetsstunde, wo Kinder Gottes die Knie beugen, um ihrer Abhängigkeit von Ihm Ausdruck zu verleihen? Wie selten ist das geworden! Man geht und hört sich eine Predigt an, aber gemeinsam die Knie vor Gott beugen ist etwas, was eigentlich nur wahre Gläubige tun können und woran sich deshalb auch die Geister scheiden. Aber selbst wahre Gläubige erkennen nicht immer die Wichtigkeit des gemeinsamen Gebets. Doch darüber werden wir noch mehr hören, wenn wir zur Betrachtung des zweiten Kapitels kommen.

Und dann das Wort" einmütig"! Das werden wir in der Apostelgeschichte noch öfter finden, zum Beispiel in Kapitel 4. Dort wurden die Apostel schon verfolgt. Sie waren im Gefängnis gewesen und kehrten nun zu den Ihrigen zurück. Und dann heißt es dort: "Sie aber ... erhoben einmütig ihre Stimme zu Gott" (Vers 24). Es ist etwas überaus Ernstes und Trauriges, wenn wir im Gebet nicht einmütig sind. Wenn nämlich das Gebet der Ausdruck unserer Uneinigkeit ist, dann wird es leicht zu einer Geißel, einer Zuchtrute, zu einem Kampfmittel, mit dem Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden. Doch das sollte, das darf das Gebet nie sein. Wir sollten nie vergessen, dass wir zu Gott sprechen, wenn wir beten. Und dann brauchen wir keine angelernten Gebete, sondern reden so, wie der Geist Gottes es bewirkt. Aber, wie gesagt, es muss in Einmütigkeit geschehen.

Wenn wir hier und da die Einmütigkeit, das Sprechen mit einer Zunge, vermissen, wie können wir sie zurückgewinnen? Nur, indem wir unseren eigenen Willen aufgeben und der Herr Jesus unsere Herzen erfüllt, nicht durch menschliche Übereinkünfte und indem man Kompromisse schließt. Es gibt nichts Traurigeres als Kompromisse bezüglich der Wahrheit Gottes. Nichts zerstört die Wahrheit und auch die Einmütigkeit mehr. Nein, Kompromisse sind nicht der Weg Gottes. Sie sind der Weg der Welt. Wenn große Politiker etwas besprechen und zu keinem greifbaren Ergebnis kommen, wie es oft der Fall ist, dann verfassen sie ein Kommuniqué. Das Kommuniqué enthält auch das, worüber sie sich nicht einigen konnten. Aber man schreibt so schöne Worte, dass alle zufrieden sind und von dem wieder einmal erfolgreichen Gipfeltreffen sprechen. Aber so dürfen wir nicht in göttlichen Dingen handeln. Sonst zerstören wir das, was wahr ist. Wahre Einmütigkeit kommt durch Gehorsam. Wenn wir dem Herrn Jesus und dem, was Er gesagt hat, gehorchen, sind wir zwangsläufig einmütig. Lasst auch uns, wenn wir zum Gebet zusammenkommen, einmütig bleiben und darin verharren. Gemeinsam zu beten, ist ein besonderes Vorrecht, und mir scheint, dass Petrus hier der Mund der übrigen war.

Noch etwas Wichtiges: Wenn wir gemeinsam beten, dann reden wir nicht alle auf einmal, wie das leider hier und da geschieht. Das will Gott nicht, das ist Unordnung. Nein, einer betet, aber er ist der Mund der anderen. Die anderen sagen "Amen" dazu, und das ist Gott gemäß. Aber Gott will nie, dass eine Frau der Mund der Versammelten ist, wenn Männer zugegen sind. Denn dann würde sie Autorität über den Mann ausüben, und das soll sie nicht tun (l. Tim 2, 12).

Noch etwas Interessantes über die im Obersaal Versammelten wird uns mitgeteilt: – . . mit etlichen Frauen und Maria, der Mutter Jesu." Wir finden in Lukas 8 und Markus 15 eine sehr liebliche Erwähnung von Frauen. Wir haben eben gesehen, dass Gott nicht will, dass Frauen im Gebet oder auch in der Lehre öffentlich hervortreten. Gott hat nie eine Frau ausgesandt zu predigen. Wir wissen, dass das heute getan wird. Aber wir wollen zurückkehren zu dem, was von Anfang ist. Wir wollen in dem Spiegel Gottes sehen und erkennen, was vor Ihm wahr und richtig ist. Gott will keine Frau benutzen, um öffentlich zu predigen. Er hat es nie gewollt und auch nie gesagt; wir finden es im ganzen Wort Gottes nicht.

Aber wir finden, dass Frauen einen Dienst taten, einen sehr schönen Dienst. Die Schwestern brauchen nicht traurig zu sein, als hätten sie keine Aufgabe. Sie haben eine, wie ich glaube, noch schönere oder noch innigere Aufgabe als die Brüder. Der Dienst der Brüder richtet sich mehr nach außen, aber der Dienst der Schwestern geht nach innen. Es waren Schwestern, Frauen, die dem Herrn Jesus von Galiläa nachgefolgt waren und Ihm mit ihrer Habe dienten. Ich habe oft gedacht, wie lieblich das für das Herz des Herrn Jesus gewesen sein muss. Einige wenige Frauen – es müssen auch solche mit Besitztümern dabei gewesen sein – folgten Ihm und dienten Ihm mit ihrer Habe. Der Herr Jesus war aus Gnaden so arm geworden, dass Er hier nichts besaß. Er machte sich abhängig von dem Dienst anderer. Diese Frauen waren auch dann noch am Kreuz, als die "mannhaften" Brüder ohne Ausnahme längst geflohen waren. Sicher, Johannes kam etwas später zum Kreuz zurück. Aber die Frauen blieben dort. Und sie blieben auch bei dem Grab, wo der Leib des Herrn Jesus lag. Es war eine Frau, Maria Magdalene, der Er zuerst erschien.

Hier sehen wir etliche Frauen mit Maria, der Mutter – Gottes? Der Mutter Gottes? Steht das wirklich hier? Du kannst jede Bibel Übersetzung nehmen, die du erreichen kannst, du wirst das nirgends in der Bibel finden. Nein! Gott hat keine Mutter. Aber der Herr Jesus als Mensch hatte eine Mutter, und sie wird auch die "Mutter des Herrn" genannt. Ich möchte gerne den Blick des Lesers auf die Darstellungsweise der Schrift richten, denn es ist wunderbar, wie Gott redet. Diese Maria wird hier nicht als eine Frau gesehen, von der Gnadenmittel ausgehen. Wir finden auch nicht, dass andere Leute etwa zu, dieser Maria beten und sie um ihre Hilfe anflehen. Nein, sie selbst betet, sie betet mit den Elfen im Obersaal und verharrt mit den übrigen Frauen und Männern im Gebet. Niemand ist da, der ihr göttliche Verehrung darbringt. Wir wollen, falls erforderlich, auch in diesem Punkt zurückkehren zu dem, was von Anfang war! Maria, die Mutter Jesu, war ein Geschöpf wie jedes andere, und sie brauchte einen Erlöser wie du und ich. Und wenn sie den Herrn Jesus gebären durfte – sie war hochbegnadigt und gesegnet unter den Frauen –, dann war sie trotz allem nie etwas anderes, als was sie selbst von sich sagt: "Ich bin die Magd des Herrn" (Lk 1, 38). Sie war keine Gottheit oder ein Zwischending, eine Mittlerin, sondern die Magd des Herrn.

Ich sage das nicht, um irgend jemand weh zu tun, sondern wir möchten einfach aus Gottes Wort lernen, wie die Dinge sind, wie Er sie sieht. Und es ist sehr bedeutsam, dass es das letzte Mal ist, wo Maria unseren Blicken erscheint. Übrigens ist das eine Betrachtungsweise, die wir öfter zum Nutzen anwenden können: zu bedenken, wann Gottes Wort etwas zum ersten Mal sagt, wann eine Person zum ersten Mal vor unsere Blicke kommt, oder auch, wann es zum letzten Mal geschieht. Ist es nicht sehr bezeichnend, dass Maria, die Mutter des Herrn Jesus, was ihre Erwähnung in der Apostelgeschichte angeht, hier zum ersten Mal genannt wird, aber in der ganzen Bibel damit auch zum letzten Mal? Und wie sehen wir sie? In aller Niedrigkeit des Geistes kniend, im Gebet mit den Brüdern und den übrigen Frauen und wartend auf die Gabe des Heiligen Geistes. Das ist der letzte Blick, den der Heilige Geist uns auf Maria tun lässt, und so entschwindet sie für immer aus unserem Blickfeld: Maria hat an dem Erlösungswerk des Herrn Jesus überhaupt keinen Anteil. Deswegen wird sie in den Briefen auch nie wieder erwähnt. Gewiss, sie war fromm und gottesfürchtig, sie war die Mutter des Herrn gewesen und ist so für uns ein Vorbild, aber sie hat, was das Werk der Erlösung und was die christliche Wahrheit angeht, überhaupt keinen besonderen Platz.

– . . und mit seinen Brüdern" Ist das nicht auch ein interessanter Zusatz – "mit seinen Brüdern"? Haben wir darüber schon einmal nachgedacht? Wie, dort im Obersaal sind die Brüder des Herrn Jesus? Hat Er Brüder gehabt? Ja, wir lesen das im Matthäus– und im Markusevangelium. Sie werden mit Namen genannt: "Ist dieser nicht ... ein Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? und sind nicht seine Schwestern hier bei uns?" (Mk 6,3). Auch hören wir davon, dass, während der Herr Jesus in einem Haus redete, Seine Mutter und Seine Brüder kamen und Ihn sprechen wollten. Aber das Erstaunliche ist, dass Seine Brüder während Seines Weilens hier auf Erden nicht an den Herrn Jesus geglaubt hatten. Es heißt in Johannes 7, Vers 5, ausdrücklich: "Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn." Und auf einmal lesen wir hier, wo die Gläubigen im Obersaal im Gebet verharrten: "und mit seinen Brüdern"! Das ist doch wunderbar, wie die Gnade Gottes gewirkt hatte!

Wir wissen aus 1. Korinther 15, dass der Herr Jesus dem Jakobus erschienen ist. Das ist wohl, dem Fleisch nach, Sein Bruder, nicht der Apostel Jakobus. Übrigens ist der Jakobusbrief von diesem Bruder des Herrn geschrieben und nicht von dem Apostel. Der Apostel Jakobus war schon sehr bald hingerichtet worden (Kap. 12, 2), aber der Bruder des Herrn lebte noch lange. Er war ein Zeuge Gottes in Jerusalem und wurde von den Gläubigen als eine Säule angesehen (Gal 2, 9). Er hatte unter den Juden den Beinamen "der Gerechte". Er war noch sehr mit dem Gesetz verbunden, wie wir später sehen werden. Aber wie beglückend ist es, dass der Tod und die Auferstehung Christi bei den leiblichen Brüdern des Herrn Jesus etwas bewirkt hatten, was sie zur Umkehr gebracht hatte, so dass sie nun hier in der Gemeinschaft der Gläubigen gefunden werden. Einem von diesen Brüdern – eben diesem Jakobus – hat Sich der Herr Jesus persönlich in Auferstehung zu erkennen gegeben (l. Kor 15, 7).

Hast vielleicht auch du noch einen Bruder dem Fleische nach, der nicht an Christus glaubt? Hast du einen Vater, eine Mutter, die noch nicht bekehrt sind? Hast du eine Frau, die noch in der Welt ist, hast du einen Mann, der nichts von Gottes Wort wissen will? Oder hast du Kinder, die nicht den Weg gehen? Bedenke, Seine Brüder waren jetzt auch dabei! Beten wir, verharren wir im Gebet für die, die von den Unsrigen noch draußen sind, dass der Herr Jesus sie erretten möge und sie nicht ewig verloren gehen! Zu dem Kerkermeister in Philippi sagt Paulus, als dieser fragt: "Was muss ich tun, auf dass ich errettet werde?": "Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden" – du alleine, sonst niemand? Nein, Gott sei Dank, der Vers geht weiter – "du und dein Haus" * Gott sieht den Christen und sein Haus immer als eine Einheit. Natürlich muss sich jeder persönlich bekehren, aber die Absicht Gottes ist es, ihn und sein ganzes Haus zu retten. Das wird schon im Allen Testament durch Rahab vorgeschattet. Sie wurde errettet, sie und ihr ganzes Haus, wenn auch in zeitlichem Sinn. Wenn heute in der Zeit der Gnade jemand durch die Barmherzigkeit Gottes aus der Finsternis in das wunderbare Licht Gottes geführt wird, dann deutet Gott damit an, dass Er nicht nur ihn allein, sondern auch sein ganzes Haus erretten will. Wunderbare Verheißung! Halte im Glauben daran fest!

Ich habe anfangs darauf hingewiesen, dass dieser Abschnitt einmalig in der Geschichte ist. Wir wissen, dass diese Männer und Frauen im Gebet verharrten und sicherlich auf die Verheißung des Vaters, auf den Heiligen Geist, warteten. Ob sie – das möchte ich nebenbei bemerken – direkt darum baten, wird uns nicht gesagt. Aber ich nehme an, dass sie es nicht taten, denn der Herr hatte gesagt, Er würde kommen. Sie brauchten nicht darum zu beten, dass Er komme; aber mir scheint, dass sie praktisch in einem geistlichen Zustand sein wollten, dass, wenn der Heilige Geist käme, Er in ihrer Mitte wirken könnte. Und wir wissen, dass es auch so war.

So ist es so klar wie nur irgend möglich, dass wir heute keine Gebetsversammlungen anberaumen können, um zu beten, dass der Heilige Geist ausgegossen werden möge. Es zeugt von einem völligen Missverstehen der Heiligen Schrift, wenn Leute darum beten, dass der Heilige Geist neu ausgegossen werden möge. Das wird nie geschehen, denn Er ist längst gekommen. Und diese Gebetsstunde von damals ist in dieser Hinsicht nie zu wiederholen, denn in diesem Zustand können Christen nie wieder sein, dass der Heiland im Himmel und der Heilige Geist noch nicht auf der Erde ist. Deswegen ist es, wie ich eingangs bemerkte, ein Ausnahmezustand, ein Übergang, den wir nie erleben können. Ein Christ braucht nie zu beten, dass der Heilige Geist auf ihn kommen möge. Er hat Ihn, wenn er an den Herrn Jesus und an Sein vollbrachtes Werk glaubt. Und ein Ungläubiger wird ihn sowieso nie bekommen. Er muss erst einmal an den Herrn Jesus glauben, mit seinen Sünden zum Heiland kommen. Dann folgt auch die Versiegelung mit dem Heiligen Geist (Eph 1, 13). Das haben wir indes schon gesehen.

Petrus inmitten der Brüder

» Und in diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf und sprach (es war aber eine Menge von etwa hundertundzwanzig beisammen). " Die hundertundzwanzig waren sicherlich nicht alle Gläubigen vor Pfingsten. In 1. Korinther 15 hören wir von fünfhundert Brüdern, denen der Herr auf einmal erschienen ist. Es scheint, dass in Jerusalem, dieser bevorrechtigten Stadt, nur hundertundzwanzig Jünger und Jüngerinnen des Herrn waren, während sich im benachbarten "Galiläa der Nationen" fünfhundert Brüder befanden. Es ist interessant, dass der Herr Jesus in der heiligen Stadt, wo Er auch viele Wunder gewirkt hatte, nicht die meisten Jünger hatte. Und es ist zudem auffallend, dass dreitausend Seelen auf einmal bekehrt wurden, als Petrus die erste Predigt nach dem Kommen des Heiligen Geistes, die erste christliche Predigt hielt (Kap. 2, 4 1).

Ist der Herr Jesus etwa geringer als Petrus? Natürlich nicht! Worin liegt die Antwort für diese Besonderheit? Nun, der Heilige Geist war inzwischen gekommen; auch hatte der Herr Jesus gesagt: "Wer an mich glaubt, . . . wird größere Werke als diese tun" (Joh 14, 12). Also nicht, weil der Herr Jesus es nicht gekonnt oder vermocht hätte, verhielt es sich so, sondern weil es nach den Gedanken Gottes war, dass nach dem vollbrachten Erlösungswerk Seines Sohnes und nach dem Kommen des Heiligen Geistes auf die Erde neue Wirkungen hervorgebracht werden sollten, die über das hinausgingen, was der Herr Jesus an Wundem auf dieser Erde getan hat.

Petrus sollte in den ersten zwölf Kapiteln der Apostelgeschichte die Führung übernehmen, denn er hatte die Schlüssel des Reiches der Himmel bekommen (Mt 16, 19). Diese Schlüssel hatte der Herr Jesus nur Petrus anvertraut; seitdem hat sie auch nie wieder jemand besessen. Übrigens, mit Schlüsseln regiert man nicht. Ein Schlüssel ist zum Aufschließen da, zu nichts weiter. Petrus hatte die Aufgabe aufzuschließen. Was denn, die Kirche? Natürlich nicht! Die Kirche braucht niemand aufzuschließen. Also den Himmel? Genauso falsch! Weder in die Kirche noch in den Himmel kann Petrus Einlass gewähren. Nein! Petrus sollte das Reich der Himmel aufschließen. Was das bedeutet, werden wir später noch klarer sehen.

Doch jetzt kommt ein Petrus vor uns, wie wir ihn noch nicht kennen. Wir sind von ihm einigermaßen überrascht. Hatte er nicht noch vor kurzem seinen Heiland verleugnet: "Ich kenne ihn nicht", und dies mit einem Eide beschworen? Das griechische Wort für "ich kenne ihn nicht" bedeutet: "Ich habe keinerlei Beziehung zu ihm." Wie weit ging das, was Petrus gesagt hatte! Und war er dann nicht vor einer Frau geflohen? Aber auf einmal steht dieser Petrus in der Mitte der Brüder auf und redet Worte, die uns erstaunen machen und die wir uns jetzt ein wenig näher anschauen wollen.

Gott benutzt Petrus, und dieser sagt Dinge, die wir nie von ihm erwartet hätten. Dieser Mann hat auf einmal ein geistliches Verständnis der Schriften, das vielfach über unser Verständnis, die wir doch den Heiligen Geist haben dürfen, weit hinausgeht. Oder hättest du gewusst, dass Psalm 69 von Judas spricht? Ich nicht. Hätten wir gedacht, dass Psalm 109 eine Weissagung, eine Prophezeiung auf Judas Iskariot ist? Ich glaube, dass keiner von uns es gewusst hätte, aber Petrus verstand es jetzt. Wie kam das? Nun, dass der Besitz des Auferstehungslebens Einsicht gibt, hat uns schon beschäftigt.

Zudem hatte der Herr Jesus in Auferstehung, wie wir wissen, mit den Jüngern über die Dinge des Reiches Gottes gesprochen, und sicherlich haben sie viel dadurch gelernt. So kannten sie jetzt die Schriften. Und wie der Herr auf dem Weg nach Emmaus den beiden Jüngern die Schriften geöffnet hatte, so dass ihre Herzen brannten, so hatte Er auch den in Jerusalem Versammelten das Verständnis geöffnet, um die Schriften zu verstehen (Lk 24, 32.45). Der Herr Jesus öffnet die Schriften und öffnet das Verständnis, und das ist bis heute so. Ihm sei Dank dafür! Wir können die Schriften nicht verstehen, wenn nicht der Heilige Geist uns in sie einführt. Der Herr muss das Herz und auch die Schriften aufschließen. Es kann passieren, dass alles, was du hier liest, glatt an dir vorbeiläuft. Und doch will der Herr Jesus an deiner Seele wirken, Er will sie aufschließen, ob du schon errettet bist oder nicht. Er will dein Herz öffnen und erwärmen für Seine Person. Das kann kein Mensch, das kann nur Gott selbst tun.

Die Autorität des Wortes

"Brüder, es musste die Schrift erfüllt werden." Hier finden wir wieder eine sehr wichtige Belehrung, und ich wünschte zu Gott, dass wir sie tief in unsere Herzen schrieben. Diese Brüder vor fast zweitausend Jahren hatten nichts Geringeres auf dem Herzen als die Autorität des Wortes Gottes und die Erfüllung seiner einzelnen Aussagen. "Es musste die Schrift erfüllt werden" – darum ging es ihnen. Ist das auch unser Interesse, unser Begehren? Ist es uns wichtig, was die Heilige Schrift sagt? Sicher, Gott benutzt auch Menschen, um uns Auslegungen, Erklärungen der Schrift zu schenken, aber sie müssen auf die Heilige Schrift selbst gegründet und in Übereinstimmung mit ihr sein.

Petrus und die mit ihm waren stellten sich voll unter die Autorität der Schrift, und zwar hier des Alten Testaments. Lasst uns nie die Schriften des Alten Testaments als zweitrangig ansehen! Mir scheint, als ob unsere Brüder früher viel öfter über das Alte Testament gesprochen und geschrieben hätten als wir heute. Das ist eine gewisse Beobachtung, die ich mache. Ob das gerade gut ist, lasse ich offen. Jedenfalls dürfen wir nicht den Gedanken haben, dass das Alte Testament weniger Gottes Wort oder weniger wichtig als das Neue Testament sei. Natürlich enthält es noch nicht die christliche Wahrheit, aber es redet von Christus.

Petrus spricht hier über das Alte Testament und zitiert daraus. "Es musste die Schrift erfüllt werden, welche der Heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat über Judas. " Diese Ausdrucksweise ist sehr bedeutsam, denn sie gibt uns ein Beispiel dafür, wie Gott die Dinge ansieht, die Er selbst gesagt hat, kurz, was die Inspiration der Heiligen Schrift, im vorliegenden Fall des Alten Testaments, bedeutet. Ist das nicht eine herrliche Formulierung, die Petrus gebraucht? Hier haben wir in einem kurzen Satz die Erklärung, was das Wesen der Inspiration ausmacht. Nicht der Inhalt der Inspiration ist jetzt unser Gegenstand, sondern die Tatsache, dass der Heilige Geist gesprochen hat. Aber dass Er den Mund eines Menschen benutzt hat, ist typisch für die ganze Heilige Schrift. Der Heilige Geist hat nicht einfach ein Buch vom Himmel herabfallen, sondern hat ein Buch durch Menschen schreiben lassen, in menschlicher Schrift und Sprache, so dass wir es verstehen können. Es ist ein himmlisches Buch, aber durch Menschen geschrieben. Doch der Verfasser ist nicht der Mensch. Lukas z. B. sagt wohl, dass er den ersten Bericht, sein Evangelium, "verfasst' (oder "verfertigt") hätte (Vers 1), aber der eigentliche Verfasser der Heiligen Schrift ist Gott, der Heilige Geist. So völlig führte und kontrollierte Er Geist und Hand des menschlichen Werkzeugs, dass das Ergebnis vollkommen dem entspricht, was Er hatte ausdrücken wollen. So war es auch im Alten Testament. Der Heilige Geist hat vorhergesagt, aber Er hat es durch den Mund Davids getan; Er hat ihn als Werkzeug benutzt. Wenig später in der Apostelgeschichte wird David ein Prophet genannt, und es werden Psalmworte Davids zitiert. Und doch ist der Heilige Geist der Redende. Dasselbe ist auch hier der Fall.

Das prophetische Wort

Nun hatte die Schrift über Judas gesprochen. In Johannes 13, Verse 18 und 19, sagt der Herr Jesus: "Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich auserwählt habe; aber auf dass die Schrift erfüllt würde: Der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse wider mich aufgehoben.' Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, auf dass ihr, wenn es geschieht, glaubet, dass ich es bin." An dieser Stelle zitiert der Herr Jesus Psalm 41, Vers 9: "Selbst der Mann meines Friedens, auf den ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse wider mich erhoben."

Ahitophel, der Vertraute des Königs David, war ihm untreu und ein Ratgeber von Davids Sohn Absalom geworden. Und er hatte einen "guten Rat" gegeben, um David zu vernichten. Der Mann Gottes, Husai, der treu zu David hielt, hatte einen nicht so guten Rat gegeben, doch er wurde von Gott benutzt, um David zu bewahren (2. Sam 15, 31–37; 17, 1–14). Es ist Ahitophel, der in Psalm 41 vor der Seele Davids steht. Er hat natürlich nicht gewusst, dass dieser ein Bild von Judas Iskariot sein würde. Er hat an Ahitophel gedacht, der früher sein Ratgeber gewesen und nun zu dem Heer seines rebellischen Sohnes Absalom übergelaufen war. Er klagt jetzt in Trauer darüber, dass der, der mit ihm das Brot aß, der der Mann seines Friedens gewesen war, ihn jetzt verraten und aufgegeben hatte. Aber der Heilige Geist hat prophetisch von Judas Iskariot gesprochen, indem Er den Mund Davids dazu benutzte.

Hier sehen wir ein weiteres Merkmal der Inspiration der Heiligen Schrift. Die Männer, die das Wort geschrieben haben, wussten im allgemeinen nicht um die ganze Tragweite dessen, was sie schreiben mussten: so sehr führte Gott ihre Hand, dass sie Dinge niederschreiben mussten, die sie zum Teil gar nicht kannten. Ich habe nicht ganz ohne Absicht Johannes 13 angeführt. Dort hatte der Herr Jesus den Jüngern die Füße gewaschen, und Er musste ihnen, ehe Er wegging, kundtun, dass Judas Iskariot, der einer von ihnen war, ein Böser war, ein Teufel, wie Er vorher schon gesagt hatte. "Habe ich nicht euch, die Zwölfe, auserwählt? und von euch ist einer ein Teufel" (Joh 6, 70). Er hat Judas Iskariot von Anfang an gekannt und ihn diese dreieinhalb Jahre mit Liebe und Gnade getragen. Aber jetzt am Ende mussten die Jünger wissen, dass er ein gefährlicher Feind war.

Er machte ihn beim Passahmahl offenbar, ehe das Abendmahl eingesetzt wurde. Judas Iskariot war beim Brotbrechen nicht zugegen, wenn auch der Bericht des Lukas diesen Anschein erwecken mag. Doch, wie wir wissen, schreibt Lukas nicht chronologisch. Die Jünger mussten auf den Verrat vorbereitet werden, damit sie nicht, überwältigt von der unvorhergesehenen Bosheit in ihrer Mitte, zu Schaden kämen. Und der Herr Jesus in Seiner Liebe und Fürsorge tat das damals; Er benutzte das prophetische Wort und sagte ihnen: "Von jetzt an sage ich es euch, ehe es geschieht, auf dass ihr, wenn es geschieht, glaubet, dass ich es bin." Wie gnädig ist doch der Herr Jesus!

Wie gesegnet, Geliebte, die Aussagen der Schrift selbst über die dunkelsten Ereignisse zu kennen und persönliche Konsequenzen daraus zu ziehen! Wir haben auch im Neuen Testament prophetische Schriften, die uns auf das Böse in den letzten Tagen des christlichen Zeugnisses auf Erden hinweisen und vorbereiten. So ernst und traurig diese Dinge in sich auch sind, so ist es doch eine große Gnade, dass der Herr uns alles vorhergesagt hat, so dass uns das Böse nicht überraschen und überwältigen kann.

Der Fall des Judas Iskariot war also nicht unvorhergesehen gewesen, jedenfalls nicht in der Schrift. Der Herr Jesus hatte auch schon gesagt, dass die Schrift erfüllt werden müsste, als Er von dem Verlorengehen dieses Sohnes des Verderbens sprach (Joh 17, 12). Und jetzt lenkt Petrus in der Zeit ihrer größten Schwachheit die Aufmerksamkeit der Brüder ebenfalls auf das prophetische Wort. Welch einen Trost müssen sie darin gefunden haben, dass Gott das herzlose Verhalten von Judas vorausgesehen hatte! Sein schreckliches Handeln war nur die Erfüllung des prophetischen Wortes!

Judas Iskariot und sein Ende

– . . der denen, die Jesum griffen, ein Wegweiser geworden ist. " Ein ergreifendes Wort – ein Wegweiser geworden! Judas Iskariot hat den Herrn überliefert und Seinen Häschern gezeigt, wo Er dort in dem Garten Gethsemane weilte, damit sie Ihn fangen könnten. Er war ein Wegweiser geworden, ein Wegweiser zum Bösen. Doch stellen wir ein anderes Wort aus Kapitel 2, Vers 23, unserem Vers gegenüber: "Diesen" – das meint den Herrn Jesus – "übergeben nach dem bestimmtem Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geheftet und umgebracht. " Diese Stelle zeigt uns den Vorsatz Gottes. Es war der Vorsatz Gottes, dass Sein Christus leiden sollte, und Judas Iskariot war insofern nur ein Wegweiser. Er ist natürlich völlig verantwortlich für das, was er tat, aber es war der Ratschluss Gottes. Die persönliche Verantwortung des einzelnen und der Ratschluss Gottes gehen in der Schrift immer nebeneinander her, geraten nie in Kollision miteinander. Beide sind absolut wahr. Keines kann und darf auf Kosten des anderen geschwächt werden. Gottes Ratschluss kommt zustande, und der Mensch ist voll für sein Tun verantwortlich. Das ist die Lehre der Heiligen Schrift.

Lasst uns noch ein wenig bei der Person des Judas verweilen, wie ernst das auch ist; denn Gottes Wort bringt ihn und sein erschütterndes Ende vor uns. Judas ist eine so schillernde Person, dass wir das, was wir hier von ihm lesen, auf unsere Seelen einwirken lassen müssen.

Judas war ein verkehrter, ein böser Mann. Wir können darüber nachsinnen, warum der Herr Jesus ihn zum Dienst auserwählt hatte, obwohl Er doch wusste, dass er nicht errettet war und nicht wirklich an Ihn glaubte. Was jedoch Judas angeht, er hat den Herrn wohl äußerlich als Messias anerkannt, aber das war alles. Hier lesen wir: "Denn er war unter uns gezählt." Dieses Wort ist zutiefst erschütternd. Judas Iskariot war einer der Zwölfe gewesen, und Petrus sagt hier: "Er war unter uns gezählt. " In Matthäus 10 erfahren wir, dass er einst mit den übrigen ausgesandt worden war (Verse 1–5). Als der Herr Jesus Seine zwölf Jünger – beachten wir: zwölf! – herzugerufen hatte, gab Er ihnen Gewalt über unreine Geister und Gewalt zu heilen. Dann werden die Namen aller zwölf Jünger aufgezählt, und Judas Iskariot wird ebenfalls genannt. Und dann in Vers 5: "Diese zwölf sandte Jesus aus."

Wir haben hier die ganz klare Tatsache, dass Judas Wunder getan, dass er Dämonen ausgetrieben, dass er Kranke und Gebrechen geheilt hat wie die übrigen Jünger auch. Da war kein Unterschied zu sehen, "er hatte das Los dieses Dienstes empfangen", und doch war dieser Mann nicht errettet. Man kann, wenn Gott es will und die Kraft dazu gibt, Wunder tun; und doch kann man bei alledem selbst verloren gehen. Das ist doch erschreckend! In Matthäus 7, 21–23, bestätigt der Herr Jesus das: "Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen ... Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt, und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben, und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!"

Von Seinen Schafen jedoch sagt Er: "Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie" (Joh 10,27). Sie mögen verachtet sein in dieser Welt, aber der Herr kennt sie. Gleichgültig, wo du dich befindest: Der Herr Jesus kennt dich, wenn du eines von Seinen Schafen bist. Aber zu leblosen Bekennern wird Er einmal nicht nur sagen: "Ich kenne euch jetzt nicht mehr", sondern: "Ich habe euch niemals gekannt." Es genügt eben nicht, nur für Christus tätig zu sein. Wir können religiös und äußerlich sehr wirksam sein; das war auch Judas. Er war unter sie gezählt, er hatte diesen Dienst wie die übrigen Apostel empfangen – und ging doch verloren! Das ist ein äußerst ernster Gedanke! Ist vielleicht jemand unter meinen Lesern, der sich auch zu den Gläubigen rechnet, der als einer der Ihren gilt, vielleicht immer deren Zusammenkünfte besucht – und doch noch nicht errettet ist? Oh, dann eile zum Heiland, damit du nicht den Weg des Judas ins ewige Verderben gehst!

"Es musste die Schrift erfüllt werden ... über Judas. "Wie wir schon sahen, in Johannes 17 spricht der Herr Jesus in Seinem Gebet auch von Judas und nennt ihn dort den "Sohn des Verderbens". Keiner von den Zwölfen sei verloren gegangen als nur dieser, sagt Er. Judas hat sich nicht warnen lassen. Er hat seine Seele verkauft; er hat den Herrn um dreißig Silberlinge verraten. Es ist erschreckend, wie der Teufel einen Menschen verführen kann. Satan hat Judas erfüllt, er fuhr in ihn, und dann heißt es von Judas: "Er ging alsbald hinaus. Es war aber Nacht' (Joh 13, 30). Nacht äußerlich, Nacht in der Seele dieses Mannes! Schrecklich ist sein Ende.

In Matthäus 27 lesen wir, dass es "ihn reute". Es reute ihn, dass er unschuldiges Blut vergossen hatte, und er wirft die dreißig Silberlinge in den Tempel. Die Hohenpriester sagen, dass es Blutgeld sei und kaufen davon einen Acker, um dort die Fremdlinge zu begraben. Dieser Acker heißt bis heute "Akeldama" – "Blutacker". Es gereute Judas, aber das griechische Wort bedeutet nicht "Buße". Das ist mir sehr ernst geworden. Buße meint Sinnesänderung und ein Sich–Zerbrechen vor Gott, aber Reue bedeutet oft nicht mehr, als die Wege und die Ergebnisse zu bereuen und zu beklagen. Das ist nicht wirkliche Buße. Judas Iskariot hat nie wirklich Buße getan. Es reute ihn, das war alles. Es tat ihm leid, dass die Dinge sich so entwickelten. Das hatte er nicht gedacht, wie ich ganz sicher glaube. Er hat wahrscheinlich angenommen, dass der Herr Sich in Seiner Macht wieder befreien würde, wie Er es oft getan hatte. Aber auf einmal ist Er doch gefangen! Und dann reute es ihn.

Hast du schon Buße getan? Was ist denn "Buße tun"? Es bedeutet, Gott recht zu geben und sich zu zerbrechen, die Seite Gottes gegen sich selbst einzunehmen. Nicht Bußübungen oder Bußwerke zu tun, nein, sondern Gott zu sagen, dass man gesündigt hat, dass man ein schuldiger Sünder ist, der das ewige Gericht verdient hat. Wenn du auch nicht mehr alle Sünden weißt, so sage Ihm, was du weißt. Judas hat es nie getan, und er ist ewig verloren gegangen. Es gibt im Leben eines Menschen auch eine Zeit, in der man sich nicht mehr bekehren kann. Weißt du, du kannst dich nicht bekehren, wann du willst! Gott sagt: "Heute!" Du siehst vielleicht noch ein langes Leben vor dir und willst erst die Welt genießen. Judas hat das auch gewollt. Die Sucht nach Geld hat ihn gefesselt. Ob jung oder. alt, wir müssen Buße getan haben. Gottes Wort nennt sie ein wenig später in der Apostelgeschichte "Buße zum Leben".

Das Ende von Judas Iskariot ist, schon rein äußerlich gesehen, schrecklich. Wenn man die Stelle hier:" . . . kopfüber gestürzt, mitten entzwei geborsten, und alle seine Eingeweide sind ausgeschüttet worden" vergleicht mit dem Bericht in Matthäus 27, Vers 5: "Er ging hin und erhängte sich ", so hat man unter Umständen ein wenig Mühe, die beiden Stellen in Übereinstimmung zu bringen. Doch sei anhand dieses Beispiels eine Warnung ausgesprochen. Wenn viele heute meinen, sie könnten über Gottes Wort zu Gericht sitzen und sagen, dass es sich irre und nicht in allen Teilen übereinstimme, so liegt in allen Fällen der Irrtum bei dem Menschen, bei unserem Unverständnis und bei unserer Unkenntnis der Zusammenhänge.

Lasst uns vorsichtig sein, dem Wort Gottes einen Fehler unterzuschieben! Du wirst, wenn du das tust, immer den Kürzeren ziehen. Beides, was wir in den genannten Stellen finden, ist wahr. Gottes Wort ist die Wahrheit und wird sich nie widersprechen. Dass es einige Stellen gibt, deren Überlieferung zweifelhaft oder unsicher ist, wissen wir. Aber von angeblichen Widersprüchen wie diesem hier brauchen wir uns überhaupt nicht beeindrucken zu lassen. Im Gegenteil: Diese "Widersprüche" erweisen sich letztlich immer als Beweise für die Inspiration und die Göttlichkeit der Heiligen Schrift. Das werden wir auch hier finden.

Bedenken wir stets: Wir kennen oft die Zusammenhänge nicht. Es ist nicht Gottes erster Gedanke, uns in Seinem Wort Informationen zu vermitteln. Er will zu unseren Herzen und Gewissen reden. Deswegen teilt Er uns nicht alle geschichtlichen Einzelheiten mit. Aber als Lukas über die Auferstehung des Herrn, Seine Himmelfahrt und auch über das Ende des Judas schrieb, lebten fast alle Augenzeugen noch. So konnte er nicht etwas schreiben, was überhaupt nicht stimmte. Alle noch lebenden Augenzeugen hätten ihm gleich gesagt: Hör mal, das stimmt ja überhaupt nicht, was du da schreibst. Als Petrus hier in der Mitte der Brüder aufstand und diese Worte über das Ende von Judas Iskariot sprach, war auch Matthäus zugegen, der in seinem Evangelium eine etwas andere Darstellung gibt! Und erhebt er Einspruch? Deswegen noch einmal: Wenn wir alle Zusammenhänge kennten, die die Brüder zu Anfang, die Matthäus und die übrigen Apostel gekannt haben, dann hätten wir hier nicht die geringste Schwierigkeit, das alles zu verstehen.

Ich zeige einmal eine Möglichkeit zur Lösung der Schwierigkeit auf, ohne zu behaupten, dass es so war. Judas Iskariot war in tiefe Verzweiflung gestürzt, nachdem auch die Hohenpriester sehr hart zu ihm geredet hatten. Ihre Antwort war gewesen: "Sehe du nun zu!" So ist der religiöse Mensch: Er lässt den Menschen in seiner Verzweiflung allein. Der Heiland spricht nicht so, wenn du zu ihm kommst. Er nimmt dich auf. Aber die Menschen mögen so reden: "Sehe du nun zu." Und daraufhin ging Judas hin und erhängte sich. Wahrscheinlich ist dabei das Seil gerissen oder der Balken gebrochen. Wie es auch war, offensichtlich ist er dabei kopfüber' hingestürzt, vielleicht einen Abgrund hinab, hat sich das Genick gebrochen, und seine Eingeweide sind ausgeschüttet worden.

Das war das traurige Ende dessen, der wohl Gewissensbisse gehabt, den es gereut, der aber keine wahre Sinnesänderung erlebt hatte. Den Herrn Jesus für dreißig Silbersekel zu verkaufen! Wir kennen Menschen, die Ihn für noch weniger verkaufen würden, die ihr Seelenheil für kleine weltliche Vergnügen verkaufen. Gehörst du etwa auch zu ihnen? Judas ist an "seinen eigenen Ort'« gegangen, an den schrecklichen Ort ewiger Verdammnis. Soll das auch dein Ort sein?

Ein Blutacker

Wir haben hier zudem ein prophetisches Bild vor uns. Wenn wir einmal 1. Könige 21 hinzuziehen, so finden wir dort den gottlosen König Ahab, der den Weinberg Naboths unbedingt in seinen Besitz bringen wollte. Er vergoss deswegen das Blut Naboths. Dann kommt der Prophet Elia im Auftrag Gottes zu Ahab und sagt: "An der Stelle, wo die Hunde das Blut Naboths geleckt haben, sollen die Hunde auch dein, auch dein Blut lecken" (l. Kön 21, 19). Es ist bis auf den heutigen Tag ein prophetisches Bild von Israel. So auch hier: Dort, wo man das Blut des Herrn Jesus vergoss, ist heute der "Blutacker". Fremde, die keinen Anspruch auf ein Begräbnis in Israel hatten, wurden auf dem "Blutacker" verscharrt.

Es ist ein Bild Israels in der heutigen Zeit, wo es ein Akeldama, ein Blutacker, ist. Und wenn wir dazu in Offenbarung 14, Vers 20, lesen, dass Gott einmal die Kelter treten wird, so dass das Blut den Pferden bis an die Gebisse geht, dann verstehen wir ein wenig, was hier prophetisch angedeutet wird: Das Blut des Herrn Jesus wird gerächt werden. Wenn schon das Blut Abels zu Gott schrie, wie viel mehr das Blut Seines Sohnes! Und Israel, in einem gewissen Sinn sogar die ganze Welt, ist heute ein "Blutacker". Ernster Gedanke!

Die Erwählung des Matthias – ein Fehler?

Nun zu den letzten Versen von Apostelgeschichte 1. Wir finden hier die Tatsache, dass noch ein zwölfter Apostel erwählt wird. Als Grundlage dazu dient den Jüngern auch hier die Heilige Schrift. Sie taten nicht irgend etwas, weil sie sich das als gut und nützlich vorgestellt hatten, sondern weil die Schrift in Psalm 109 gesagt hatte: "Sein Aufseheramt empfange ein anderer." Gott wollte, dass dieser Platz als Apostel des Herrn Jesus auf der Erde, den Judas verlassen hatte, wieder ausgefüllt würde.

Viele haben gemeint, dass Petrus einen Fehler gemacht habe, als er hier die Frage aufwirft und sagt, es müsse nun einer von denen, die von Anfang an dabei gewesen und auch Zeuge Seiner Auferstehung gewesen waren, den Elfen zugezählt werden. Ich bin völlig überzeugt, dass er keinen Fehler gemacht hat. Denn erstens hat er als Grundlage für sein Handeln die Heilige Schrift. Und das ist immer der sicherste Boden. Zweitens haben sie darüber mit dem Herrn im Gebet gesprochen, und Er antwortete ihnen; und drittens, was vielleicht der wichtigste Grund ist, wird der Apostel Paulus in der Schrift nirgends mit den Zwölfen verbunden.

Wir haben vielleicht schon das Argument gehört, dass eigentlich Paulus der zwölfte hätte sein sollen, aber das ist sicher nicht so. Der Dienst des Apostels Paulus war ein völlig anderer. Auch hat er den Herrn Jesus nicht auf der Erde begleitet, und er war nicht ein Zeuge Seiner Auferstehung. Er hat Christus vielmehr in Herrlichkeit gesehen, er war Zeuge Seiner Herrlichkeit. Er sollte der Apostel der Nationen sein (Römer 11, 13). Sein Dienst war nach Kolosser 1 ein zweifacher: Er war Diener des Evangeliums, und er war der Diener der Kirche, der Versammlung. Paulus' Dienst war somit völlig verschieden von dem des Petrus und der Elfe, weil er von einem verherrlichten Christus berufen worden und weil er Ihm ein "auserwähltes Gefäß" war, Seinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels (Kapitel 9,15).

Zudem sollte das Zeugnis Gottes nach der Himmelfahrt des Herrn Jesus zuerst noch einmal an Israel gerichtet werden, und dazu sollte Petrus "mit den Elfen" aufstehen, wie wir es in Kapitel 2, Vers 14, finden. Es sollten wieder "die Zwölfe" sein (Kapitel 6,2). Zwölf redet in der Schrift von der vollkommenen Regierung und Verwaltung Gottes in Verbindung mit der Erde. Der Herr Jesus hatte auch gesagt, dass die Zwölfe, die auf der Erde mit Ihm die Verwerfung geteilt hatten, als Er hier weilte, in der Wiedergeburt mit Ihm auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten würden (Mt 19, 28). Das ist noch nie die Sache von Paulus gewesen. Oder sollte ein Thron leer bleiben? In Offenbarung 21, Vers 14, sind die "Apostel des Lammes" die Grundlagen der Stadt, nicht Paulus.

Gott sah immer die "Zwölfe", die Summe der Apostel, übrigens auch in 1. Korinther 15, Vers 5: –.. dann (erschien der Herr Jesus) den Zwölfen." – Das stimmt doch überhaupt nicht, was da steht! Es waren doch nur elf oder sogar nur zehn, als Thomas nicht dabei war! Ich nehme an, dass es eine Woche später war, als es elf waren. Und doch sagt Gottes Wort, dass der Herr "den Zwölfen" erschienen ist. Das ist so lieblich: Gott sieht immer die "Zwölf". Er nimmt gleichsam gar nicht zur Kenntnis, dass da einer fehlte. Gott sieht immer das ganze Volk Gottes, auch heute noch. Elias nahm zwölf Steine, obwohl das Volk damals schon zerbrochen war. Selbst Paulus spricht vor Agrippa noch von "unserem zwölfstämmigen Volk" (Kapitel 26, 7). Auch der Gläubige heute darf – wie Gott – stets das ganze Volk Gottes mit seinem Herzen umfassen, wenn es auch nach außen hin zerrissen ist.

Die Kennzeichen eines Apostels

In Vers 22 wird ausdrücklich gesagt, was die Kennzeichen eines Apostels sind. Das mögen sich alle die zu Herzen nehmen, die meinen, es gebe heute noch mit besonderer Macht und Autorität ausgerüstete Apostel. Natürlich gibt es im allgemeinen Sinn heute noch Apostel, denn "apostolos" heißt einfach "Gesandter". Barnabas war auch ein Apostel, eben im weiteren Sinne. Und wir sind Gesandte für Christus (2. Kor 5, 20). Dort steht auch "apostolos" ' Wir sind Apostel, Gesandte in dem allgemeinen Sinn. Insofern ist jeder Christ, jeder Diener des Herrn ein Apostel. Aber in dem

engeren Sinn, in dem der Herr Jesus die Zwölfe erwählte und sie Apostel nannte, gibt es heute keine Apostel mehr, denn sie tragen nicht die Kennzeichen eines Apostels, die in den Versen 21 und 22 klar genannt werden.

"Es muss nun von den Männern, die mit uns gegangen sind in all der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein– und ausging, anfangend von der Taufe Johannes 'bis zu dem Tage, an welchem er von uns aufgenommen wurde – von diesen muss einer ein Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden." Das sind die Kennzeichen eines Apostels, und in diesem Sinn gab es nur die zwölf von Gott anerkannten Apostel. Darüber hinaus berief Er noch den Apostel Paulus, sonst aber keinen. Wir haben heute keine apostolische Autorität mehr, denn die Grundlage der Apostel und Propheten, die Grundlage der Versammlung (Eph 2, 20), ist längst gelegt.

Wie außerordentlich lieblich überdies ist der Ausdruck, den Petrus vom Herrn Jesus während der Zeit Seines Weilens auf Erden benutzt: " in all der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein und ausging"! Welche Vertrautheit und Nähe spricht daraus!

HERR Jesus

Auch fällt uns auf, dass Petrus – das hat er, soweit ich weiß, früher nie getan – vom Herrn Jesus spricht. Sag' mal, redest du auch so von deinem Heiland, oder sprichst du immer nur von Jesus"? Besonders wenn wir über die Herrlichkeit des Herrn Jesus reden, ist der Titel "Herr" der einzig angemessene. Es ist der Herr Jesus, und wir sollten nicht von Ihm nur als "Jesus" sprechen. "Ihr beißet mich Lehrer und Herr, und ihr saget recht, denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer. . . " (Joh 13, 13–14). Der Herr kehrt die Reihenfolge der Ausdrücke beim zweiten Mal um und setzt "Herr" an die erste Stelle. Ich sage sehr gerne zu meinem Heiland Herr, denn Er hat alle Anrechte an mich, und auch an dich, wenn du erlöst bist. Lasst uns auch alle Beiworte wie "geliebter" usw. fortlassen, denn wir lesen in der Schrift nichts von "geliebter Herr". Das hat der Apostel Paulus oder ein anderer Jünger nie gesagt. Wir sollten nicht glauben, dass wir unsere Liebe zum Herrn dadurch mehr unterstreichen können, dass wir Adjektive häufen, wenn wir vom oder zum Herrn Jesus sprechen. Lasst uns ganz nüchtern und ehrerbietig dabei bleiben: "Herr Jesus. " Dann sind wir auf dem Boden der Wahrheit, denn der Heilige Geist führt immer zur Anerkennung der Herrschaft des Herrn Jesus (1. Kor 12,3).

Die Berufung des Dieners

» Und sie stellten zwei dar.– Josef, genannt Barsabas, der Justus zubenamt war, und Matthias." Ich möchte hier ganz deutlich bemerken, dass es keine Wahl durch Menschen war. Sie stellten nur zwei dar. Wahrscheinlich gab es unter den Jüngern überhaupt nicht mehr so viele, die die Kennzeichen besaßen, dass sie von der Taufe des Johannes an mit dabei und auch Zeuge Seiner Auferstehung gewesen waren. Sie stellten also zwei dar. Wer wählte jetzt? Der Mensch oder der Herr?

Es ist nicht nach den Gedanken Gottes, wenn wir Menschen, wenn die Versammlung oder irgendwelche Gremien Männer auswählen für den Dienst des Herrn. Der Herr Jesus selbst stellt in den Dienst, Er verleiht die geistlichen Gaben, und Er rüstet Seine Diener mit der notwendigen Kraft und Weisheit aus. "Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte" (Mt 9,38). Das geschah hier auch. Wer ist denn der Herr der Ernte? Gott, der Vater? Selbst das ist nicht ganz richtig. Der Herr der Ernte ist der Herr Jesus.

» Und sie beteten und sprachen: Du, Herr, Herzenskündiger aller, zeige von diesen beiden den einen an, den du auserwählt hast." Sie beten nicht zu Gott, dem Vater, sondern zu dem Herrn Jesus, und sagen, dass Er auswählen möge. Das ist bis heute das Prinzip der Berufung eines Dieners. Der Herr Jesus bestimmt vom Himmel her – denn hier war Er schon verherrlicht zur Rechten der Macht Gottes –, wer auf der Erde Sein Diener, Sein Knecht sein soll. Er stellt in den Dienst (l. Tim 1, 12). Der verherrlichte Herr gibt vom Himmel her Seiner Versammlung Gaben zu ihrer Auferbauung: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer (Eph 4, 11).

Gott hatte Paulus von seiner Mutter Leibe an abgesondert und berufen (Gal 1, 15). So ist immer Gott, ist stets der Herr Jesus der Berufende und der Auftraggeber, und niemals der Mensch.

Aber wenn schon der Herr Jesus auf Erden vor der Auswahl der zwölf Apostel betete (Lk 6, 12), wie angemessen war es nun, dass auch sie "beteten". Wir können annehmen, dass Petrus es war, der das öffentliche Gebet führte. Dieses Gebet ist ein Vorbild von Direktheit und Einfachheit. Sie reden den Herrn an und glauben, dass Er schon Seine Wahl getroffen hat. Wie viel können wir daraus lernen!

Entscheidung durch das Los

Dann warfen sie Lose. Daran merken wir, dass der Heilige Geist noch nicht gekommen war. Das Los zu werfen ist eine Methode der Haushaltung des Gesetzes, um den Willen Gottes zu erkennen. Das können wir an vielen Stellen des Alten Testaments, zum Beispiel in Sprüche 16, Vers 33, lesen: "Das Los wird in dem Busen geworfen, aber all seine Entscheidung kommt von Jehova." Auch bei Achan und bei der Aufteilung des Landes unter Josua wurde das Los geworfen, und später wird es – nach Hesekiel 47 –wieder geschehen. Aber in der Zeit, in der der Heilige Geist auf der Erde ist, werden durchaus nicht Lose geworfen, um dadurch den Willen Gottes zu erkennen. Wir haben das vollendete Wort Gottes in der Hand, und das offenbart uns Seinen Willen. Wir brauchen keine Lose zu werfen, denn der Herr Jesus will uns Seinen Willen durch den Heiligen Geist anhand des Wortes kundtun. Aber hier merken wir, dass sie noch nicht auf diesem Boden waren, denn der Geist Gottes war noch nicht gekommen.

So warfen sie Lose, und das war zu jener Zeit ganz nach den Gedanken Gottes. Der Herr lenkte das Los und machte dadurch unmissverständlich deutlich, wen Er für diesen Dienst ausersehen hatte. Wenn wir heute auch keine Lose werfen, Er wird auch heute durch Seinen Geist ebenso deutlich machen, wen Er in Seinen Dienst beruft – nicht allein dem Diener selbst, sondern auch den Brüdern, die ihn umgeben. Das sollten besonders  alle die Brüder zu Herzen nehmen, die meinen, dass der Herr sie in Seinen Dienst ruft. Keine Frage, dass Er allein beruft und in den Dienst stellt. Keine Frage aber auch, dass Er es den anderen gleichfalls völlig deutlich machen wird, dass das Sein Wille ist. Ein schönes Beispiel hiervon sehen wir dann in Kapitel 13, Vers 2: "Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werke aus, zu welchem ich sie berufen habe."

"Und das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugezählt. " Das ist immer die Weise Gottes. Er fügt den anderen hinzu. Ein wenig später lesen wir, dass dreitausend Seelen bekehrt wurden, und der Herr fügte sie der Versammlung hinzu (Kapitel 2, 41). Die Menschen schließen sich einem christlichen Bekenntnis, einer Bewegung an; Gott fügt hinzu, fügt dem hinzu, was von Ihm ist.

Nachdem nun die Apostelschar wieder vollzählig war, war alles bereit für den Tag der Pfingsten. Erinnern wir uns noch einmal: Die beiden Eckpunkte – die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Wiederkunft Christi – begrenzen die Zeit der Gnade. In dieser Zeitspanne leben wir. Bist du dir schon einmal bewusst geworden, dass das eines der größten Vorrechte ist, die es gibt? Wir sind in der Zeit der Gnade geboren, und wir leben in dieser Epoche. Wenn der Herr Jesus wiederkommt, ist die Zeit der Gnade für immer vorüber. Willst du nicht auch zum Heiland kommen? Wir, die wir durch die Gnade Gottes gläubige Kinder Gottes sind, wir freuen uns, dass Er wiederkommt. Vielleicht kommt Er noch heute!

Christian Briem

© 1988, Christliche Schriftenverbreitung, mit freundlicher Genehmigung.

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